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© dpa Lupe
Fadima Toure Diallo (Mitte), Kulturministerin von Mali, bittet die Unesco um Hilfe.
Welterbe-Wächter unter Druck
Die Unesco und die Zerstörung in Timbuktu
Lange galt Mali als stabile Demokratie, doch nun herrscht Chaos. Das Land ist gespalten. Der schwer regierbare Norden ist in den Händen der Islamisten – die Stadt Timbuktu, "Perle Afrikas" und Weltkulturerbe ist in Gefahr. Heilige Mausoleen wurden geschändet und zerstört.
Die Unesco hat reagiert und Teile der Stadt auf die Liste des bedrohten Weltkulturerbes gesetzt. Damit ist die Unesco inmitten eines Bürgerkrieges zwischen die Fronten geraten. "Es ist ein Politikum, um das es hier geht", sagt Henner Papendiek, ehemaliger Projektleiter der GIZ für Mali-Nord. "Ist man für Intervention oder ist man dagegen? Und wenn man die Presse verfolgt, ist das Ziel auch wunderbar erreicht worden. Das ist die erste emotionale Reaktion, die jeder von uns hat, dass man sagt: Mein Gott, wenn die jetzt anfangen, die Kulturgüter zu zerstören, das ist ja fürchterlich. Dem muss ja Einhalt geboten werden, aber das ist genau das politische Kalkül."

Das Kalkül heißt: Man braucht internationale Hilfe im Kampf gegen die Fundamentalisten - und die braucht vor allem die Führung im Süden des Landes. Der Westen hat lange zugeschaut, jetzt droht der UN-Sicherheitsrat mit Sanktionen und westafrikanische Staaten fordern militärische Hilfe. Der Aufschrei der Unesco hat die politischen Prozesse beschleunigt. "Die Zerstörungen haben stattgefunden, um die Bevölkerung davon abzuhalten, ihre Kultur auszuleben und ihren Islam zu praktizieren", sagt Lazare Eloundou Assomo von der Unesco in Paris. "Die bewaffneten Truppen aus Timbuktu haben die Mausoleen zerstört, um die Menschen davon abzuhalten, ihren Glauben auszuüben. Die Unesco musste reagieren und die Weltgemeinschaft mobilisieren, so wie es schon häufiger der Fall war."

Radikale im Fokus der Öffentlichkeit
Die Entscheidung der Unesco haben auch die Fundamentalisten von "Ansar Dine" für sich genutzt. Die Gruppe, zu der auch El-Kaida-Kämpfer aus Marokko gehören sollen, demonstriert im Fokus der Öffentlichkeit ihre eigene Stärke. "Das ist auch eine klare Botschaft zur malischen Armee, zur malischen Regierung und zu der ganzen Welt", sagt Mamadou Diawara, Ethnologe an der Universität in Frankfurt am Main. "Wir sind da, wir ziehen das durch, und wir lassen nicht locker." Mit der Zerstörung der Heiligengräber folgen die Islamisten ihrer eigenen Glaubenslogik: In der salafistischen Auslegung des Islam gibt es keinen Platz für Heilige. Zwischen Gott und dem Menschen darf es keine Zwischenstufe geben. "Es geht darum, diese Intermediation zwischen Gott und den Menschen weg zu radieren", so Diawara, "und zwar mit den wichtigsten Mitteln, egal ob es Krieg ist oder ob es Zerstörung ist."

Timbuktu war eines der großen Themen auf der gerade abgeschlossenen Unesco-Sitzung in St. Petersburg. In Mali haben viele Menschen dieses Treffen als Chance begriffen, um auf höchster Ebene Unterstützung einzufordern."Natürlich hatte die Delegation Malis ein Interesse daran, dass die Kulturorganisation Unesco sich dieses Themas annimmt", sagt Thomas Schmitt, Kulturgeograph and Universität Erlangen. "Auf der anderen Seite ist es ein intrinsisches Anliegen der Unesco, gemäß ihres Selbstverständnis, solche Konflikte zu thematisieren." Es ist das Selbstverständnis einer Organisation, die selbst in Krisengebieten als Wächter des Weltkulturerbes auftreten will. Doch auch der Appell der Unesco kann die Zerstörung des Welterbes von Timbuktu nicht verhindern.

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