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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© dapd Video
Heinrich von Kleists "Prinz von Homburg" - ein flirrend-leichtes Traumspiel und doch ein beständiger Albtraum.
Triumph und Todesangst
Heinrich von Kleists "Prinz von Homburg"
"Prinz Friedrich von Homburg" ist ein blutiges Schlachtengemälde, ein Plädoyer für den Krieg. Heinrich von Kleist hat es geschrieben, um Friedrich Wilhelm III. zur Erhebung gegen den ihm aufs Blut verhassten Napoleon aufzuhetzen.
Nun kommt ein neuer Deutungsversuch: Das Drama ist ein Traumspiel, flirrend-leicht und doch ein beständiger Albtraum. Das Brüchige einer ständig kippenden Realität steht im Zentrum, durch die ein Schlafwandler irrt. So vieldeutig das Stück ist, so oft wurde es missverstanden oder missbraucht. Die Nazis sahen darin ein deutschnationales Heldenepos, während Theodor Fontane den Prinzen als prätentiösen, weinerlichen Waschlappen abtat. Wie soll man also Kleist auf die Spur kommen?

Wachtraumerlebnis mit Folgen
© dapd Lupe
Der Prinz erringt zwar einen Sieg, doch er hat die Order gebrochen.
Zum nicht ganz einfachen Plot im Schnelldurchlauf: Dem traumwandelnden Prinzen werden - ein spaßiges Experiment des Kurfürsten - die Insignien von militärischem Ruhm, von politischer Macht und die Prinzessin wie eine Karotte vor die Nase gehalten. Vom Wachtraumerlebnis am nächsten Tag ordentlich gebeutelt, ist der junge Prinz bei der Schlachtplanbesprechung unaufmerksam. Er bläst wider den ausdrücklichen Befehl vorschnell zum Angriff. Einen Sieg erringt er zwar, doch hat er die militärische Order gebrochen. Darauf steht der Tod. Der Prinz durchlebt Triumph und Todesangst, ständig dreht sich sein Schicksal: Worauf darf man vertrauen, was ist wahr?

Ein Schlüssel zu diesen Verwerfungen liegt in Kleists Biografie. Mit 14 Jahren trat er in die preußische Armee ein - das war seiner Herkunft geschuldet. Der Name Kleist war beim Heer eine Marke wie Coca Cola. Als Kind noch schlägt er die blutigsten Schlachten, nimmt aber als junger Mann seinen Abschied. Ab diesem Moment ist er ständig auf Reisen, ständig in Opposition zur Welt und eilt von Niederlage zu Niederlage - ob als Beamter, Bauer, Boulevardjournalist oder Bräutigam, der seine Verlobte stalkt und der ihr in Briefen diktiert, wie sie ihn zu lieben habe. Nur in seiner Dichtkunst gerinnt seine Maßlosigkeit zu Unsterblichkeit. All seine Bühnenhelden sind Randexistenzen, Radikalinskis wie er selbst. Völlig verarmt überredet Kleist im Alter von 34 Jahren seine Gefährtin Henriette Vogel zum Doppelsuizid.

Der Regisseur Andrea Breth gelingt in seiner Salzburger Inszenierung eine subtile Ausdeutung. Sie konzentriert sich ganz auf das Verhältnis zwischen Prinz und Kurfürst - ein Vater-Sohn-Konflikt. Großartig ist auch die präzise Führung der Schauspieler und die Ensembleleistung. Das Premierenpublikum spendete donnernden Applaus.

Sendedaten
"Kulturzeit extra aus Salzburg"
Freitag, 03.08.2012
ab 19.15 Uhr auf 3sat
Kulturzeit extra
© dpaSalzburger Festspiele
Theater
"Prinz Friedrich von Homburg"
von Heinrich von Kleist
Regie: Andrea Breth,
Salzburger Festspiele
Weitere Vorstellungen:04., 05., 07., 08., 09., 11. und 12.08.2012