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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© dpa Lupe
Alexander Kluge hängte in den 1980er Jahren das Kino an den Nagel und macht Fernsehen - und viel Geld.
Teil IV: Der alte Film ist tot
50 Jahre Oberhausener Manifest
Auf den westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen erklärten im Jahr 1962 26 Revoluzzer Papas Kino für tot. Doch was haben sie wirklich verändert? Sie haben Filmpolitik gemacht, die deutsche Filmförderung ist ihre Erfindung.
"Wir sind zu dritt zu Innenminister [Hermann] Höcherl gegangen und haben gesagt: 'Es gibt eine Förderung für Produzenten, für Filmtheater, aber für Regisseure gibt es nichts'", berichtet Alexander Kluge. "Wir wollten, dass der Nachwuchs gefördert wird. Das fand er einleuchtend. So ist das Kuratorium junger deutscher Film entstanden, mit einer Summe, die für zehn Filme reichen sollte. Ist die deutsche Filmförderung eine Erfolgsgeschichte? Die Erfinder von damals sehen das kritisch. "Ich kann nicht erkennen, wann die Förderung mal entdeckt hätte, wo wirklich etwas Gutes liegt", sagt Kluge. "Stattdessen haben sie sie in einen Verwaltungsapparat überführt.“ Und Regisseur Edgar Reitz ergänzt: "Den Künstlern wird misstraut. Jede Fördermaßnahme behandelt die Macher so, als wären sie Gangster, die mit dem Geld abhauen wollten. Und die Produzenten und Gewinnemacher behandeln sie so, als wären sie schöpferische Kräfte."

Fernsehen statt Kino
Das Manifest der 26 machte den Weg frei für spätere Weltstars wie Fassbinder, Schlöndorff und Wenders. Und die Unterzeichner selbst? Warum hat kaum einer der 26 Filmgeschichte geschrieben? Edgar Reitz hat mit "Heimat" sein "episches Talent" entdeckt, wie er sagt. Sein Opus Magnum ist ein Fernsehereignis, kein Kino. Auch Kluge landet in den 1980er Jahren beim Fernsehen. Er hängt das Kino an den Nagel, macht Fernsehen und viel Geld. Fernsehen statt Kino. Ist das ein Abstieg oder Neuanfang? "Fernsehen halte ich für wichtig", sagt Kluge. "Es ist das Leitmedium des 21. Jahrhunderts. Wenn 9/11 passiert, gehe ich nicht ins Kino, oder schlage den nächsten Roman auf, sondern mache den Fernseher an. Dieses Medium hat es verdient, dass man das Beste, was außerhalb des Fernsehens Geltung hat, hineinbringt. Deswegen ist es für mich kein Widerspruch, dass es Fernsehen der Autoren gibt, wie es das Kino der Autoren gibt."

Was ist das eigentlich, der Autorenfilm? Kluge meint dazu: "Kollektiv wie 'Deutschland im Herbst' [1978]. Dasö ist ein wirklicher Film." Der wirkliche Film brauchte damals die Kinoleinwand. Und heute? "Man kann heute überall Kino machen", sagt Kluge. "Einen Beamer hat jeder schnell zur Hand. Und mit DVDs kann man die ganze Filmgeschichte auf die Leinwand bringen.Also liegt es an den Initiativen und die werden kommen. Es gibt eine Bewewgung, raus aus den alten Lichtspielhäusern. Denn die Filmkunst als solche ist der Ausdruck unserer Zeit. Alle Künste sind nicht so sehr geeignet wie der Film, das Lebensgefühl unserer Welt zu beschreiben und das zum Thema zu machen. Deswegen wir es niemals sterben." Heute liegt die Zukunft des Kinos in der digitalen Welt. Das alte Wort der Oberhausener gilt noch. Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Reihe
© pr50 Jahre Oberhausener Manifest
Mediathek
© dpaVideoInterview mit Alexander Kluge
geführt von Nil Varol
Mediathek
© dpaVideoInterview mit Edgar Reitz
geführt von Nil Varol