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Themen am 17.10.2017Navigationselement
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© Reuters Lupe
In sechs Semestern müssen Studenten heute den Bachelor machen. Zu schnell?
Mit Druck zum Erfolg?
Für und Wider der Bologna-Reform
Es sollte so schön werden, das Studentenleben. Doch nun ist es erst einmal nur: voll. Studentenschwemme dank Bologna-Reform. Bologna? Dort wurde 1999 beschlossen, dass statt Diplom oder Magister nun Bachelor und Master das Studium abschließen.
In den 1990er Jahren macht die Wirtschaft Druck. Eine Reform muss her. Studenten würden als Absolventen die Hochschulen verlassen, und nicht merken, was sich weltwirtschaftlich verändert hat. "Die Internationalität fehlt weitgehend", so die Klage von Herbert Henzler, dem Leiter des deutschen Büros von McKinsey & Co., 1993 bei "Wissenschaft im Kreuzverhör". Und Marlis Dürkop, Präsidentin der TU Berlin, fordert 1996 im "Morgenmagazin": "Die Universitäten müssen als ein wirtschaftlicher Betrieb betrachtet werden. Daran müssen wir hart arbeiten."

Lern-Bulimie, Auswendiglerner
Das Ergebnis der Bologna-Reform: Bachelor-Studenten jagen in sechs Semestern durch das Studium, manche sprechen gar von Lern-Bulimie. Vor Kurzem kritisierte selbst der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, die Bologna-Reform scharf. Nur noch Auswendiglerner, keine Persönlichkeiten bringe die deutsche Uni nun hervor. Heute ist er vorsichtiger: "Wir sind zu weit gegangen, dass wir durch relativ großen Druck aus der Wirtschaft diesen Terminus Ausbildung betont haben", sagt er.

Doch es gibt Studenten, die ein Zeichen setzen, dass es mehr gibt als Leistungsdruck und Abschluss in Rekordzeit. Obwohl die Angst vor dem Versagen umgeht, engagieren sie sich für die Studierendenvertretung. "Ich habe meine Bachelor-Arbeit im siebten Semester geschrieben", sagt Stefan Bschorer. Natürlich sei das ein enormer sozialer Druck, wenn alle anderen, "die mit dir studieren, schon ihre Bachelor-Arbeit machen, vielleicht schon fertig sind, weil sie früher angefangen haben". Da müsse man stark genug sein und sagen: "Mir bringt das persönlich etwas, mich zu engagieren, dann klappt das auch." Man erwarte, dass "Studenten kreativ sind, neue Wege gehen, neue Lebensentwürfe kommen, wenn von jedem der Lebenslauf gleich aussieht", erklärt Franziska Traube. "Ich habe in Regelstudienzeit studiert, war ein Semester im Ausland und noch mehr - und dann sind trotzdem wieder alle gleich. Das will niemand - weder in der Forschung noch in der Wirtschaft."

Kritik: Social Skills fehlen
Peter Dinstühler beschäftigt mehr als 300 Ingenieure. Er hält nicht viel vom Bachelor-Abschluss. Dass die Uni-Absolventen immer jünger sind, hält er für einen Fehler. "Man muss Teamfähigkeit haben und bestimmte 'social skills', die man normalerweise nicht mit 18 mitbringt, man entwickelt das eher, wenn man 25 ist", so der Unternehmer. "Diese Arbeitsbienen werden schon in der Grundschule großgezogen", sagt auch Regine Keller. "Diese Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen kommen vorgeprägt in der Hochschule an. Und in der Uni geht es für die erschreckend weiter: wenn sie plötzlich vor die Tatsache gestellt sind, sie können sich alleine für etwas entscheiden. Sie sind selbst verantwortlich für das, was sie tun. Viele verlangen nach einer Ordnung, weil sie gar nicht gewohnt sind, selbstverantwortlich zu reagieren."

An der TU München fördern 44 deutsche Unternehmen Eigeninitiative und Mut zur Praxis. Der Verein Queb animiert Studenten zu einer Auszeit, zur Not auch gegen die Restriktionen der Hochschule: "Das ist gut für einen persönlich, für die Lebenserfahrung, für die Ruhe in sich selbst", sagt Christian Schutz, Leiter der AG Bachelor/Master bei Queb. "Es ist auch gut für den Arbeitgeber, weil er dadurch eine rundere Persönlichkeit bekommt." Zugegeben: Bologna ist nicht an allem Schuld. Erstmal Stimmung machen, heißt die Devise - mit einem Alleinstellungsmerkmal: Die TU München hat bundesweit den einzigen Freibieranstich.

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Donnerstag, 18.10.2012
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Zwischen Elite-Unis und Hochschulchaos
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