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Verbitterung blieb Margarete Mitscherlich immer ein Fremdwort.
Verbitterung blieb Margarete Mitscherlich immer ein Fremdwort.
Grande Dame der Psychoanalyse
Zum 100. Geburtstag von Margarete Mitscherlich
Sie war die große alte Dame der Psychoanalyse. Margarete Mitscherlich zählte gemeinsam mit ihrem Mann zu den bedeutendsten Intellektuellen im Nachkriegsdeutschland. Am 17. Juli 2017 wäre sie 100 Jahre alt.
Die Psychoanalytikerin und Autorin Margarete Mitscherlich war viele Jahre am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main tätig. Gemeinsam mit ihrem 1982 gestorbenen Mann Alexander Mitscherlich analysierte sie in "Die Unfähigkeit zu trauern" (1967) die Nachkriegsgesellschaft. Der Bestseller über die kollektiven Verdrängungsmechanismen der Deutschen gilt als ein Schlüsseltext der Studentenbewegung.

Jahrzehntelange Liebes- und Arbeitsbeziehung.
Als Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin kam Margarete Nielsen 1917 im Graasten (Dänemark) zur Welt. Ihr Abitur machte sie während der Nazi-Diktatur in Flensburg. Nach dem Medizinstudium in München und Heidelberg arbeitete sie vorübergehend in der Schweiz, wo sie Alexander Mitscherlich kennenlernte. Den 1949 geborenen gemeinsamen Sohn Matthias vertraute sie zeitweise ihrer Mutter an, weil sie ihn wegen der eigenen Berufstätigkeit dort besser versorgt glaubte. Das brachte ihr später viel Kritik ein. Erst 1955 heiratete das Paar und begründete eine jahrzehntelange Liebes- und Arbeitsbeziehung.

Margarete Mitscherlich wandte sich später der Frauenbewegung zu. In ihrem bedeutendsten eigenen Buch, "Die friedfertige Frau" (1985), legte sie dar, dass Frauen nicht von Natur aus weniger aggressiv sind, sondern ihr vermeintlich ausgleichendes Wesen nur erlernt haben. Noch im Herbst 2010 hatte die Medizinerin ein Buch mit dem Titel "Die Radikalität des Alters" geschrieben. Sie konnte nicht mehr in ihr geliebtes Ferienhaus am Lago Maggiore reisen und benötigte ein Rollwägelchen. Verbitterung blieb ihr aber immer ein Fremdwort.

Mit ihrem Leben sei sie rückblickend "ganz zufrieden", sagte Mitscherlich zu ihrem 90. Geburtstag. Bis zuletzt hielt Mitscherlich noch gelegentlich psychoanalytische Sitzungen ab, las zwei Tageszeitungen und den "Spiegel" und schrieb ganz selbstverständlich E-Mails. Sie starb am 12. Juni 2012 mit 94 Jahren.

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