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Kulturzeit heute
19. Juni 2013
Moderation
Video-Porträt
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© dpa Lupe
Die Eröffnung der Gedenkstätte am Ort des ehemaligen KGB-Gefängnisses in Potsdam am 18. April 2012 wurde von Protesten begleitet.
Gedenkstättenstreit
Das KGB-Gefängnis in Potsdam
Ein Spionage-Museum als Gedenkstätte? Im ehemaligen KGB-Gefängnis Potsdam gibt es jetzt eine Dauerausstellung, doch die beleuchtet in erster Linie die Arbeit des KGB, sagen Kritiker. Die Einzelschicksale der Opfer, als Jugendliche wegen vager Verdachtsvorwürfe auf grauenvollste Weise eingesperrt und gefoltert, bevor man sie in sibirische Gulags verschleppte, kommen zu kurz. Zur Ausstellungseröffnung am 18. April 2012 protestierte der Gedenkstättenverein unter dem Motto "Gedenkstätte Ja! - KGB-Museum Nein!".
Das Gebäude dokumentiere "als einziger authentisch erhaltener Haftort das brutale Regime des sowjetischen Militärgeheimdienstes in der Sowjetischen Besatzungszone und in der späteren DDR", erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bei der Eröffnung. Dadurch werde die "Erinnerung an die vielen Opfer des Stalinismus wachgehalten", ergänzte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

50 exemplarische Häftlingsschicksale
© dpa Lupe
Der KGB machte aus dem ehemaligen Pfarrhaus ein Gefängnis.
In dem ehemaligen evangelischen Pfarrhaus unweit des Schlosses Cecilienhof hatte der sowjetische Geheimdienst zwischen 1945 und 1994 eine unbekannte Anzahl von Menschen inhaftiert. Die neue rund 1000 Quadratmeter große Dauerausstellung umfasst rund 400 Fotos, Dokumente und Medienstationen dazu. Dabei werden insgesamt 50 Häftlingsschicksale exemplarisch dargestellt. Für die Realisierung haben Bund und Land knapp 800.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Ostdeutschland 1994 nutzten zunächst ein Gedenkstättenverein sowie eine Zeitzeugeninitiative das Haus als Veranstaltungsort. Erst dadurch rückte die Geschichte des 1916 erbauten Gebäudes inmitten eines früher hermetisch abgeschlossenen Militärareals in das Bewusstsein. Gedenkstättenverein und Zeitzeugen-Initiative werfen der Stiftung mittlerweile vor, die Dramatik der Häftlingsschicksale zu wenig in den Vordergrund zu stellen und aus dem Haus ein "KGB-Museum" gemacht zu haben. Vier Wochen vor der Eröffnung kam es sogar zu einem tätlichen Angriff eines ehemaligen Häftlings auf die heutige Gedenkstättenleiterin Ines Reich.

Es fehlt "der Mensch"
© dpa Lupe
Die Dauerausstellung umfasst rund 400 Fotos und Dokumente.
"Offensichtlich gehen die Erwartungen auseinander", resümierte Reich den Streit am Rande der Eröffnung. "Wir wollten ein modernes zeithistorisches Museum, andere eher ein Mahnmal." Reich bekräftigte ihr Angebot einer weiteren Zusammenarbeit. Für die Zeitzeugen-Initiative erklärte hingegen der ehemalige Häftling Bodo Platt bei einer Pressekonferenz in der nahegelegenen Villa Quandt: "Ziel war, uns auszugrenzen." In der Dauerausstellung fehle "der Mensch".

Sendedaten
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