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© ap Lupe
Zwei Mal erhielt Ken Adam einen Oscar für das beste Szenenbild.
Schöpfer fantastischer Welten
Film-Designer Ken Adam gestorben
Bonds futuristische Autos mit Schleudersitz, sein Kugelschreiber mit Handgranate, oder die wahnwitzigen Kommandozentralen der Schurken, die die Welt beherrschen wollten: Sie alle stammen aus der Werkstatt des (Film-)Set-Designers Ken Adam. "Kein Design ist die Mühe wert, wenn man damit nur die Wirklichkeit wiederholen will", lautete sein künstlerisches Credo. Am 10. März 2016 ist der gebürtige Berliner mit 95 Jahren in seiner Wahlheimat London gestorben.
Ein smarter Agent, eine schöne Frau, eine exotische Kulisse - so funktioniert James Bond seit 50 Jahren. Kein Kino-Held rutschte so unbeschadet hinüber ins 21. Jahrhundert. Vielleicht, weil auch die Welt, in der er sich bewegt, so extravagant ist. Ken Adam hat sie erfunden. Ein Szenenbildner aus London und der Schrecken aller Produzenten, wie er sagte: "Cubby, mein Produzent, sagte immer: 'Jedesmal, wenn Ken den Stift in die Hand nimmt, bekomme ich fast einen Herzinfarkt'."

Spektakuläre Filmkulissen
© AP Lupe
Die Idee für die Reifen-Sense an Bonds Aston Martin übernahm Kent von "Ben Hur".
Seine Zeichnungen kosteten die Produzenten Millionen. Aus ihnen wurden spektakuläre Filmkulissen. In "Dr. No", dem ersten Bond, gibt es Hightech-Schiebetüren aus Kupfer, das hatte bis dahin niemand in Filmkulissen gebaut. Ken Adam erfand expressionistisch-stilisierte Räume. Auf die Wand projizierte er bewegte Bilder, inszenierte beklemmende Architekturen. Ken Adam war damals 40 Jahre alt und bald der neue Superstar des Set-Designs. Woher er gekommen war, wussten lange wenige: aus Deutschland, wo er 1921 als Klaus Hugo Adam geboren wurde.

Seine Eltern gehörten zum Berliner Großbürgertum. In der Leipziger Straße besaßen sie ein Modehaus. Und sie waren fortschrittlich: Für den Neubau des Geschäfts engagierten sie den Avantgarde-Architekten Mies van der Rohe. Ken Adam wird den Bauhaus-Stil in den Bond-Designs später immer wieder zitieren. 1934 muss der 13-Jährige mit seinen Eltern weg aus Berlin - nach England, weil die Adams Juden sind. Später wird Klaus Hugo, der sich in England Ken nennt, Architektur studieren - und als einziger Deutscher für die britische Luftwaffe in den Krieg gegen Deutschland ziehen. "Ich wollte das unbedingt", sagt er. "Ich war nicht gegen Deutschland, ich wollte die Nazis und Hitler bekämpfen."

Leidenschaft für Flugobjekte und Waffen
© dpa Lupe
Bonds Spielzeug: ein Aston Martin als Allzweckwaffe.
Aus der Kriegserfahrung erwächst seine Leidenschaft für fantastische Flugobjekte und Waffen im Kampf gegen das Böse. "Ich liebte immer die Gefahr, beim Fliegen, beim Sport, wenn ich mit schnellen Autos Rennen fuhr", berichtete er. "Das war ein Teil von mir." Und der wurde Teil von Bond. Adam erfand immer neues Spielzeug für 007: einen Aston Martin als Allzweckwaffe. Zum ersten Mal war er in "Goldfinger" zu sehen. Aber ganz neu war das nicht. Mit dem getunten Aston Martin zitierte Adam einen Klassiker der Filmgeschichte. Bei "Ben Hur" hatte er sich die Idee geholt. An diesem Set hatte er auch mitgearbeitet.

Zum Film war der Architekt Adam 1951 eher durch Zufall gekommen. Und schon damals erfand er wahnwitzige Dinge, die später für James Bond typisch werden sollten. Zum Beispiel in "Der rote Korsar", einem Film, der im 18. Jahrhundert spielt. Es geht um einen smarten Piraten, eine schöne Frau - und dann taucht plötzlich ein U-Boot auf. Wie absurd! Zehn Jahre, bevor "007" in die Kinos kam, ließ Ken Adam seinen surrealen Visionen bereits freien Lauf - ein früher Bond. Insgesamt war Ken Adam bis 2001 für das Production Design von fast 50 Filmen verantwortlich. Zwei Mal erhielt er einen Oscar für das beste Szenenbild, 1976 für den Stanley-Kubrick-Film "Barry Lyndon", 1995 für "King George - ein Königreich für mehr Verstand" von Nicholas Hytner. Sechs Mal wurde er für den Oscar nominiert. Seinen künstlerischen Nachlass hat er bereits 2012 der Deutschen Kinemathek in Berlin übergeben. Ein erster Dank für Adam war damals ein Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin.

Film
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