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© ap Lupe
Die Serie von Selbstverbrennungen von Tibetern reißt nicht ab.
Lodernder Protest
Serie von Selbstverbrennungen in Tibet
Die tibetische Schülerin Tsering Kyi ist erst 19 Jahre alt, als sie sich am 3. März 2012 selbst anzündet. Es gibt nur wenige Bilder, die die letzte Serie von Selbstverbrennungen in Tibet belegen. 27 junge Menschen sollen es laut exiltibetischer Quellen seit 2011 gewesen sein. Überprüfen lassen sich die Angaben kaum. Die Region ist für Journalisten gesperrt.
Wir fragen deshalb auf einer Pressekonferenz Wu Zegang, den Gouverneur der Region Aba, denn dort haben bislang die meisten Selbstverbrennungen stattgefunden. "Vor den Selbstverbrennungen haben die meisten 'Freiheit für Tibet' gerufen", sagt er. "Das zeigt, dass der Dalai Lama und seine Clique diese terroristischen Akte plant, damit die Tibeter ihr Ziel, die Unabhängigkeit, erreichen." Die Argumente der chinesischen Kader sind nicht neu, die Rhetorik ist immer dieselbe. Doch weder der Dalai Lama noch Tibets politischer Führer haben die Selbstverbrennungen bislang öffentlich gut geheißen.

"Mehr Gewalt, mehr Unterdrückung"
© ap Lupe
Mönche gedenken der Opfer der Selbstverbrennungen.
"Ich möchte meinen lieben Brüdern und Schwestern in Tibet raten, nicht zu verzweifeln, aber von extremen Maßnahmen Abstand zu nehmen", sagt Lobsang Sangay, das politisches Oberhaupt der exiltibetischen Regierung im indischen Dharamsala. Wir sprechen mit einem Mönch aus Tibet über die Ereignisse. Er ist vor kurzem nach Indien geflohen und ein Jugendfreund von Phuntsok, dem ersten Mönch der sich 2011 selbst verbrannt hat. "Ich wusste nichts von Phuntsoks Plan, bis ich Zeuge wurde", sagt er. "Das werde ich nie vergessen. Seit den Selbstverbrennungen ist die Situation in Tibet immer schlimmer geworden - mehr Gewalt, viele Festnahmen, mehr Unterdrückung durch China. Das wird das Problem nicht lösen, sondern zu mehr Protesten führen."

Wenn es nach der chinesischen Regierung ginge, würde die Welt solche Beschreibungen nicht hören und die Bilder dazu nicht sehen. Sie lässt die Region abriegeln. Eine unabhängige Berichterstattung ist so kaum möglich. Amateuraufnahmen, die zeigen sollen, wie die Proteste in der Region eskalieren und die chinesische Polizei Demonstranten nieder prügelt, gelangen nur selten nach draußen. Sie auf Authentizität zu prüfen, ist schwierig. Nur wenigen Journalisten gelingt es, mit versteckter Kamera heimlich und unerkannt an Checkpoints vorbei in die abgeriegelten Gebiete zu kommen.

Mittelalterliche Wachposten
"Ich berichte seit neun Jahren in und über China und habe so etwas noch nie gesehen", sagt der britische Journalist Jonathan Watts. "Alle 20 bis 30 Meter trifft man auf große paramilitärische Einheiten, ein Checkpoint hinter dem anderen und Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken, die zusätzlich Stachel an der Spitze haben, wie im Mittelalter." Wenn Ministerpräsident Wen Jiabao in seinem Bericht zur Lage der Nation über Tibet spricht, klingt das anders: "Die legitimen Rechte und Interessen der Religionsorganisationen sollen geschützt werden und ihre aktive Rolle bei der Entwicklung von Wirtschaft, Kultur und sozialer Harmonie soll unterstützt werden."

Sieht so soziale Harmonie aus? Chinesische Sicherheitskräfte überwachen die Klöster. Die Verehrung des Dalai Lama ist verboten. Von Umerziehungslagern ist die Rede. Gleichzeitig lässt die Kommunistische Zentralregierung Milliarden in die Region fließen, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Doch die erwünschte Ruhe kehrt dadurch nicht ein. Im Gegenteil: Durch die Kette der Selbstverbrennungen hat die Situation in den tibetischen Gebieten eine neue Eskalationsstufe erreicht. Das macht die chinesische Regierung anscheinend derzeit sehr nervös.

Verstörende Bilder
Tsering Woeser ist eine bekannte tibetische Schriftstellerin. In ihren Büchern und ihrem Blog verarbeitet sie auch, das was in ihrer Heimat geschieht. Sie lebt in Peking, doch treffen können wir sie nicht, sie steht unter Hausarrest. "Es begann letzte Woche, als ich einen internationalen Literaturpreis bekommen sollte", sagt sie. "Ich durfte das Haus nicht verlassen und seitdem stehen Polizei und Staatsicherheit vor meiner Tür. Sie haben mir auch verboten, über Tibet und die Selbstverbrennungen zu sprechen." Doch die Bilder von dort sind zu verstörend, als dass man nicht darüber reden sollte, zeigen sie doch die wohl extremste Form menschlichen Protestes.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
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