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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© Ap Video
Nudeln und Öl für eine Theaterkarte: In Thessaloniki zahlt man mit Naturalien.
Neue Wege
Teil III: Griechische Odyssee 2012
Die Alten spielten, um die Götter zu ehren. Jahrtausende sind vergangen. Das Spiel blieb. Die Götter sind andere. In Athen arbeitet die avantgardistische Theatergruppe "Blitz" an einer Neuinterpretation des "Don Quichotte". Geld war schon immer knapp, doch früher bekamman wenigstens Zuschüsse vom Athener Theaterfestival. Ob das 2013 noch stattfindet, weiß niemand.
2012 müssen sich die Mitglieder von "Blitz" Geld von Freunden borgen, damit die Aufführung stattfinden kann. Es gibt nur noch deswegen Theater in Griechenland, weil seine Macher Idealisten sind. "Unser Staat ist wie ein Balkanstaat", sagt Christos Passalis von der Theatergruppe "Blitz". "Wir waren schon immer ein Balkanstaat. Das ist das Problem. Das bedeutet, dass die Bürger dem Staat nicht trauen und die Regierung den Bürgern nicht. Trotz der Krise haben wir unsere Mentalität im Alltag noch nicht geändert."

In einem Haus am Meer schrieb einst der Schriftsteller Nikos Kazantzakis den Roman "Alexis Sorbas". Der erklärt seitdem der Welt, was Griechen denken. Zum Beispiel heißt es darin: "Leben heißt, den Gürtel fest schnallen und Ausschau halten nach allen Schwierigkeiten. Nun?" Ja, was macht man mit den Schwierigkeiten? Seit Beginn der Krise verkaufen zumindest die Buchhandlungen mehr als zuvor. "Im Moment haben wir einen Anstieg bei Wirtschaftsbüchern oder sozialpolitischen Analysen, die sich um Europa oder speziell um Griechenland drehen", berichtet die Buchhändlerin Nicole Papasotiriou. "Außerdem verkauft sich Philosophie." Mit Theater und Büchern erklärt man sich die Welt. Nicole Papasotiriou weist auf ein Buch: "Das zum Beispiel heißt 'Das Management der Krise'. Es erklärt unter anderem, wie Sie ihren Haushalt führen müssen, damit er wirtschaftlich okay ist. Außerdem enthält das Buch eine Analyse über das Ende des Staates."

Zahlen schaffen Fakten
Der Staat scheint am Ende zu sein und damit auch seine Erklärungsmodelle. Der Spielplan der Saison des Nationaltheaters hat das Motto: "Was ist unsere Heimat?" Das wichtigste Theater des Landes hat mittlerweile den zusammengeschrumpften Etat eines deutschen Stadttheaters. Zahlen schaffen Fakten. Der künstlerische Direktor des Nationaltheaters in Athen wird das Haus noch ein Jahr leiten. "In gewisser Weise liegt in der Krise auch die Möglichkeit für viele gute Dinge", sagt Yannis Houvardas. "Viel Neues kann entstehen. Es ist sozusagen das Gesetz des Lebens, dass das Neue das Alte überschreibt und ersetzt. Nur ist die Frage, was das Neue tut, wenn es das Alte ersetzt."

Am besten geht das Neue komplett neue Wege. Im Theaterworkshop einer freien Bühne hat der Staat nichts mehr zu sagen. "Embros" heißt "Vorwärts". Lange stand das Theatergebäude leer. 2011 wurde es von sechs freien Theatermachern besetzt. Seitdem spielt das Kollektiv. Allein in Athen gibt es mehr als 200 Theatergruppen. Sie machen jeden Ort zur Bühne. Der internationale Theatermacher Michael Marmarinos wird im Sommer 2012 eine Baugrube bespielen. Vielleicht entsteht etwas Neues im Brachland. Vielleicht ist es aber auch das letzte Mal. Immer mehr Schauspieler und Regisseure emigrieren ins Ausland. "Es ist nicht schlimm, ein Beduine zu sein", sagt Marmarinos. "Es ist gut zu reisen und Dinge zu ändern. Ich möchte nicht an einem Ort stagnieren. Es hat also seine gute Seite. Aber es ist schlecht, wenn man sich vorstellt, dass man zum Auswandern gezwungen wird, dass man gleichzeitig zum ökonomischen und politischen Migranten wird - im Inneren des Bauchs von Europa. Es hat seine traurigen Seiten, sich das vorzustellen."

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