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Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© dpa Lupe
Theatern wie dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin droht die Pleite.
Theaterkrise Ost
Der Kampf der Bühnen in Mecklenburg-Vorpommern
Die Theaterszene in Mecklenburg-Vorpommern kämpft um ihre Existenz. Nur mit Soforthilfen vom Land können sich die Bühnen zur Zeit noch am Leben halten. Eine dauerhafte Lösung ist nicht in Sicht. Die Nothilfe bindet das Land an strenge Auflagen. Von Kündigungen ist die Rede, Gehaltsverzicht und Schließung der Mundart-Bühne.
Die Schmerzgrenze beim Sparen sei längst überschritten, klagt der Intendant. 200 Stellen, ein ganzes Symphonieorchester, sind in den letzten Jahren weggefallen. "Welche Strategie soll ich denn haben?", fragt der Generalintendant Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Joachim Kümmritz. "Die Strategie ist doch einfach: 60 Leute raus und dann fertig. Das wollen die Leute haben? Das will die Landesregierung haben. Es gibt doch keine andere Möglichkeit als bei den Schulden, die hier aufgelaufen sind."

"Ich könnte kotzen"
Auch bei den Künstlern liegen die Nerven blank. Sie fürchten um ihre Jobs und um das Kulturgut in der Region. In ihrer Not wenden sie sich direkt an die Zuschauer. Es sei das "falsche Signal für die Menschen, die hier wohnen", sagt der Schauspieler Jürgen Fahr. "Entschuldigen Sie, ich könnte kotzen." Beim Publikum sammelten Schauspieler und Musiker 30.000 Unterschriften für ihren Appell an das Land, denn zum Überleben brauche das Theater eine ausreichende Finanzierung. Der Rechnungshof hält in einem umstrittenen Gutachten dagegen: Das Land lebe bei der Kulturförderung über seine Verhältnisse. Die sechs Theater mit Repertoire-Betrieb und die vier Orchestern könnten so nicht gehalten werden.

"Der öffentliche Zuschuss, den wir in Mecklenburg-Vorpommern leisten, ist sehr hoch zu den Vergleichsländern", so Tilmann Schweisfurth, Präsident des Landesrechnungshofs. "Die Forderungen von Seiten der Theater, man müsse das Problem durch mehr Geld lösen, sind sehr bedenklich." Zwei von vier Orchestern müssten komplett gestrichen werden werden, fordern die Prüfer. Denn die Musiker bekommen das meiste Geld. "Die Orchester sind der Kostenblock, auf den es ankommt", sagt Schweisfurth. "Wenn man suggerieren würde, es bleiben alle Orchester enthalten, das zeigen unsere Daten, das ist nicht möglich."

Viele Opfer, um zu überleben
Der Nordosten erlebt, was anderen Regionen Deutschlands womöglich noch bevorsteht. Städte wie Anklam haben tausende Einwohner verloren. 2019 fallen hier Subventionen aus Bund und EU weg. Das Anklamer Theater hat vieles opfern müssen, um zu überleben. Anders als bei den großen Häusern wird hier schon lange unter Tarif bezahlt. Eine Produktion darf nur 1500 Euro kosten. Neben Anklam bespielt das Ensemble noch zwei weitere Bühnen. Für das Team ist das eine Belastung. "Wir sind, wenn man es zusammen nimmt, in einer Woche 24 Stunden im Bus unterwegs", so der Schauspieler Torsten Schemmel. Und sein Kollege Peter Scholz erklärt: "Wenn kein Herzblut dabei ist, auf allen Ebenen, würde das Ganze gar nicht funktionieren."

In Vorpommern, wo rechte Ideologien gedeihen, spielt das Theater von Wolfgang Bordel, dem Intendanten er Vorpommerschen Landesbühne, eine wichtige Rolle. Arbeit mit Laien, Jugendbildung, seien unverzichtbar, sagt er. "Ich habe das Gefühl, dass wir bald die Einzigen sind, die Demokratie nicht über Losungen, sondern über gelebte Kultur vermitteln", sagt er. "Wenn wir wegbrechen, wäre da eine Lücke. Sie würde nicht von den sogenannten großen Parteien gefüllt werden. Wenn sie die Kultur vernachlässigen, dann verabschieden sie sich aus einer Region."

Trotz Protest nicht mehr Geld
In Schwerin forderten die Theaterleute bei einer Demonstration einen Rettungsschirm für klamme Bühnen. Kultusminister Mathias Brodkorb erntete Buh- und Schmährufe. Er solle sich klar für die Kultur und den Erhalt der Theaterlandschaft aussprechen, so die Protestler. Der Minister will eine Reform auf den Weg bringen, macht jedoch klar: Für die Theater wird es trotz aller Proteste nicht mehr Geld geben. "Wir können nicht jenseits aller Realitäten Politik machen", so Brodkorb. "Das ist der Grund, warum unsere öffentlichen Haushalte hohe Schulden machen und in ganz Europa über Schulden diskutiert wird. Wir müssen das solide machen."

Seit Jahren arbeiten die Bühnen am Limit, kämpfen gegen die drückenden Schulden. Die Politik hat sich dieser Realität bisher nicht genügend gestellt, kritisieren Theatermacher und Rechnungsprüfer. "Das Land hat sich lange vornehm zurück gehalten, und die Kommunen haben das Problem nicht gelöst", sagt Tilmann Schweisfurth. "Jetzt ist eine Situation entstanden, wo man sich um diese harten Entscheidungen nicht mehr herumdrücken kann. Ist das noch sachgerecht, ist das noch zeitgemäß, können wir uns das noch leisten?" Drängender scheint vielen Theaterfreunden jedoch die Frage: Wie viel Kunst will sich der Nordosten noch leisten? Das muss die Politik beantworten - noch bevor sie über Finanzen diskutiert.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
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© dapdVideoInterview mit Joachim Kümmritz
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