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© dpa Lupe
Im Gerichtssaal am 24.08.2012. Bei der Urteilsverkündigung lächelte Breivik.
Voll schuldfähig
Norwegen und der Fall Breivik
Ein großer Tag für Anders Behring Breivik: Lächelnd nimmt er am 24. August 2012 gegen zehn Uhr morgens sein Urteil entgegen: 21 Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Auch heute ist alles ganz nach seinem Plan verlaufen, denn er wurde für voll schuldfähig erklärt. Doch was bedeutet dieser Tag für Norwegen? Kann das Land mit seinem Trauma abschließen?
Auch der 22. Juli 2011 ist für Breivik ein voller Erfolg. Kaltblütig erschießt er 77 Menschen. Er sieht sich als Vorreiter von rechten Bewegungen wie Counterjihad. Sie eint ihre Islamfeindlichkeit und die Überzeugung, dass europäische Politiker und Medien von arabischen Machthabern kontrolliert werden und Europa muslimischen Zuwanderern überlassen wird. Ihre gemeinsame Plattform sind Blogs im Internet. Sie rufen nicht direkt zur Gewalt auf, sind aber extrem gewalttätig in ihren Äußerungen.

Unterschätzte Gefahr
Breivik sieht sich als Teil dieser europäischen Bewegung. In seinem 1500-seitigen Manifest zitiert er seine Vorbilder, wie "Fjordman". Was kennzeichnet diese Vernetzung? Ein sehr guter Kenner der Szene in Norwegen ist der Journalist Øyvind Strømmen, seit 2005 verfolgt er die Bloggerszene. In seinem Buch "Eurofascism" und seinem Blog kreidet er an, der Westen kümmere sich nur um die Abwehr von islamistischem Faschismus. Die größte - unterschätzte - Gefahr sei aber der Eurofaschismus. Die "Brownshirts", die Braunhemden der IT-Ära, nennt sie Strømmen. Sie nennen sich weder Faschisten noch Rassisten und doch sind sie genau das. Nur wissen sie sich differenziert auszudrücken um intellektuell zu erscheinen.

Das heutige Urteil eint Angehörige der Opfer und den Täter. Beide Seiten wollten dasselbe: die Schuldfähigkeit. Hat Breivik also sein Ziel erreicht? Doch wie sind die Langzeitwirkungen? Was macht eine Konsensgesellschaft wie Norwegen mit ihren Freiheiten? Und vor allem: Kann so etwas wieder passieren?Anders Behring Breivik nennt sich seit einiger Zeit "Schriftsteller", seine Zelle am Stadtrand von Oslo, seine Schreibstube, von hier aus kann er jetzt weiter die Welt aus seiner Sicht erklären. Verrückt ist er also nicht. Doch ist er ein Einzeltäter? Oder gibt es da draußen noch mehrere?

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
Das Kulturzeit-Gespräch mit dem Journalisten Øyvind Strømmen (24.08.2012)
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