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© dpa Lupe
Lobeshymnen sind ihm ein Graus: Gerhard Polt.
Urbayer mit Humor
Gerhard Polt zum 70. Geburtstag
Er gilt als bayerisches Aushängeschild des Kabaretts und als legitimer Nachfahre seines Landsmannes Karl Valentin: Gerhard Polt begeistert seit mehr als drei Jahrzehnten das Publikum auf deutschsprachigen Kleinkunstbühnen und hält in seinen Programmen dem Spießbürger einen Spiegel vor. Am 7. Mai 2012 wird der Komödiant 70 Jahre alt.
Lobeshymnen sind ihm ein Graus. Der bayerische Komiker Gerhard Polt steht nicht gerne im Mittelpunkt. Zumindest nicht, wenn es um seine eigene Person geht. Zu groß ist die Gefahr, ihn dadurch in Schubladen zu stecken, mit Etiketten-Denken einzuschränken und seines subversiven Humors zu berauben. "Was man liebt, das betoniert man nicht", so lautet eine Lebensweisheit des Kabarettisten.

Ganz ohne Ehrungen wird Polt das Frühjahr 2012 jedoch nicht überstehen: Am 7. Mai begeht der Komiker seinen 70. Geburtstag - und muss sich damit abfinden, wenn Zeitungen sowie Fernsehmagazine lange Porträts verfassen oder wenn das Münchener Literaturhaus zu einer großen Retrospektive einlädt. Die Werkschau trägt den passenden Titel "Braucht’s das?" und fasst wohl am besten die Sorgen des Kabarettisten zusammen.

Der Rummel um Gerhard Polts Leben verdeutlicht vor allen Dingen eines: Polt ist Kult, ob er will oder nicht. Dabei hat sich der Bayer in den letzten Jahren in den Medien rar gemacht, gab nur wenige Interviews, vermied Talkshows und bemühte sich sehr, seine Verdienste klein zu halten: "Ich sinnlose vor mich hin", fasste er auf bescheidene Art den eigenen Tagesablauf zusammen.

Protestant im Katholikenland
Geboren wurde Polt in München, genau wie sein Vorbild Karl Valentin, mit dem der Dialekt-Komiker gerne verglichen wird. Die Kindheit verbrachte er in Altötting, einem bayerischen Marienwallfahrtsort. Als evangelisch Getaufter unter Erzkatholiken aufgewachsen, lernte Polt Humor einzusetzen, um dem streng geregelten Alltag zu entkommen. Die Kirche und die CDU - die beiden Spaßbremsen seiner Jugendjahre - wurden zu gern genutzten Satireopfern in Polts Bühnenshows.

Zum Kabarett kam Gerhard Polt in den 1970er Jahren. Zuvor hatte er ein Skandinavistik-Studium im schwedischen Göteborg abgeschlossen und als Dolmetscher, Übersetzer und Sprachlehrer in München gearbeitet. Mit bayerischem Dialekt, Sprachwitz und pointierten Nummern konnte er sich schnell eine Fangemeinde aufbauen.

Polts Ruhm wuchs durch das Fernsehen: 1978 wurde er mit der zwölfteiligen Sketchreihe "Fast wia im richtigen Leben" bekannt. Die Sendung nahm die bajuwarische Lebens- und Wesensart genüsslich aufs Korn und wurde erst im BR, dann in der ARD ausgestrahlt. Polt spielte zudem in vier Kinofilmen mit, darunter in "Man spricht Deutsch" (1988), seinem wohl bekanntesten Werk, in dem er mit den Urlaubsgewohnheiten des deutschen Touristen abrechnete.

Publikationen im eigenen Verlag
Viele von Gerhard Polts Sketchen sind als Hörspiel-Fassungen erschienen. Zu diesem Zweck gründete der Komiker bereits Ende der 1970er Jahre einen eigenen Verlag "zur Erforschung von Angelegenheiten". Der Baaz-Verlag veröffentlichte auch die Alben, die Polt gemeinsam mit seiner kongenialen Partnerin Gisela Schneeberger und der Musikgruppe Biermösl Blosn der Brüder Christoph, Hans und Michael Well schuf.

Im Januar 2012 gab die Band nach 35 Jahren ihr letztes Konzert. In Zukunft möchte Polt sich verstärkt aufs humoristische Bücherschreiben und aufs Kabarett konzentrieren. "Die Zeiten für Satire sind immer gut", erklärte er kürzlich. "Sie stirbt nicht, solange der Mensch menschelt."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr