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© dapd Lupe
Gibt es ein Vertrauensverhältnis zwischen Politikern und Wählern?
Eine Frage des Vertrauens
Die Tagung "On Trust" im Einstein-Forum
Vertrauen ist das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft. Ur-Vertrauen wird in der frühen Bindungsphase geschaffen. Vertrauen sei ein "Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität", sagt Niklas Luhmann. Giorgos Papandreou, der griechische Ministerpräsident, will nun die Vertrauensfrage stellen. Welche Bedeutung hat Vertrauen im politischen Raum? Eine Tagung im Berliner Einstein-Forum widmete sich der Frage.
"Vertrauen ist ein Verhältnis, was Beziehungen zwischen Menschen kennzeichnet", sagt Ute Frevert, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. "Auch Misstrauen ist ein soziales Verhältnis." Im Einsteinforum diskutierte man darüber, welche Voraussetzungen Vertrauen erfordert und wie es erhalten wird. Mit dabei war der US-Philosoph Philip Kitcher und der Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma. "Vertrauen ist gut und manchmal ärgerlich", sagt er. "Eben dann, wenn Vertrauen auch das Fundament unseres Finanzsystems ist. Aber wir dürfen uns damit nicht zufrieden geben. Warum? Weil Vertrauen etwas ist, dessen du dir niemals ganz sicher sein kannst."

Es ist eine hoch aktuelle Debatte, denn in Bezug auf die weiter schwelende Schuldenkrise scheint das Vertrauen der Menschen in Politik und Wirtschaft grundlegend erschüttert. Aber wie kann man überhaupt Vertrauen in Institutionen haben? "Institutionen verdienen kein Vertrauen", sagt Ute Frevert. "Sie verdienen Zutrauen und das Verlassen auf Institutionen. Menschen verdienen Vertrauen. Sie verdienen und bekommen Vertrauen, wenn andere Menschen ihnen glauben, dass sie positive, angenehme, wohltätige Absichten äußern."

Ein differenzierteres Demokratie-Modell
Doch kein Mensch kann sich hundertprozentig sicher sein, ob der Andere auch wirklich das tut, was man von ihm erwartet. Und wer einmal Vertrauen verspielt hat, wird sich schwer tun, es wiederzugewinnen - auch in Demokratien. "Wir müssen heutzutage über ein differenzierteres Demokratie-Modell nachdenken", fordert Philosoph Philip Kitcher. "Einer Handvoll Leute zu vertrauen, die Dinge entscheiden, nur damit sie wiedergewählt werden, kann nicht die Zukunft sein. Sie müssen auch mal Dinge entscheiden, die konträr zu dem sind, was sie wollen."

Jeder buhlt um das Vertrauen des anderen. Und so wird auch die globale Finanzkrise und jedes angebliche Versagen der politischen Klasse als Vertrauenskrise interpretiert. "Dann spiegelt das ein Stück weit das was ich 'Obsession mit Vertrauen' nennen würde", sagt Frevert. "Wir wollen Vertrauen, wir müssen vertrauen, wir haben das Gefühl, wir haben keine Alternative zum Vertrauen. Dabei haben wir durchaus eine Alternative zum Vertrauen. Diese Alternative ist in unser poltisches System und in unserem Umgang mit unserem Bankberater eingelassen. Wir können Vertrauen entziehen." Dennoch: Wir fühlen uns glücklicher, wenn wir vertrauen können.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Info
"On Trust. Internationale Tagung"
Einstein-Forum Berlin
03. und 04.11.2011
Mediathek
Das Gespräch mit der Philosophin Onora O'Neill (04.11.2011)
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