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Themen am 28.03.2017Navigationselement
Netz-Inhalte werden getauscht, verändert und wieder in Umlauf gebracht.
Digitale Gesellschaft
Der Krieg ums Urheberrecht
Jeder dritte Internet-Nutzer zwischen 18 und 29 Jahren gibt zu, schon einmal illegal Musik oder Filme aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Freiheit im Internet gegen den Schutz geistigen Eigentums - beides sind hohe Güter. Einen Ausgleich zwischen Ihnen zu finden, ist eines der größten Probleme unserer digitalen Gesellschaft.
Im Kampf gegen Raubkopien und illegale Downloads ist den US-Behörden nun ein großer Schlag gelungen. Die Online-Tauschbörse Megaupload wurde stillgelegt, die Betreiber sogar in Neuseeland verhaftet. Die Hacker und Aktivisten rund um das Netzwerk Anonymous haben sofort ihren Rachefeldzug gestartet. Webseiten der US-Justiz und von den Großen aus der Musikindustrie wurden attackiert und lahm gelegt. Es ist der jüngste Feldzug im Namen des Urheberrechts - doch wer kämpft hier eigentlich gegen wen?

"Im Kern geht es um einen Interessenkonflikt zwischen Technologiekonzernen", so Mark Chung vom Verband unabhängiger Musikunternehmen, "die nachvollziehbarerweise ein Interesse daran haben, Inhalte so billig wie möglich, am besten umsonst, für ihre Geschäftsmodelle zu verwenden und zu nutzen einerseits, und den Produzenten dieser Inhalte und den Künstlern, die darauf angewiesen sind, für ihre Arbeit und für die Investition vergütet zu werden. Das ist ein Interessenkonflikt, den wir lösen müssen, das ist gar keine Frage."

Musikindustrie
© zdfkultur Lupe
Lana del Rey
Wie das Internet die Musikbranche heute am Gängelband führt, zeigt der Fall Lana del Rey. Sie war die Youtube-Geschichte des letzten Jahres - sechs Millionen Klicks ohne überhaupt einen Plattenvertrag zu haben. Der Riese Universal wollte von dem Hype profitieren und produzierte ein Album - nur um bei jeder neuen Single festzustellen, dass das Video schon längst im Internet kursiert. "Gesetze sind nicht alles", so Chung. "Gesetze können faire Rahmenbedingungen schaffen, wenn sie gut durchdacht sind. Das ist es, was wir brauchen. Wir brauchen ein Bewusstsein, wir brauchen ein Verständnis über Zusammenhänge. Da haben wir alle noch viel zu leisten und viel nachzuholen."

Heute ist alles schneller. Inhalte werden getauscht, verändert und wieder in Umlauf gebracht. Ein Copyright des 21. Jahrhunderts muss auch diesem Wandel entsprechen. Alles, was Politik und Justiz bislang unternommen haben, sind hilflose Reaktionen. "Das Urheberrecht ist viel zu komplex geworden", sagt Markus Beckedahl, Blogger bei netzpolitik.org. "Selbst die dafür zuständigen Politiker verstehen es kaum noch. Juristen interpretieren fast jeden Paragraphen im Urheberrecht anders, und damit wird fast jeder Internetnutzer, der auf einmal zum Sender geworden ist, jeder der seinen Computer medienkompetent und kreativ nutzt, tappt den ganzen Tag in Urheberrechtsfallen." Kreativität gilt es zu schützen, doch das geht nicht mit den Methoden des 20. Jahrhunderts. Es braucht zeitgemäße Lösungen, damit sich auch Hollywood mit der digitalen Gesellschaft arrangieren kann.

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