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© frischefotos.de heiko marquardt Lupe
Worin liegt das Neuartige einer Bewegung?
Wem gehört die Bewegung?
Über das Urheberrecht beim Tanz
Kann ich eine Bewegung urheberrechtlich schützen? Der Choreograf Christoph Winkler hat in den Berliner Sophiensälen das Tanzstück "Dance! Copy! Right?" zu diesem Thema choreografiert. Es erzählt von einem Urheberrechtsstreit vor Gericht, den es so tatsächlich gab. Winkler hatte als Sachverständiger einzuordnen, ob Tanz-Bewegungen kopiert waren.
Die Tanzgeschichte hat ihre eigene Stil-Geschichte und jede Choreografen-Generation setzt sich mit dem vorausgegangenen Bewegungsvokabular auseinander. Darüber gab es selten Streit, das gilt nicht als "kopieren". Aber oft gibt es zum Beispiel strenge Regeln, wer berechtigt ist, ganze Choreografien für eine Wiederaufnahme neu einzustudieren. Im zeitgenössischen Tanz können ganze Choreografien aus wenigen Schritten, einigen großen Schwüngen der Arme bestehen. Was heißt das für den Tanz und sein Urheberrecht?

Was ist die Schöpfungshöhe?
© frischefotos.de heiko marquardt Lupe
Alltagsbewegungen lassen sich schlecht urheberrechtlich schützen.
Ganz besonders fraglich wird die Debatte, wenn Alltagsbewegungen im zeitgenössischen Tanz verwendet werden: Worin liegt das Neuartige einer Bewegung, die sogenannte Schöpfungshöhe? Sie ist notwendig, damit Bewegung als Kunst rechtlich geschützt werden kann. "Natürlich kann ich den einfachen Armschwung nicht für Anlässe außerhalb dieses Kontextes schützen lassen", so Christoph Winkler. "Das wäre wirklich verrückt." Man würde "menschliche Schritte" schützen lassen.

Die Schauspielerin und Tänzerin Marika Rökk hatte einst für einen ihrer Filme eine Szene aus der Choreografie "Der grüne Tisch" von Kurt Jooss geklaut. So zumindest lautete das Gerichts-Urteil. Leider können wir die Tanz-Szene nicht zeigen, denn auch wir haben ein Problem mit den Rechten: Uns erreicht die Nachricht: "Die Erbengemeinschaft von Kurt Jooss verweigert jegliche TV-Nutzung." Ganz zu schweigen von den Nutzungsrechten im Internet. Für Christoph Winkler steht dabei das Urheberrecht - wie es derzeit ist - tatsächlich im Weg.

"Das Problem beim Urheberrecht ist", erklärt der Choreograf, "dass es ein sehr komplexes Recht ist. Es zielt sozusagen ins Herz der bürgerlichen Gesellschaft. Alles über unsere Dichter und Denker, alle, mit denen wir uns identifizieren und über die wir auch unsere Gesellschaft gründen, werden auch immer vorgeschoben. Es ist aber historisch gesehen ein knallhart ökonomisches Recht. Der Schutz des Künstlers hat damit sicherlich auch zu tun, aber nur sehr wenig."

Winkler will kein monopolistisches Urheberrecht
Christoph Winkler will eine Reform des Urheberrechts, weg von der Idee, dass Rechte monopolistisch vergeben werden, was letztlich alles teurer macht. Oder soll man vielleicht das Urheberrecht im Tanz ganz abschaffen, alles freigeben, um den Problemen aus dem Weg zu gehen? "Grundsätzlich zu sagen, dass die Gedanken frei sind und auch die Verkörperung der Gedanken, finde ich sehr sympathisch", sagt die Juristin Madeline Ritter, die auch das Projekt "Tanzfonds" leitet. "Aber solange es Firmen wie Google, Twitter oder Facebook gibt, die damit Milliarden-Geschäfte machen, bin ich dafür, dass die Position des Urhebers und auch des Choreografen, die nicht an dem Geschäft Teil nimmt, rein finanziell, geschützt sind. Wenn ich ein schnelles System der Kommunikation herstelle zwischen dem, der es nutzen will, und dem, der es geschaffen hat, dem Schöpfer, dem Urheber, dann wird der Tanz davon profitieren."

Es geht um Geld beim Urheberrecht, ein Recht, das beim Tanz - wie bei Bühnenkünsten überhaupt - besonders komplex ist. Das liegt daran, dass viele künstlerische Bereiche beteiligt sind: Musik, Bühnenbild, Licht, Kostüme - jeder will berücksichtigt werden - viel Platz für Streit.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Schwerpunkt
Urheberrecht, Wikileaks, Internet