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Kulturzeit heute
18. April 2014
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    Wir wünschen frohe Ostern!
© dpa Lupe
Maria Alechina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa sind trotz Berufung zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden.
Umstrittene Ehre
Wittenberg will Pussy Riot auszeichnen
Zwei Jahre Lager für 30 Sekunden Putin-feindlichen und kirchenkritischen Punk? Dagegen regte sich weltweit Protest. In Wittenberg soll die Band Pussy Riot nun mit dem Preis der Lutherstädte geehrt werden. Doch es hagelt Kritik.
Pussy Riot - der Name wurde in den letzten Wochen zum Symbol für Ungerechtigkeit und Unfreiheit in Russland. Sinead O'Connor fordert in einem Brief an Präsident Putin die Freilassung der Musikerinnen. Sie werden den Lennon-Ono-Friedenspreis 2012 erhalten. Weltweit gibt es Konzerte und Forderungen nach Freilassung der inhaftierten Frauen, die jetzt trotz Berufung zwei Jahre Straflager für ihre regimekritische Punkpredigt in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau abbüßen müssen. Besonders im Ausland kritisiert man den russischen Staat und seine Justiz für diese harte Strafe. Das Europaparlament nominierte die Band für den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit 2012.

"Das unerschrockene Wort"
© ap Lupe
Der Preis soll an Martin Luthers unerschrockes Auftreten erinnern.
In Wittenberg wollte man da nicht abseits stehen und die Musikerinnen mit dem Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort" auszeichnen. Doch dagegen gibt es Widerstand. Heinz Wehmeier, Leiter der Deutsch-Russländischen Gesellschaft, ist schockiert. In einem Zeitungsinterview sagte er, die Entscheidung, eine Band zu nominieren, die Gotteslästerung betreibe und mit wüsten Beschimpfungen operiere, beruhe auf "einer großen Unwissenheit" über die Kirche und über Russland. Der Wittenberger Probst Siegfried Kasparick sagt: "Wittenberg macht sich lächerlich." Der Auftritt der Frauen in der Christ-Erlöser-Kathedrale habe Menschen und ihre religiösen Gefühle tief verletzt. Probst erinnerte daran, dass die Moskauer Kathedrale, das zentrale Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche, ein Symbol sei.

Die Kritiker der Wittenberger Nominierung erhalten auch Unterstützung aus der Politik: Heiner Friedrich List von der Allianz der Bürger will erreichen, dass der Beschluss des Stadtrates zurückgenommen wird und neu über die Nominierung entschieden werden soll. Er könne nicht verstehen, dass eine Stadt mit so christlichen Wurzeln wie Wittenberg "chaotischen Weibern, die vermummt in eine Kirche eindringen, sich diskriminierend und beleidigend äußern", einen Preis zukommen lassen wolle. Auch im orthodox geprägten Russland polarisiert Pussy Riot. Laut Umfragen eines unabhängigen Instituts waren mehr als 80 Prozent der Russen für eine Bestrafung der drei Sängerinnen. Über ein Drittel der Befragten sprach sich sogar für eine Gefängnisstrafe aus.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
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Schwerpunkt
Punk gegen Putin