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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© Vision du Reel Nyon Lupe
Yoani Sanchez wurde 2009 in Havanna vorübergehend festgenommen. In ihrem Blog informiert sie die Welt über die Repression in ihrer Heimat Kuba.
Unerschrockene Frauen
Der Dokumentarfilm "Forbidden Voices"
Yoani Sanchez ist eine Widerstandskämpferin in Kuba, Zeng Jinyan, eine Rebellin in China und Farnaz Seifi eine Oppositionelle im Iran. Was die drei Frauen verbindet, ist ihr Kampf für Freiheit mithilfe des Internets. Der Dokumentarfilm "Forbidden Voices" von Barbara Miller porträtiert die drei auf eindrucksvolle Weise.
Yoani Sanchez wird im November 2009 in Havanna vorübergehend festgenommen und geschlagen. Ihr Vergehen: Yoani Sanchez bloggt - seit Jahren. So informiert sie die Welt über die Repression in Kuba, zum Beispiel über den Tod eines politischen Häftlings. Orlando Zapata wurde durch mehrere Hände getötet. Die Umstände, die zum Tod des 42-jährigen Kubaners führen, sind bis heute unaufgeklärt. Er ist tragisches Opfer eines Regimes, das Andersdenkende einfach wegsperrt.

Blog als wirksame Waffe
© Vision du Reel Nyon Lupe
Viele Blogs und soziale Netzwerke im Iran werden zensiert.
Farnaz Seifi hat ihr Land 2007 verlassen müssen. Die Polizei im Iran machte ihr das Leben zur Hölle. Nun ist sie die Einzige, die an der Filmpremiere von "Forbidden Voices" in Nyon zusammen mit der Regisseurin auftreten kann. Für die zwei anderen gilt Ausreise-Verbot. Farnaz Seifi kämpft mit ihrem Blog gegen die Diskriminierung der Frauen im Iran. Sie ist von der Wirksamkeit dieser Waffe überzeugt. "Viele Blogs in meinem Land werden zensiert", sagt Seifi. "Sogar 'Blogspot', einer der weitverbreitesten Zugänge um mit einem Blog zu beginnen. Das zeigt die Angst der Regierung vor dem Potenzial des Internets, vor Blogs und sozialen Netzwerken. Und es zeigt, wie die iranische Bevölkerung diese Plattformen nutzt, um die Regierung zu kritisieren."

Zeng Sching Yeng ist eine der bekanntesten Oppositionellen in China. Ihre Weigerung zu schweigen wurde zur Bedrohung für die Machthaber. "Sie haben mir verboten, mit der Außenwelt zu kommunizieren", sagt sie. "Unsere Wohnung wurde durchsucht und Computer und Telefon konfisziert." Die Situationen der Frauen sind sehr verschieden, aber die drei teilen einen unerschrockenen Willen, der die Regisseurin Barbara Miller sehr beeindruckt hat: "Sie leiden, ihre Familien leiden, ihr ganzes Leben verändert sich. Aber sie wollen mitteilen, was in ihren Ländern passiert. Zeng Jinyan zum Beispiel war mit ihrer Tochter drei Jahre unter Hausarrest und das Mädchen war eben geboren. Es ist ein hoher Preis, den sie bezahlen. Aber doch wollen alle drei weitermachen, weil ihr Anliegen vielleicht größer ist als sie selbst."

Beobachterin aus der Ferne
Im Iran heißt der Preis Arbeitsverbot, Ausbildungsverbot, Einschüchterung, Gefängnis. Schließlich setzt sich Farnaz Seifi nach Europa ab. Aus der Ferne muss sie miterleben, wie nach den Wahlen von 2009 die Repression zunimmt, wie ihre Freunde einer nach dem anderen verhaftet werden. Da wird ihr klar: Solange dieses Regime an der Macht ist, kann sie nicht mehr zurück. "Ich rief am Tag nach den Wahlen meinen Vater an", erinnert sich Seifi. "Er war auch sehr traurig und geschockt. Ich sagte ihm, für mich ist es wie der Beginn eines Endes und auch der Beginn einer tiefen Traurigkeit in meinem persönlichen Leben."

Die internationale Resonanz gibt den Frauen Schutz. Aber der Schutz ist relativ, wie die Gewalt an Yoani Sanchez beweist. Und er schützt sie nicht vor Diffamierung durch das Regime. Auch im Iran gibt es einen Cyber-Krieg. Um die Zensur und das wiederholte Abschalten der Blogs zu umgehen, braucht es Fantasie und Tricks, aber vor allem Hartnäckigkeit und Zuversicht. "Internet, soziale Netzwerke und Blogs als solche können nichts verändern," sagt Farnaz Seifi. "Wichtig ist die Haltung dahinter. Und das gibt mir Hoffnung. Wenn man diese Waffen richtig nutzt, können sie Wirkung haben. Vielleicht nicht die schnelle große Veränderung, aber die kleinen Veränderungen, die kleinen Schritte, die die Menschen informieren und einbinden."

Der Film "Forbidden Voices" zeigt die Erfolge, aber auch die Hindernisse und Rückschläge der engagierten Frauen. Und er macht sich auf die Suche nachAuswirkungen und Chancen ihres Tuns. Es ist ein eindrücklicher filmischer Einblick über drei eindrückliche Frauen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
"Forbidden Voices"
Dokumentarfilm
Schweiz 2012
Regie: Barbara Miller