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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© dpa Lupe
Die Gemeinde der St. Barbara-Kirche in Duisburg kämpft für deren Erhalt.
Aufstand der Schäfchen
Kampf gegen Kirchenschließungen in Duisburg
Der Kampf, der in Duisburg um die Schließung katholischer Kirchen tobt, mutet in Zeiten, in denen die Kirche um ihre gesellschaftliche Bedeutung fürchten muss, anachronistisch an. Mit Unterschriftenaktionen, lautstarken Protestmärschen, Artikeln in allen größeren Zeitungen und einem wöchentlichen Angelus-Gebet mit Mahngeläut für den Kirchenerhalt kämpfen hier Schäfchen gegen ihren Hirten.
Bischof Overbeck will vier Kirchen im Duisburger Norden "verweltlichen". Es trifft unter anderem die Gemeinde Sankt Barbara im Duisburger Norden. Doch die Basis wehrt sich, die Gemeinde betet und kämpft für den Erhalt ihres Gotteshauses und der sozialen Strukturen rund herum. "In diesen Tagen bangen wir um den Erhalt unserer Kirche und unserer Versammlungsräume und unseres Kindergartens", sagt Angelika Hoffmann in ihrer Predigt. Viele hier haben die Kirche nach dem Krieg wieder mit aufgebaut, sie ist auch ein Stück Heimat. "Ich habe hier geheiratet", sagt das Gemeindemitglied Elisabeth Jakubowski. "Ich habe hier meine Silberhochzeit gefeiert und gehofft, im nächsten Jahr auch Goldene Hochzeit zu feiern."

"Wir hoffen jetzt, dass man uns nicht noch alle Kindergärten schließt", so Stefanie Vukancic. "Das ist für mich als dreifache Mutter ein großes Problem. Wo soll man den Kindern denn noch Glauben nahe bringen, wenn alles, was katholisch ist, geschlossen wird?" Und Gemeindemitglied Rita Willing fragt sich: "Wo sollen sie getauft werden, wo sollen die Kinder in die Kommunion gehen? Ich finde es sehr traurig, dass hier alles so den Bach runter geht." Es ist ein ungewöhnlicher Aufstand "der Schäfchen". Seit Jahren werden Kirchen landesweit nahezu lautlos geschlossen. Soviel religiöse Inbrunst und lebendige Kirche wie in Duisburg kommt angesichts massenhaft leerer Gottesdienste unerwartet. Die Proteste gegen die Sparpläne des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck dauern schon Monate. Der Vorwurf: Die katholische Kirche lässt den strukturschwachen Norden Duisburgs im Stich. Die Kirchenleitung wehrt sich.

Präsent bleiebn - aber wie?
© dpa Lupe
Die Kirche St. Peter und Paul in Marxloh
"Wir als Bistum müssen auch im Blick haben, dass in 40 Jahren mehr als 40.000 Katholiken aus dem Duisburger Norden abgewandert sind", verteidigt sich Michael Dörnemann, Pastoraldezernent im Bistum Essen. "Das hat Konsequenzen - auch für Kirchbauten, für Pfarrheime, für Jugendheime. Kirche muss in der Fläche präsent bleiben. Das ist klar. Aber die Frage ist auch, wie sie präsent ist." Das kann zum Beispiel als Motor des interreligiösen Dialogs in einem Multikulti-Viertel wie Marxloh sein, wie in Sankt Peter und Paul, die letzte katholische Kirche des Viertels. Braucht es dazu Kirchengebäude? Der muslimische Theologe Hüseyin Cetin ist hier gerne gesehener Gast - so wie der Pastor in der benachbarten Merkez Moschee. Jetzt kämpfen die Muslime mit einem Brief an den Bischof für den Erhalt der Kirche.

"In erster Linie unterstützen wir unsere Nachbarkirche aus menschlichen und ethischen Gründen", sagt Cetin. "Wir sind generell gegen die Schließung der Gotteshäuser. Sie haben eine wichtige Funktion in der Gesellschaft -zum guten Miteinander. Wenn man einen interreligiösen Dialog führt, kann man dadurch Vorurteile und Ängste beseitigen und abbauen. Das ist der erste Punkt. Es gibt einen Spruch, der mir sehr gefällt: Frieden in der Welt ist nicht möglich ohne Frieden der Religionen. Man muss klein anfangen, vor Ort."

Zusammenleben im sozialen Brennpunkt
Vor Ort bleiben will auch Pastor Michael Kemper. "Wir haben in der Gemeinde gesagt, uns ist zunächst wichtig, nicht dass wir die Kirche behalten, sondern dass es uns als Gemeinde in diesem Stadtteil gibt", so der Pastor. "Marxloh ist ein sozialer Brennpunkt. Es leben dort viele Familien, die aus unserer Sicht gut begründen, dass es hier eine Gemeinde mit ihren sozialen Angeboten gibt. Eine weitere besondere Herausforderung für uns im Stadtteil ist das Zusammenleben von Christen und Muslimen. Was wir hier seit Jahren, Gott sei Dank, friedlich haben. Und das ist für uns Christen hier die Kirche."

Das Wunder von Marxloh: Hier feiern Moslems und Christen ihre religiösen Feste tatsächlich gemeinsam. Man lernt voneinander in gelebter Integration. Das ist auch Inspiration auch für "Urban Rhizome", eine Agentur für Stadtentwicklung von Mustafa Tazeoglu. "Ich sehe die Geschichte dieser Moschee viel schöner und ehrlicher als alle Moscheebauten, die jetzt noch kommen", sagt Tazeoglu. "Hier haben die Menschen in der leeren Zeche gebetet. Ich finde diese Geschichte einfach ehrlich." Marxloh steht exemplarisch für den Exodus aus sogenannten Problemvierteln. Gerade schrumpfende Städte brauchen auch Gotteshäuser.

Es geht um Solidarität
"Ich sehe das Thema der Religionen aus dem Stadtteil heraus - gerade in einem Gebiet wie dem Ruhrgebiet", so Tazeoglu. "Genauso wie sich die Kirchenfunktionäre für Moscheebau eingesetzt haben, müssen sich jetzt Muslime für den Erhalt der Kirchen einsetzen. Und das muss so weitergehen, auch wenn es um Wohnraum geht. Es geht um Solidarität." Solidarität ist eine Zukunftsvision städtischen Zusammenlebens. Auch die frisch renovierte Pfarrkirche Sankt Norbert soll - unter Protest - geschlossen werden. Dabei gerät allerdings die Solidarität der bedrohten katholischen Gemeinden untereinander in Gefahr.

"Ich verstehe zunächst, dass jeder an seiner Kirche hängt", sagt Pastoraldezernetn Dörnemann. Er würde sich wünschen, dass die Energie, die in den Protest fließt, auch in der Kirche ankommt. "Weil dann alle Kirchen strahlende Orte wären." Der Aufstand in Duisburg hat auch die Kirchenoberen überrascht. Kirche verändert sich. Glaube wechselt Raum.

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