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20. Mai 2013
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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© Reuters Lupe
In Uganda sehen die Menschen den Film "Kony 2012" auf Leinwand, nicht im Netz.
"Völlig nutzlos"
Kritik aus Uganda an der Kampage "Kony 2012"
Der ugandische Rebellenführer Joseph Kony und seine Widerstandsarmee sollen zehntausende Menschen verstümmelt oder getötet haben. Das Internet-Video "Kony 2012" der US-Organisation "Invisible Children" soll helfen, Kony zu fassen. Viele Ugander fühlen sich nun ungefragt in eine Kampagne eingespannt, die ihnen nichts bringt. Sie kritisieren, dass andere mit ihrem Schicksal Geld verdienen und Kony, statt an den Pranger gestellt, zum Helden stilisiert werde.
Nicht der Höhepunkt der Internetkampagne "Kony 2012" bestimmt die Schlagzeilen in Uganda, es sind Alltagsprobleme und vor allem der drohende Krieg im Nachbarland Südsudan. In der Provinzhauptstadt Gulu im Norden des Landes wüteten Konys Rebellen jahrzehntelang und fast jede Familie in Gulu hat Opfer zu beklagen. Viele kennen die Aktion der Hilfsorganisation "Invisible Children", doch die meisten lehnen sie ab. "Alle, mit denen wir sprachen", so Sam Lawino, Journalist beim "Daily Monitor", "sagten uns, die Filme zeigen nicht die Situation, in der wir Ugander uns befinden. Sie zeigen die Welt aus der Sicht von Weißen aus dem Ausland und dienen deren Zielen. Aber unseren Interessen dient die Aktion nicht."

Frieden? Davon sagt der Film nichts
© ap Lupe
Joseph Kony hat zigtausende Menschen töten lassen.
Vor ein paar Tagen sahen sie in Gulu, was Millionen Menschen weltweit seit Wochen bewegt: die beiden Kampagnenfilme der Hilfsorganisation "Invisible Children". Das Ziel ist, den Kriegsherrn Joseph Kony festzunehmen, den Gründer der christlichen "Widerstandsarmee des Herrn", der LRA. Die Rebellen entführten seit Mitte der 1980er Jahre Kinder und machten sie zu Kindersoldaten, massakrierten deren Familien. 2003 war die LRA noch in Gulu aktiv. Jede Nacht flohen tausende aus den umliegenden Dörfern in die Stadt, aus Angst vor den marodierenden Rebellen. Doch 2007 floh Kony aus Uganda in die Nachbarstaaten. Seitdem herrscht hier Frieden. Doch das sagt der Film nicht.

Bis Ende 2012, so fordert es "Invisible Children", soll Kony hinter Gitter gebracht werden. Politiker will man mit Plakataktionen und Internetaufrufen unter Druck setzen. Die "Kony 2012"-Welle rollt um die ganze Welt. "Den Film hier zu zeigen, war schlecht", sagt Tony Charles Okiello aus Gulu. "Er hat bei vielen die Erinnerung an das zurück gebracht, was sie vergessen wollten. Der Film kommt für uns zu früh. Man hätte noch vier, fünf Jahre warten sollen." Als der Film vor Wochen weltweit im Internet für Aufsehen sorgte, bekam das in Gulu kaum jemand mit. Es gibt nur wenige Internetcafés. Oft laufen die Computer nur mit Strom aus dem Generator oder gar nicht. Sam Lawino sagt, so einfach, wie es sich "Invisible Children" vorstellt, ist das Problem Kony nicht zu lösen.

Böse Erinnerungen
"Wo bleibt die Kritik an unserer Regierung, die es nicht geschafft hat, die Bevölkerung zu schützen?", fragt Sam Lawino. "Wie konnte die LRA überhaupt so groß werden und überleben? Wer profitiert von Konys Hilfe? Wer beschützt ihn? Außerdem kommt der Film zum falschen Zeitpunkt. Damals, als wir die Hilfe gegen Konys Angriffe gebrauchen konnten, da hätte er kommen müssen. Aber nicht jetzt, wo wir hier Frieden haben. Jetzt bringt er nur die bösen Erinnerungen wieder hoch."

Sam führt uns ins Viertel Holy Rosary - ein ehemaliges Flüchtlingslager. Er führt uns zu Margret Achiro. Margret trägt die Spuren des Grauens von damals im Gesicht. 2005 zog sie mit fünf Frauen aus ihrem Dorf morgens aufs Feld. Dort warteten Konys Soldaten, töteten die anderen fünf, schnitten Margret mit Messern die Ohren, die Nase, die Lippen ab. "Als meine Mutter mich sah, fiel sie in Ohnmacht", erinnert sich Margaret Achiro. "Was haben sie dir angetan, schrie sie. Ich sagte ihr: 'Sei froh, ich lebe noch. Die anderen sind alle tot.'" Auch Margaret schaute sich den Film im Stadion an. Als sie sah, dass ein Foto ihres entstellten Gesichts im Film gezeigt wurde, ging sie wütend nach Hause.

Profit für den Westen
© ap Lupe
Die Organisation "Invisible Children" sitzt in San Diego.
"Die Kampagne wird nichts bringen", so Achiro. "Sie versuchen seit Jahren Kony zu fassen - ohne Erfolg. Und dieser Film ist völlig nutzlos. Der wurde nur gemacht, damit andere, Fremde, von unserem Leid profitieren können." Damit meint sie "Invisible Children". Der Vorsitzende, Ben Keesey, kam aus den USA zum Kurzbesuch nach Gulu. Man stecke das gesammelte Geld in Hilfsprojekte, sagt er, gibt aber zu, dass ein großer Teil in die aufwändige Produktion der Kony-Kampagne geflossen sei, auch in den zweiten, erklärenden Film. "Die Filme waren für Leute mit Internetanschluss geplant, die immer online sind", so Keesey. "Jetzt müssen wir versuchen, ihn auch zu denen zu bringen, die kein Internet haben. Und das wollen wir jetzt tun."

Auf der Bühne überbringt Keesey Grüße von Präsident Obama, die keiner hören will. Er redet von einer neuen Gerechtigkeitsgeneration, und niemand versteht, was und wen er damit meint. "Die bessere Welt, die wir wollen, wird kommen", ruft er. "Nichts kann uns stoppen." Sein Ruf verhallt in Gulu. Keeseys Gerechtigkeitskampagne hat mit der Welt der Kony-Opfer wenig zu tun. In Gulu haben sie einfach nur Angst, dass Kony zurückkommt und wieder mordet. "Lasst uns in Frieden weiterleben", sagen sie, "denn wir haben lange auf diesen Frieden gewartet."

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