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"Wenn der Regenwald abgeholzt ist, hilft alles Kapital nichts mehr", so Wiegandt.
Sinneswandel
Ex-Manager Klaus Wiegand kämpft für die Umwelt
Einst wollte er, dass das Kapital wächst, jetzt will er nur noch, dass der Regenwald wächst: Es ist die Geschichte des Top-Managers Klaus Wiegandt.
"Wenn der Regenwald abgeholzt ist, hilft alles Kapital nichts mehr", sagt Klaus Wiegandt. "Wir werden ihn in Jahrhunderten nicht mehr aufforsten. Das dürfen wir nicht zulassen, weil das die Größte aller Katastrophen für uns Menschen ist. Dass meine Kinder mich später im Alter fragen: 'Vater, was hast du eigentlich getan? Du warst doch dabei, du hast mitgewirkt. Ist das an dir alles vorüber gegangen? Hast Du überhaupt nicht an uns, an die Zukunft gedacht?' Das wollte ich vermeiden."

Umdenken im Ruhestand
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Klaus Wiegands trommelt für die Umwelt.
Der Welthandelskonzern Metro war einst sein Königreich. Fast zehn Jahre lang war Klaus Wiegandt im Vorstand. "Gewinnmaximierung" stand auf seiner Fahne. Während der 1990er Jahre hieß Globalisierung: steigender Umsatz, koste es, was es wolle. Erst im Ruhestand 1999 kam der Sinneswandel. "Ich habe erste Anregungen Mitte der 1990er Jahre in China erlebt", so Wiegand, "als ich sah, was sich dort zusammenbraute in der Wirtschaft, so dass ich ab einem bestimmten Punkt zu dem Ergebnis kam: Du musst etwas tun." Nachhaltigkeit heißt die Blaue Blume, die er seither sucht. Wiegand hat eine Stiftung gegründet, eine Bildungsakademie, trommelte Wissenschaftler zusammen und veröffentlichte allein in einem Jahr 22 Bücher.

"Es gibt Probleme in der Nachhaltigkeit, die müssen wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren oder sofort lösen", sagt er, "weil die Prozesse, wenn sie einsetzen, irreversibel sind. Da sei zum Beispiel das Abholzen des Regenwaldes: "Wenn der Klimawandel so weit fortgeschritten ist, dass das Klima kippt, sagen Wissenschaftler, das dauert bis zu 1000 Jahre, bis sich das Klima wieder reguliert. Dann wird der Monsunregen nicht mehr da kommen, wo er heute ist, Grönland-Eis abschmelzen, das Amazonasgebiet, die größte grüne Lunge dieser Welt, wird zu einer Steppe, mit katastrophalen Auswirkungen. Dazu darf es nicht kommen."

Der Staat ist gefragt
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Klaus Wiegand kümmert sich auch vor der eigenen Tür um die Natur.
Ein Bericht der Uno hat Wiegandt alarmiert: Die Menschheit entfernt sich täglich von der Nachhaltigkeit. Der Staat sei gefragt, sagt er. "Ein Politiker, der sich hinstellt und sagt: 'Der Benzinpreis muss sich verdoppeln', wird sofort abgewählt", so der Ex-Manager. "Für viele Menschen ist das auch nicht tragbar. Deshalb sagt die Wissenschaft seit Jahren: 'Ihr müsst das sozial verträglich gestalten.' Und das kann man, indem man das, was man oben abschöpft, den unteren Schichten über eine negative Einkommenssteuer gibt. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie wir das steuern können."

Wie jeder Einzelne etwas bewegen kann, darüber spricht Wiegand gerne vor Publikum. Sein alter Freund aus der Wissenschaft, Ernst-Peter Fischer, empfiehlt, Frauen sollten nur noch Männer wählen, die sich nachhaltig verhalten. "Charles Darwin nannte das 'Female Choice' oder 'weibliche Wahl'. Die hat über die eigentlichen Überlebensbedingungen hinaus zu Anmut, Schönheit, Zuwendung geführt. Und die Frage ist, wenn wir irgendetwas Wesentliches am Geschick der Menschheit ändern wollen, dass wir dann die weibliche Wahl beeinflussen müssen."

Beide wollen die Zivilgesellschaft wachrütteln, beide sagen: Wie müssen unseren Konsumstil ändern. "Wenn ein Einzelner etwas Positives macht, und es macht eine Milliarde Menschen, dann ist das eine ungeheure Bewegung, ein ungeheurer Erfolg", sagt Klaus Wiegand. Er will nun Größen aus Politik und Wirtschaft überzeugen, wie sehr die Zeit drängt, damit diese Art von Wachstum nicht mehr aufgehalten wird.

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