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Konstantin Wecker: Rebell, Schreck des Bürgertums. Poet, Lyriker und ein bisschen auch Mystiker. Jetzt wird er 70.
Konstantin Wecker: Rebell, Schreck des Bürgertums. Poet, Lyriker und ein bisschen auch Mystiker. Jetzt wird er 70.
Liedermacher, Autor, Querdenker
Konstantin Wecker zum 70. Geburtstag
"Mein Schicksal war immer klüger als ich", sagt Konstantin Wecker. "Wenn ich zu eitel wurde, zu hoffärtig, zu eingebildet, dann gab's immer einen Arschtritt vom Schicksal." Er gilt als Rebell, Schreck des Bürgertums, Anarchist, Poet und Lyriker - und nun feiert Wecker seinen 70. Geburtstag.
Geboren am 1. Juni 1947 im München der Nachkriegszeit, wächst Wecker als Sohn eines Opernsängers auf. Er lernt Klavier und Geige und singt in einem Kinderchor - ein glockenheller Sopran. In der Pubertät entdeckt er seine Leidenschaft fürs Dichten und auch sein Freiheitsdrang wächst. Mit zwölf Jahren nimmt er zum ersten Mal Reißaus. Nach einem abgebrochenen Studien der Philosophie und Psychologie und einem Zwischenspiel als Schauspieler in Sexfilmchen wie "Beim Jodeln juckt die Lederhose" landet Wecker schließlich ganz bei der Musik, tritt in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft auf. 1977 erhält er den Deutschen Kleinkunstpreis und feiert mit "Genug ist nicht genug" einen seiner ersten musikalischen Erfolge. "Willi", sein Lied über den Tod eines Freundes bei einer Kneipenschlägerei mit Rechtsextremen, verschafft ihm im gleichen Jahr den Durchbruch.

Er nennt unbequeme Dinge beim Namen
Wecker arbeitet mit vielen bekannten Künstlern zusammen, etwa Joan Baez und Mercedes Sosa. Der Liedermacher komponiert auch Filmmusik, beispielsweise für "Die weiße Rose" von Michael Verhoeven ode auch Helmut Dietls "Schtonk!". Wecker gilt als Querdenker, der unbequeme Dinge stets beim Namen nennt. "Das Talent bringt die Verpflichtung mit, sich mindestens um diejenigen zu sorgen, die aus dem gesellschaftlichen Raster fallen, die normalerweise keine Stimme haben", sagt er einmal. "Es waren ja immer die Dichter, die ihnen eine Stimme verliehen haben."

Auch für Wecker selbst gibt es harte Zeiten: Er kokst, wird mehrmals verhaftet und schließlich 2000 zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten auf Bewährung verurteilt. Literarisch arbeitet er etwa in "Ketzerbriefe eines Süchtigen" von 1983 seine Kokainsucht auf. Dank seiner Familie - Wecker ist verheiratet und hat zwei Söhne - und Freunden überwindet er die Sucht. Er selbst beruft sich auf Buddha: "Wirklich zu leben fängt man ja erst an, wenn man den Tod gesehen hat, ihn eingesehen und akzeptiert hat", sagt er einmal. Die 1996 geschlossene Ehe mit seiner zweiten Frau Annik kommt 2013 zum vorläufigen Ende, als das Paar seine Trennung bekanntgibt.

"Demokratie muss lebendig sein"
Wichtig ist Konstantin Wecker stets sein politisches Engagement. "Die Zeiten sind vorbei, in denen einer sagt, was alle tun müssen", erklärt er. 2003 reist Wecker in den Irak, während des Krieges, um sich selbst ein Bild von den Geschehnissen zu machen. "Als Lyriker kommt man nicht weit mit Verdrängen", sagt er. Er wirkt bei der Blockupy-Bewegung in Frankfurt am Main mit - und auch in der Friedensbewegung ist er weiter aktiv. "Das sind ganz angenehme Menschen, die mir tausendmal lieber sind als diejenigen, die durch die Fußgängerzone hetzen und nichts als Shoppen im Sinn haben", so Wecker. "Das sind Menschen, die eine andere, eine friedliche Welt gestalten wollen. Das Wichtigste aber: "Demokratie muss lebendig sein. Da gehört ziviler Ungehorsam dazu."

Schon vor dem runden Geburtstag am 1. Juni 2017 ist er in eine Mega-Jubiläumstournee gestartet, mit 50 Auftritten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sein Wunsch zum Geburtstag: "Dass meine Stimme bei den Konzerten durchhält. Toitoitoi." Schließlich sind Wecker-Konzerte nicht nach eineinhalb Stunden vorbei - sondern dauern doppelt so lange. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
live um 19.20 Uhr
BR-Mediathek
© dpa"Absturz und Belcanto - Konstantin Wecker wird 70"
"Capriccio"-Beitrag vom 18.05.2017