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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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In Heini Staudingers Fabrik gibt es keine Akkordarbeit.
Leben und leben lassen
Die Philosophie des Unternehmers Heini Staudinger
Schuhe made in Niederösterreich: Heini Staudingers Schuh- und Taschenfabrik ist die letzte Überlebende einer ehemals blühenden Schuh- und Textilwirtschaft in der Krisenregion Waldviertel. Der 58-Jährige macht einfach nicht beim globalisierten Wettbewerb mit. Er erhält Handwerk und Arbeitsplätze vor Ort und verändert damit als Einzelner eine ganze Region.
Angefangen hat alles 1973 mit einer Moped-Reise zweier Studenten, von Österreich nach Tansania. "Wir haben genau ein halbes Jahr gebraucht, bis wir dort waren", berichtet Heini Staudinger. "Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich diese Reise erleben durfte." Afrika sei ein ganz wichtiger Lehrmeister in seinem Leben gewesen. "Die wichtigste Botschaft dieser Lehre, die ich dort gemacht habe, heißt: Es gibt im Leben nichts Wichtigeres als das Leben.“

Lokal und nachhaltig
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Heini Staudinger produziert nachhaltig.
Leben und leben lassen - so versteht Heini Staudinger Unternehmertum. Begonnen hat er vor 30 Jahren mit dem ersten "GEA"-Schuhladen in Wien. Inzwischen sind es 30 in Österreich, Deutschland und in der Schweiz. Mitte der 1990er Jahre übernahm Staudinger die Schuhfabrik in Schrems kurz vor deren Insolvenz. Er startete mit zwölf Mitarbeitern, heute sind es 120. Produziert wird lokal, nachhaltig und entschleunigt.

"Akkord-Arbeit habe ich nie leiden können", sagt Staudinger. "Die modernste Schuhindustrie funktioniert so, dass das Werkstück nicht mehr auf einem Tisch zwischengelagert, sondern von Hand zu Hand weiter gereicht wird. Und in einem Zwölf-Sekundentakt rennt das. Das heißt, ich kriege den Schuh, habe zwölf Sekunden Zeit für meine Arbeit und muss ihn an die nächstfolgende Person weiter geben. Und jetzt, wenn ich mir vorstelle, dass Leute, egal, ob das in China, Vietnam, Skandinavien, Kanada, Österreich oder Deutschland ist, 40 Stunden die Woche das alle zwölf Sekunden weiter geben müssen und dabei immer ihren Arbeitsschritt erledigen, dann sage ich klipp und klar: Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Mensch deswegen auf die Welt gekommen ist." Er habe das Gefühl, es sei sehr viel Entfremdung zum eigenen Selbst notwendig, um das zuzulassen. Für ihn sei Akkord nicht in Frage gekommen."

Erfolg bei bewussten Konsumenten
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Pilgerort bewusster Konsumenten
Menschenwürdig zu wirtschaften, kann erfolgreich sein. Die Mitarbeiter in der Waldviertler-Fabrik verdienen mehr als ihr Chef - inklusive wöchentlich kostenlosem Biogemüse, Eiern und Käse, die Staudinger örtlichen Bauern abkauft. So wird nebenbei die regionale Landwirtschaft wiederbelebt.Finanziert wird die im Vergleich zu China teure Schuhmacherei vor allem vom Werksverkauf bei der Fabrik. Sie ist zum regelrechten Pilgerort bewusster Konsumenten geworden.

Vor Jahren hat Staudinger sein ganzes "Privatgeld" in die Firma investiert. Seither lebt er von weniger als 1000 Euro im Monat und ganz frei vom Trieb der Gewinnmaximierung. "Wenn mein Sinnen und Wollen hauptsächlich die Vermehrung von meinem Geld im Auge hat, dann wird das alle Entscheidungen beeinflussen", sagt Staudinger. "Wenn aber die Vermehrung von meinem Geld eine völlig unbedeutsame Geschichte ist, dann kann ich viel leichter fragen: Was muss ich jetzt machen, dass es einen Sinn macht?"

Kunden und Freunde finanzieren Großinvestitionen
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Heini Staudinger setzt auf Unabhängigkeit.
Eine dieser sinnvollen Entscheidungen ist die Unabhängigkeit von Banken. Großinvestitionen wie die 1,5 Millionen Euro für die neue Lagerhalle werden vom sogenannten GEA-Sparverein finanziert: Kunden und Freunde legen Geld an, Staudinger zahlt die Zinsen, die er der Bank auch zahlen müsste. Das Geld bleibt in der Region, und auch der Strom kommt vom eigenen Dach. Den von der Konsumgesellschaft ständig künstlich erzeugten Mangel spürt Staudinger schon lange nicht mehr. "Das Glück kann sich nur entwickeln, wenn man mit diesen Wünschen aufhört", sagt er. "Ich habe den Satz von Seneca so gern: 'Nie ist zu wenig, was genügt.' Und wenn wir das genießen können, das wir das haben was genügt, dann ist das ein wunderbarer Boden fürs Glücklichsein. Da habe ich noch einen netten Satz: 'Wer Vitalität pflegt, wird Lebensfreude ernten. Wer Geld pflegt, vielleich Zinsen.'"

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VideoDas Gespräch mit dem Soziologen und Sozialpsychologen Harald Welzer (31.01.2012)
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