Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Archiv & Vorschau
Mai 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
010203
04
05
0607080910
11
12
1314151617
18
19
2021222324
25
26
27
28
29
30
31
01
02
Kulturzeit heute
24. Mai 2013
Moderatoren
Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
NavigationselementNavigationselement
© dpa Video
Mobil gegen die Gema: Demonstranten in Berlin
Demo gegen Gema
Clubbesitzer fürchten um ihre Existenz
Mehr als 5000 Menschen haben am 25. Juni 2012 in Berlin gegen die geplante Tarifreform der Rechteverwertungsgesellschaft Gema demonstriert. Aus Sicht der Betreiber von Clubs und Diskotheken könnten die ab 2013 geplanten Tarife zu einem Aus vieler Lokalitäten führen.
Auch in Berlin-Kreuzberg gehen Clubbetreiber gegen die Tarifreform der Gema auf die Straße, sie fürchten um ihre Existenz. "Wir demonstrieren gegen die Gema-Tarifreform", sagt DJ und Clubbetreiber Marcel Weber. "Da geht es um eine Erhöhung von über 900 Prozent für uns. Das können wir uns nicht leisten. Deswegen protestieren wir."

Zehn Prozent plus diverse Aufschläge
Zur gleichen Zeit veranstaltet die Gema in Berlin-Mitte eine Pressekonferenz. Sie verteidigt die umstrittene Tarifreform: Zehn Prozent ihres Umsatzes aus den Eintrittsgeldern sollen Clubs ab 2013 an die Gema zahlen. Lorenz Schmid von der Gema findet das gerecht. "Wenn ich als Clubbetreiber zehn Cent von jedem Euro Eintrittsgeld an die Gema für das musikalische Repertoire abführe, das in dem Club genutzt wird, dann wird dadurch kein Club in den Ruin getrieben."

Zehn Prozent klingen erst einmal fair. Und die Clubs sind durchaus auch bereit, mehr als bisher für Musik zu zahlen. Aber das sei nicht alles, bemängelt Nanette Fleig von SO 36 Berlin Kreuzberg. "Das sieht zwar auf dem Papier schön und gut aus, aber dazu kommen Zuschläge, wenn man länger als fünf Stunden Musik macht, dazu kommen Aufschläge, wenn man einen Laptop benutzt, dazu kommen Aufschläge, was weiß ich, wenn Vollmond ist oder Montag - keine Ahnung, was die sich da noch alles ausgedacht haben. Also von wegen, 'es wird transparenter und übersichtlicher', davon ist wirklich keine Rede."

Preissteigerung von 900 Prozent
Am Abend demonstrieren mehr als 4000 Menschen vor der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg gegen die neuen Gema-Tarife. Eigentlich soll alles einfacher werden - und nachvollziehbarer, vor allem aber auch gerechter. Statt elf soll es künftig nur noch zwei Tarife geben. Die Beträge richten sich nach Eintrittspreis, Größe des Clubs und Öffnungsdauer. "Im Moment zahlen wir ungefähr 10.000 Euro im Jahr und wenn es nach der Gema-Tarifreform geht, würden wir bei 90.000 Euro im Jahr landen", berichtet Marcel Weber, Clubchef von Schwuz. "Das sind 900 Prozent mehr und die sind für uns nicht zu erwirtschaften. Ganz knallhart: Wir müssten schließen. Aus."

Die sprunghafte Erhöhung der Tarife könnte vielen das Genick brechen. Darauf wollen die Clubbetreiber aufmerksam machen. Sie verteilen vor dem Gema-Mitgliederfest Infoblätter. Drinnen hat man wenig Verständnis für die Lage der Clubbetreiber. Es scheint aber auch an Informationen zu mangeln. Moritz Denis, Filmkomponist und Gema-Mitglied, glaubt, "dass die großen Discotheken, soweit ich das gelesen habe, durchaus größere Tarife haben, aber dass die kleinen, und da gibt es auch Leute, die das ausgerechnet haben, wesentlich entlastet werden."

Kleine Clubs werden hart getroffen
Doch besonders viele kleinere Clubs scheint es hart zu treffen. Monatspauschalen fallen weg. Jeder Abend wird einzeln abgerechnet. "Wir kriechen seit Jahren am Existenzminimum herum", berichtet Nanette Fleig, Besitzerin des SO 36. "Die Gema rechnet bei ihren neuen Tarifen auch immer mit ausverkauftem Haus, diese zehn Prozent sollen auf die Einnahmen einer ausverkauften Hütte gehen. Aber wer hat denn schon jeden Abend ein ausverkauftes Haus?"

Zurzeit prüft das Deutsche Patent- und Markenamt, ob die von der Gema verlangten Tarife angemessen sind. Kritiker meinen ohnehin, die Gema habe ganz andere Probleme. Angesichts von 120 Millionen Euro Verwaltungskosten pro Jahr, sollte die Gema vielleicht eher über eine Reform ihrer Strukturen als über die Reform ihrer Tarife nachdenken.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Blog
© dpaAusgespült?