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© dpa Lupe
Sogar ein Asteroid ist nach Bradbury benannt worden.
Der Science-Fiction-Literat
Schriftsteller Ray Bradbury gestorben
Ray Bradbury hat 2007 einen Pulitzer-Preis für ein Lebenswerk als Verfasser von Science-Fiction und Fantasy erhalten, etwa 600 Erzählungen und viele Romane unterschiedlicher Genres, Drehbücher, Theaterstücke, Radio- und Fernsehskripte verfasst. Einige seiner Werke wurden verfilmt. Sogar ein Asteroid ist nach ihm benannt worden. Am 5. Juni 2012 starb er im Alter von 91 Jahren.
Der neunjährige Junge, der er einmal war und der sich vor allem für "Buck Rogers"-Comics begeistern konnte, hat es weit gebracht. Und man darf ihm glauben, dass die Sehnsüchte und Ängste des Sohns einer mittellosen Familie ihn immer angetrieben haben, wenn er seither seine Fantasien zu Papier gebracht hat. Damals wie heute haben ihn Ideen mehr interessiert als realistisch durchdachte technische Machbarkeitsfragen. Und er hat viel von dem erahnt, was im Raketenzeitalter möglich und im Konsum- und Medienzeitalter zunächst komfortabel und dann fragwürdig geworden ist.

SciFi, Horror und Fantasy vermischt
Ray Bradbury hat sich literarischen Sujets gewidmet, die im Allgemeinen kein hohes Ansehen genießen. Aber er hat deren Grenzen von Beginn an auch missachtet, hat SciFi, Horror und Fantasy miteinander vermischt, hat in jahrelanger harter Arbeit nach einem eigenen Ton gesucht. Eine Story pro Woche legt er sich mit Anfang 20 als Arbeitspensum auf, und möglichst viele dieser Geschichte versucht er auch er zu verkaufen, denn er will und muss davon leben. Seine ersten Abnehmer sind einschlägige Pulp-Magazine, dann folgen angesehene Zeitschriften sowie symbolische Erfolge, wenn etwa einzelne Geschichten in die jährlichen Anthologien der besten amerikanischen Shortstorys aufgenommen werden.

Zusammen mit Robert E. Heinlein, Isaac A. Asimov oder Arthur C. Clarke gehört Badbury zu einer Gründergeneration, aber ganz ohne Vorbilder schreibt er nicht drauflos. Nicht nur Comics beeinflussen ihn, seit er mit zwölf Jahren auf einer Spielzeugschreibmaschine herumhakt, sondern auch Schriftsteller wie H. P. Lovecraft oder Charles Dickens. Lange bemüht er sich vor allem darum, diesen Vorbildern nachzueifern. Die Wende kommt mit Mitte 20. "Was mich befreite, war 'Winesburg/Ohio' von Sherwood Anderson", betont er seither immer wieder. Dessen Erzählungen über Menschen auf herbstlichen Veranden und in den Dachstuben einer Kleinstadt in Ohio, 1919 erschienen, hätten ihn dazu gebracht, sich aus einem geistigen Gefängnis zu befreien: "Wenn ich ein Buch schreiben könnte, das nur halb so gut ist wie dieses, aber auf dem Mars spielt", so Bradbury, "wie unglaublich wäre das."

Mit den "Mars-Chroniken" kommt er diesem Ziel 1950 schon sehr nahe. Er schildert mehrere Besiedelungsversuche von Menschen auf dem "roten Planeten", möbliert das Ferne und Träumerische nach dem Vorbild US-amerikanischer Kleinstadtidyllen und erfindet einen ganzen anderen Schrecken als etwa H.G. Wells, der 1897 in "Der Krieg der Welten" die Erde vom Mars her durch eine überlegene Intelligenz heimsuchen ließ. Bradbury bringt stattdessen den Horror des Kalten Krieges auf den Mars. Auf dem fernen Planeten begegnen die Menschen vor allem sich selbst, und schlimmer kann es gar nicht für sie kommen.

Spielart von Viel- und Schnellschreiberei
Ray Bradbury hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass sein umfassendes Werk sich durchaus einer Spielart von Viel- und Schnellschreiberei vedankt, einer laufenden Produktion, die grundlegende Motive immer wieder neu kombiniert und weiterentwickelt. Die "Mars-Chroniken", die Storys aus "Der illustrierte Mann" und "Fahrenheit 451" sind daher vielfach miteinander verbunden, leben von ausgeprägten Horroreffekten, von einem Erschrecken, das ein gewisses Maß von Gesellschaftskritik enthält, sich aber auch unverhohlen dem Wunsch nach zugkräftiger Unterhaltung verdankt. Diese Zwiespältigkeit macht seine Erzählungen seltsam unangreifbar. Sie sind nicht ganz von dieser Welt, also lassen sie sich mit dem naiven Blick des Unterhaltungssüchtigen wie mit dem geschärften Auge des Kulturkritikers goutieren.

Für den ersten "richtigen Roman", an dem Ray Bradbury sich versucht, gilt das allerdings nur mit Einschränkungen. "Fahrenheit 451" baut ebenfalls auf vorangegangenen Geschichten auf, entsteht aber als eigenständiges Werk, als Vision einer totalitären, aber komfortablen Welt, in der es schon lange keine Bücher mehr geben darf und in der Feuerwehrleute dazu da sind, verborgene Bücher und Bibliotheken zu verbrennen. Dieser Roman steht seit 1953 als Gleicher unter Gleichen neben Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" oder George Orwells "1984". Es ist das Buch, mit dem Bradbury sich endgültig etabliert. In den Jahren und Jahrzehnten, die sich anschließen, baut er sein Territorium immer weiter aus, arbeitet mit John Huston an dem Film "Moby Dick", schreibt für Radio- und Fernsehserien - und beeinflusst damit unter anderem einen jungen Mann namens Stephen King. Nicht zuletzt wird er 1957 auch das Buch vorlegen, dass Sherwood Andersons "Winesburg/ Ohio" am nächsten kommt. Es heißt "Löwenzahnwein" und enthält eine Reihe autobiografischer Episoden aus der Kindheit in Waukegan, Illinois.

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Kulturzeit: montags bis freitags,
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