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Kulturzeit heute
19. Juni 2013
  • Noam Chomsky
  • Haus Doorn
Moderation
Video-Porträt
Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
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© dpa Lupe
Der Bahnhof in Stuttgart war der Stein des Anstoßes einer ganzen Bewegung.
Der Bürger hat entschieden
Stuttgart 21 und der Protest
Bei Stuttgart 21 geht um viel mehr als um einen milliardenteuren Tiefbahnhof. Stuttgart 21 ist das Symbol für ziviles Aufbegehren und Initialzündung für Bürgerprotest im ganzen Land - von Occupy Frankfurt bis zum Protest gegen Fluglärm. Nun hat die direkte Demokratie gesprochen und der Souverän sich für den Bahnhof ausgesprochen.
Beim Volksentscheid um Stuttgart 21 haben Wahlbüros statt Barrikaden entschieden. Am Ende steht nun ein Sieg der Stuttgart-21-Befürworter. Der Widerstand gegen das Bahnprojekt ist im Plebiszit verpufft. "Der Souverän hat direkt gesprochen. Das habe ich zu akzeptieren", sagt Baden-Württembergs Mjunisterpräsident Winfried Kretschmann. "Ein vergoldetes Blech wird nicht Gold, nur weil eine Mehrheit das sagt. Es bleibt vergoldetes Blech", sagt Schauspieler und Stuttgart-21-Gegner Walter Sittler. Das Blech ist ein Milliardenprojekt, das Gold der erste Volksentscheid in Baden-Württemberg, der auch durch die andauernden Proteste erzwungen wurde.

Geburtstunde bürgerlichen Widerstands
© dpa Lupe
Empörung machte sich Luft.
Stuttgart 21 war die Geburtstunde bürgerlichen Widerstands. Die Empörung über ein Projekt, bei dem die Bürger jahrzehntelang nicht gefragt wurden, machte sich hier Luft. Die Dokumentarfilmer Florian Kläger und Lisa Sperling haben die Protestbewegung mit der Kamera begleitet und die Aktivisten porträtiert. Beide sind gegen Stuttgart 21. Die Bilanz heute: "Wenn man sich in ganz Europa umschaut, den Ansatz der Bürgerbeteiligung, mehr Demokratie, auf die Straße zu gehen - das ist überall ein Thema. Ich bin überzeugt, dass es in Stuttgart einfach auch ein großes Thema war, ist und bleiben wird", sagt Kläger.

Stuttgart 21 kam nicht plötzlich. Der erste Vorschlag kam 1988, seither schwelt der Konflikt. "Wir gehen von der Realisierung aus", sagt Erwin Teufel, ehemaliger Ministerpräsident Baden-Württembergs, 1999. Sein Amtkollege Günther Oettinger prophezeite 2008: "Ab jetzt ist Schluß mit lustig." Und 2009: "Wer diese Trasse nicht will und nicht baut, baut in unserer Generation gar nichts mehr."

Schwarzer Donnerstag
© dapd Lupe
Großdemonstrationen spalten Stuttgart.
Die Kosten schnellen in die Höhe. Gegner werden zu sogenannten Wutbürgern. Drohungen, Großmannsfanatsien, Demonstrationen und eine "Stunde Null" folgen. Der schwarze Donnerstag am 30. September 2010 rüttelt die Republik auf. Es gibt 400 Verletzte, ein Mann erblindet. Heiner Geißler versucht zu schlichten. Die Regierung Mappus wird abgewählt. Winfried Kretschmann wird der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands. "Das war unser Erfolg, dass wir das geschafft haben, die alte Regierung nach 50 Jahren abzuwählen", sagt Filmemacher Kläger. "Das hat viele bekräftigt. Sie haben gesehen, dass es möglich ist, Veränderungen herbeizuführen."

Stuttgart 21 ist eine Konfliktlinie mitten durch die Gesellschaft. 58 Prozent der Baden-Württemberger Wähler sind für eine Finanzierung des Projekts, 47 Prozent dagegen. Und jetzt? Wird der Volksentscheid den Konflikt befrieden? "Man spricht jetzt davon, dass die eine Seite gewonnen hat", sagt Lisa Sperling im Film. "Jetzt haben wir das demokratisch erreicht. Und die andere Seite muss das akzeptieren. Dass man, wenn man durch die Stadt läuft, die Leute spaltet, das habe ich so heute noch nirgendwo gelesen." "Dafür - Dagegen - auf jeden Fall dabei", hieß ein Slogan zum Volksentscheid. Fast die Hälfte aller Baden-Württemberger hat gewählt. Gewonnen hat die Demokratie. Auch wenn dieser Sieg denen zu Gute kommt, die auf ein Bürgervotum jahrzehntelang keinen Wert gelegt haben.

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