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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© dpa Lupe
Mehr als 6500 Menschen haben die Forderung unterzeichnet, das Urheberrecht müsse an das Internet angepasst werden - fair für Künstler und Nutzer.
Angeheizt und unsachlich
Der Streit um das Urheberrecht
"Wir pfeifen auf Gesetze!", proklamieren die einen in der Zeitung, weil sie im Internet Freiheit wollen. "Ihr klaut uns unsere Ideen!", schreien die anderen und lassen sich mit herausgerissenen Herzen ablichten. Was ist denn eigentlich los in den Medien? Es geht um das Thema Urheberrecht und wie man damit im Internet-Zeitalter umgehen soll. Der Streit um das geistige Eigentum hat sich mittlerweile in vollkommen übertriebene Höhen hochgeschraubt - ordentlich angeheizt von den Medien.
"Wir sind die Urheber" - eine einfache Feststellung, mit großer Wirkung. Das Manifest für das Urheberrecht haben mehrere tausend Künstler unterschrieben und im Netz veröffentlicht, unterstützt von der "Zeit". Der Feuilletonchef der "Zeit", Jens Jessen, erklärt: "Die Autoren, die diesen Aufruf für die Verteidigung des Urheberrechts geschrieben und unterschrieben haben, haben sich an uns gewandt. Und wir haben gleich gefunden, dass das sinnvoll ist, das zu veröffentlichen."

Botschaft mit wenig Substanz
Prominente Köpfe für populistische Botschaften: Das machen die Medien gern mit. Es geht auch um wirtschaftliche Interessen der Verlage. Die Botschaft lautet: "Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen." ("Wir sind die Urheber", "Die Zeit", 9. Mai 2012). Wie sie den Diebstahl ihrer Werke verhindern wollen, lassen die Künstler offen. Überhaupt: Es gibt wenig Substanz in ihrer Streitschrift. "Die Kampagne 'Wir sind die Urheber', die von der 'Zeit' auch mit unterstützt wird, ist an einer gewissen Plattheit nicht zu unterbieten", findet der Medienwissenschaftler Philipp Riehm. "Inhaltlich kommt dabei wenig rüber. Über das Thema an sich wird wenig gesprochen. Es polarisiert ordentlich."

© dpa Lupe
Sven Regener heizte mit seiner Wutrede die Stimmung an.
Und das Thema provoziert sofort Reaktionen: Aktivisten des Internet-Kollektivs Anonymous veröffentlichen persönliche Daten der Unterzeichner - eine klare Drohung. Die Daten wurde im Netz gesammelt und nicht gehackt, wie von Gegnern behauptet. Riehm kritisiert die Aktion: "Die Reaktionen der Anonymous-Aktivisten lassen bei mir die Frage aufkommen, inwiefern das Veröffentlichen von persönlichen Daten irgendwie die Diskussion nach vorne bringt." Sven Regener, Musiker und Autor, ist Auslöser und mitverantwortlich für die unsachliche Diskussion. In seiner Wutrede im Bayrischen Rundfunk sagte er: "Das Rumgetrampel darauf, dass wir irgendwie uncool seien, weil wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grunde genommen nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt: Euer Kram ist nichts wert, wir wollen das umsonst haben." (BR, "Zündfunk", 21. März 2012)

Viel Aufmerksamkeit, wenig Inhalt
Regeners Rede war eine Steilvorlage für das "Handelsblatt". Es initiiert die Kampagne "Mein Kopf gehört mir!" mit Statements von 160 Prominenten zum Urheberrecht. Viel Aufmerksamkeit für wenig Inhalt, meint Riehm. "Die derzeit laufenden Kampagnen sind nicht konkret ernst zu nehmen, denn das hat schon ein bisschen alberne Züge, da wird mit sehr sehr harten Bandagen aufeinander gehauen." Auch die Aktion "Ja zum Urheberrecht" kämpft mit harten Bandagen. In der Plakat-Kampagne von Krimi-Autoren reißen Netzaktivisten Schriftstellern das Herz aus dem Leib. Der Vorwurf: Kulturfledderei. Dabei ignorieren Verlage und viele Künstler, dass nur die wenigsten Nutzer eine völlige Abschaffung des Urheberrechts fordern und Tauschbörsen für Filme und Musik legalisieren wollen.

Diesbezüglich ist der Blogger Michael Seemann eine absolute Minderheit. Vor Kurzem forderte er bei bei "Spiegel Online": "Das Urheberrecht gehört ganz abgeschafft." ("Lieber frei als gerecht", Spiegel Online, 21. April 2012). Die Mehrheit im Netz denkt anders, wie der Münchner Programmierer und Medienpädagoge Thomas Pfeiffer. Kurz nach der Urheber-Kampagne in der "Zeit", startet er die Gegenplattform "Wir-sind-die-bürger.de". "Was mich geärgert hat, war die Aussage, die Netzgemeinde wolle das Urheberrecht abschaffen", so Pfeiffer. "Das halte ich für völlig falsch und dem wollte ich etwas entgegensetzen."

Bis heute haben mehr als 6500 Menschen die Forderung unterzeichnet, das Urheberrecht müsse an das Internet angepasst werden - fair für Künstler und Nutzer, ohne harte Strafen bei illegalen Downloads und ohne Überwachung des Netzes, um diese Vergehen aufzuspüren. Vor allem will Pfeiffer aber eins: "Ich finde die Diskussion sollte sachlicher geführt werden und das war mir wichtig bei diesem Aufruf, dass wir einerseits keine Maximalforderung haben, sondern Forderungen, die durchaus eine Mehrheit finden."

Sendedaten
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Montag, 21. Mai 2012
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Schwerpunkt
© dpaUrheberrecht, Wikileaks, Internet
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© ZDFVideoMichael Seemann gegenüber Kulturzeit zum Urheberrecht