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Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© colourbox Video
Allzeit erreichbar - das lässt die Seele sterben.
Schlaf schön!
Zum Tag des Schlafes
Am 21. Juni, ausgerechnet am längsten Tag des Jahres, ist der Tag des Schlafes. Die nächtliche Rast, die vor einigen Jahrzehnten noch ein ganz selbstverständliches Glück zu sein schien, allenfalls ein Arbeitsgebiet von Ärzten und Pharmazeuten, ist im Zeichen zunehmenden Effizienzdrucks und dem Gebot andauernder Erreichbarkeit, zu einem Gut des Mangels geworden, das es zu schützen gilt.
Unerhörtes geschieht, seit Monaten schon. Jeden Montag, Punkt 18 Uhr, belagern aufmüpfige Gestalten den Frankfurter Flughafen - und machen mächtig Radau. Protest gegen die neue Landebahn. Revolution? Umsturz? Iwo. Sie fordern bloß ein lebensnotwendiges Gut: ihren Schlaf.

Schlaf: so heilsam, so existenziell
© dpa Lupe
Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf.
Die Nachtruhe, das bisschen Frieden, vom Gesetz geschützt, scheint selbsverständlich zu sein und ist doch bedroht wie ein seltenes Tier. Aber immerhin: Es gibt den Tag des Schlafes, ausgerufen von Ärzten und Wissenschaftlern, ein vergessener Festtag, der zu den schönsten und wichtigsten im Kalender zählt. Doch das Recht auf Müdigkeit wird in der Effizienzgesellschaft klein geschrieben. Wehe dem, der als Schnarchnase oder Penntüte gilt. Der Schlummer wird gar kriminalisiert. Schläfer? So nennt man Terroristen. Dabei ist der Schlaf so heilsam - und so existenziell.

"Es hat Sinn, unseren Liebsten eine Gute Nacht zu wünschen - und unserem kranken Nachbarn auch", sagt der Hirnforscher und Autor Joachim Bauer. Wer nicht schlafen kann, wer sich nächtens wach im Bette wälzt, nimmt daran nicht nur physisch Schaden - dem bleibt auch der Eintritt ins Reich der Träume verwehrt, der kann sich keine entlastenden Bilder und Symbole schaffen. Da gerät das Schlafzimmer, ohnehin zumeist eine lieblos eingerichtete Zelle, zur Folterkammer. Dabei ist der Schlaf doch ein Stück Kulturgeschichte.

Menschenrecht auf Muße - und auf Schlaf
Die skurrilen Fantasien rund um den Schlaf reichen zurück bis ins 17. Jahrhundert. Der Schlaf, dessen wir am 21. Juni gedenken, hat in seiner langen Geschichte auch eine metaphysische Dimension. Wer beherzt schläft, den Kontrollverlust übers Bewusstsein beizeiten übt, der wird, wenn die Stunde naht, auch leichter sterben. Jede Bettruhe ist ein kleiner Tod. So dachten zumindest die gottesfürchtigen Romantiker und plagten die Ihrigen bisweilen mit recht bizarren Exerzitien. Wir lernen: Wer den Schlaf, die tägliche Auszeit, vernachlässigt, sich Morpheus Armen entreißt, um zu funktionieren, der bringt sich um elementare Erlebnisse des Menschseins. Immer nur online sein, allzeit erreichbar - das lässt die Seele sterben. Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat jüngst laut Alarm geschlagen. Und die Wissenschaft stimmt zu. Es gibt ein Menschenrecht auf Muße und auf Schlaf.

So reicht, genau besehen, der Protest der Landebahngegner in Frankfurt oder München weit über den eigentlichen Anlass hinaus. Die dort, mit Tröten und Ohrstöpseln bewaffnet, einen Weckruf wagen, sind die wiedererwachten Vertreter einer Spezies, von der wir dachten, sie sei ausgestorben: Nachtwächter, ausgeschlafene Burschen, die unsere Bettruhe behüten und uns vor Katastrophen warnen.

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Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
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