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Schon immer wurde der Sport für politische Propaganda benutzt.
Sport und Politik
Schon immer gab es Boykotte von Großereignissen
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die gesamte EU-Kommission machen nun auch mit beim Fußball-EM-Boykott. Aus Protest gegen die Behandlung der Oppositionsführerin Julia Timoschenko bleiben sie den Spielen in der Ukraine fern. Wie erfolgversprechend ist dies? Bei großen Sportereignissen ging es immer auch um die Durchsetzung politischer Interessen und Ziele.
Eine Bundeskanzlerin, die ausgelassen ihren Fußballern zujubelt: Müssen wir auf solche Bilder demnächst verzichten? Deutschland interessiert sich plötzlich für die Menschenrechte in der Ukraine. Es empört sich und fordert den politischen Boykott der EM. Die ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko befindet sich im Hungerstreik. Sie wird trotzdem systematisch verhört und misshandelt. In ihrer Tochter Jewgenija hat sie eine medienwirksame Fürsprecherin. Das Leid der Mutter entlarvt die Ukraine als gewalttätigen Unrechtsstaat. Die EM sollte der Ukraine Erfolg und Glanz bringen - doch man hat sich verkalkuliert. Jetzt will sogar die gesamte EU-Kommission den Spielen fernbleiben.

Politische Propaganda
Schon immer wurde der Sport für politische Propaganda benutzt. Zum Beispiel 1934: Das faschistische Italien unter Mussolini siegt mit der "Squadra Azzura" und feiert sich selbst. Kaum ein Fackellauf fand ohne Protest statt. Oder 1936: Olympia unter dem Hakenkreuz, wütende Demonstranten und Boykottaufrufe ertönten in Amerika gegen die Spiele in Nazi-Deutschland. Viel später in Moskau im Jahr 1980: Die USA, Deutschland und 62 weitere Staaten boykottieren die Spiele wegen der sowjetischen Invasion in Afghanistan. 1984 folgt die Retourkutsche des Ostblocks: Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles machen sie nicht mit. 2008 in Peking: Der kommunistische Staat benutzt die Spiele für eine makellose Selbstinszenierung. Bahrain 2012: Die Formel 1 dreht ihre Runden in einem Land, in dem die Opposition gewaltsam unterdrückt wird. Und schon jetzt umstritten ist die Vergabe der Fußball-WM an einen der autoritärsten Staat dieser Welt: Katar.

Menschrechte, Politik und Sport - welche Kriterien muss man schon bei der Vergabe sportlicher Großereignisse anlegen? Und was bringen Boykotte? Hat es die Ukraine tatsächlich nicht besser verdient? Bei der Vergabe der EM war das Land noch in der Euphorie der Demokratiebewegung und Julia Timoschenko seine Minister-Präsidentin. Doch jetzt droht die EM ein eisiges Sommermärchen zu werden.

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Das Kulturzeit-Gespräch mit Jürgen Mittag, Sporthochschule Köln (03.05.2012)
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