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Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© ZDF Lupe
Die US-amerikanische Philosophin Judith Butler wird für ihre Arbeiten zur politischen Theorie, zur Moralphilosophie und zur Geschlechterforschung geehrt.
"Tief verletzt"
Philosophin Judith Butler wehrt sich gegen Vorwürfe
Die US-amerikanische Philosophin Judith Butler zeigt sich angesichts der Kritik gegen die bevorstehende Verleihung des Frankfurter Adorno-Preises an ihre Person "tief verletzt". In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" legt Butler ausführlich dar, warum sie entgegen der Vorwürfe nicht Hamas und Hisbollah unterstütze, nicht zum Boykott gegen Israel aufgerufen habe und auch nicht antisemitisch eingestellt sei.
Dem vorausgegangen waren Äußerungen des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, der es als empörend empfindet, dass mit Butler ausgerechnet jemand geehrt werde, der zum Boykott gegen Israel aufrufe und Organisationen wie Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen bezeichne. "Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als 'Halbjude' in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten", so Kramer. "Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen", kritisierte Kramer das Gremium.

"Immer für gewaltfreies Handeln"
Butler, die selbst Jüdin ist, ist laut eigener Aussage durch das jüdische Denken zur Philosophie gekommen, verteidigt jüdische ethische Traditionen und führt diese im Sinne von beispielsweise Martin Buber und Hannah Arendt fort. Die radikalen ethischen Positionen, die sie vertrete, seien eben aufgrund des jüdischen philosophischen Denkens entstanden. Dazu gehöre, dass es nicht hinnehmbar sei, zu Ungerechtigkeiten zu schweigen. "Ich war immer für gewaltfreies Handeln", sagte Butler im "Zeit"-Artikel. Diejenigen, die Kritik am jüdischen Staat üben, als antisemitisch zu bezeichnen, sei "falsch, absurd und schmerzlich". Butler sagte, sie finde, dass "Juden und Palästinenser einen Weg finden müssen, unter gleichen Bedingungen zusammenzuleben", ferner wünsche sie zusammen mit vielen Juden sowie Nichtjuden, dass die Besatzung ein Ende finde. Gewalt jeder Art müsse eingestellt werden.

Verteidigung der Entscheidung
Mittlerweile hat die Stadt Frankfurt die Entscheidung des Kuratoriums, Judith Butler auszuzeichnen, noch einmal bekräftigt. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagte nach Angaben der Stadt am 30. August 2012, er stehe voll hinter der Entscheidung des Kuratoriums. Diese werde nach der Kritik auch nicht geändert. Auch die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz hat die Vergabe des Adorno-Preises an Judith Butler verteidigt. Die Autorin gehört 2012 dem Kuratorium an, das über den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt entscheidet. Im Deutschlandradio Kultur wies sie am 30. August 2012 die Kritik des Zentralrats der Juden in Deutschland zurück. Zu dessen Vorwurf, dem Kuratorium des Adorno-Preises fehle es an moralischer Festigkeit, sagte Streeruwitz: "Ich finde es einfach eine maßlose Feststellung und ich stehe davor und staune." Butler bekomme den Preis "für ein Riesenwerk und eine Stellungnahme zur Welt, die sehr komplex und differenziert" sei, sagte Streeruwitz. Es sei an der Zeit, Butlers Replik auf die Antisemitismus-Vorwürfe entgegenzunehmen "und zu sagen: Jetzt reden wir weiter".

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
© dpaVideoDas Gespräch mit Salomon Korn, Vizepräsident Zentralrat der Juden in Deutschland (30.08.2012)
Hintergrund
Judith Butler wird am 11. September 2012 mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis 2012 ausgezeichnet. Mit ihr werde "eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit" geehrt, heißt es in der Begründung.
Für Fragen über Identität und Körper seien Butlers Schriften maßgeblich und würden weltweit rezipiert. Als Vordenkerin eines neuen Verständnisses von Kategorien wie Geschlecht und Subjekt, aber auch der Moral, sei sie immer dem "Paradigma der kritischen Autonomie" verpflichtet. Elemente ihrer Theorien fänden sich in Werken der zeitgenössischen Literatur, dem Film, dem Theater und der Bildenden Kunst.
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