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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© AP Lupe
Sollen Mehrfach-Täter präventiv hinter Gitter?
Die weggesperrte Gesellschaft
Michael Skirl im Gespräch
Soll man Mehrfach-Täter präventiv hinter Gittern halten, wenn sie ihre Haft abgesessen haben? Genau damit befasst sich der Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses in Werl, Michael Skirl, in seinem Buch "Wegsperren!?".
Ein Dorf lebt in Angst. Angst, die in Hass umschlägt. Im Sommer 2012 kann die Polizei nur mit Mühe die aufgebrachten Einwohner von Insel in Schach halten. Immer mehr Polizisten müssen anrücken, als eine aufgebrachte Menge versucht, das Haus zweier Ex-Straftäter zu stürmen: Günther G. und Hans-Peter W. In den 1980er Jahren hatten sie mehrere Frauen vergewaltigt, fünf Jahre im Knast gesessen, weitere 20 in der Sicherheitsverwahrung. Weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Sicherungsverwahrung für menschenrechtswidrig erklärte, kamen sie frei. Seit Mai 2011 leben die beiden in Insel, denn wegsperren kann der Staat sie nicht mehr.

Sicherheit geht vor Freiheit
Zur Zeit sitzen in Deutschland noch rund 500 Menschen im Gefängnis, obwohl sie ihre Strafe abgesessen haben. Der Grund: Gutachter halten sie weiterhin für gefährlich. Sicherheit geht vor Freiheit. Sicherungsverwahrung, das heißt: eingesperrt zu werden für Taten, die man noch gar nicht begangen hat. Seit Gerhard Schröder 1998 forderte, Sexualmörder "für immer wegzuschließen", hat Deutschland einen Sonderweg eingeschlagen. Kaum ein anderes EU-Land hat die Sicherungsverwahrung so drastisch verschärft. 2009 kippte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Sicherungsverwahrung, das Bundesverfassungsgericht zog 2011 nach. Bis Mai 2013 muss eine Neuregelung her, sonst werden alle 500 Sicherungsverwahrten freigelassen.

Und vielleicht kommt es dann überall zu Szenen wie in Insel. Im Angstschatten der Bürger traten Neonazis auf den Plan. Lynchstimmung machte sich breit.Der vorerst letzte Akt: Im Oktober 2012 trat der Bürgermeister von Insel, Alexander von Bismarck, zurück. Bismarck sagt, die Landesregierung habe ihn und sein Dorf im Stich gelassen, allein gelassen in einer Stimmung der Angst.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
Das Kulturzeit-Gespräch mit Michael Skirl, Leiter JVA Werl (22.10.2012)
Buch
© Scherz VerlagLupeMichael Skirl
"Wegsperren!? Ein Gefängnisdirektor über Sinn und Unsinn der Sicherungsverwahrung"
Scherz Verlag 2012
ISBN-13: 978-3651000506
Themenwoche
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