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SENDUNG vom 28.07.2016
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© dapd Lupe
Google sponsort das neue Institut mit 4,5 Millionen Euro.
Humboldt googelt
Das neue "Institut für Internet und Gesellschaft"
An der Humboldt-Universität in Berlin soll ein neues Institut das Verhältnis von Internet und Gesellschaft erforschen. Google sponsort das "Institut für Internet und Gesellschaft" mit 4,5 Millionen Euro. Kann Internet-Forschung, die von einem Internet-Giganten finanziert wird, unabhängig sein?
Ralf Bremer, Unternehmenssprecher von Google Deutschland, weist Kritik zurück: Das Institut werde unabhängig von Google arbeiten. "Es gibt in keiner Weise eine regelmäßige Koordinierung." Und Jeanette Hofmann, Direktorin des Humboldt-Instituts für Internet und Gesellschaft, erläutert: Wir haben dieser Sorge institutionell Rechnung getragen, indem wir zwei Organisationen gründen. Die eine ist für das Einsammeln von Förderungsmitteln zuständig, die andere für die Forschung. Dann muss man auch berücksichtigen, dass Google so groß ist und wir so klein. Wir bekommen gar nicht so viel Geld von Google."

Keine Exklusivität
© Danish Puthan Valiyandi Lupe
Die Erkenntnisse des Instituts stehen allen zur Verfügung - auch Google.
Google leistet sich eine Art wissenschaftlichen Beirat, finanziert mit einem Taschengeld. Kauft sich der Konzern sein eigenes Institut? "Natürlich werden die Erkenntnisse, die das Institut gewinnt, auch irgendwann in unsere Produkte einfließen können", sagt Ralf Bremer, Unternehmenssprecher von Google Deutschland. "Aber wichtig ist: Es gibt keine Exklusivität. Die Erkenntnisse, die das Institut gewinnt, stehen allen zur Verfügung - auch Google." Google zahlt, profitiert - und versucht in Deutschland, dem Land, das mit am empfindlichsten auf Datenschutzverstöße reagiert, sein Image aufzubessern.

Aber vielleicht ist die Empörung doch zu groß. Drittmittelförderung an deutschen Universitäten ist üblich, 2009 lag sie bei rund fünf Milliarden Euro. Ob Internet-Gigant oder Pharma-Riese - Interessen werden dabei immer eine Rolle spielen. "Google hat die Initiative in die Hand genommen in einem Bereich, wo die deutsche Forschungslandschaft nicht aktiv geworden ist", erklärt auch Meike Laaff, Redakteurin für Netzthemen bei der "taz". "Das ist natürlich insofern bedauerlich, als alle Beteiligten und Beobachter glücklicher wären, wenn es eine öffentliche Einrichtung wäre - von Max-Planck über Universitäten, die ein Institut für Internet und Gesellschaft gebildet hätten. Haben sie aber nicht. Insofern muss man Google ein Stück weit dankbar sein."

Warum erst jetzt?
© dapd Lupe
Die Eröffnung des Internet-Instituts ist "im deutschsprachigen Raum spät dran."
Brisanter als die Google-Patenschaft ist tatsächlich die Frage: Wieso packt es die deutsche Hochschullandschaft nicht, ein Internet-Institut aus eigener Kraft zu stemmen? Jeanette Hofmann, Direktorin des Humboldt-Instituts für Internet und Gesellschaft sagt, "dass es schon viel früher hätte gegründet werden können. In gewisser Hinsicht sind wir im deutschsprachigen Raum eher spät dran, das ist keine Frage. Aber es passt auch zur deutschen Forschungslandschaft. Die Universitäten sind dazu nicht gut in der Lage, weil sie sich aufgrund knapper Mittel auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müssen, nämlich das Angebot von Lehre."

In anderen Ländern ist man weiter: Die Universitäten Harvard und Oxford haben schon längst Institute, die sich der Erforschung von Internetthemen widmen. Denn das Netz durchdringt das Leben, die Politik, die Gesellschaft immer stärker. "Wir sehen in den letzten zehn Jahren rapide, dass das Netz immer mehr Lebenswirklichkeit von einer sehr großen Mehrheit von Menschen beeinflusst", so Meike Laaff. "Und wir sehen, dass die Entwicklung viel schneller stattfindet als sich Werte und Normen und Gesetze herausbilden, die formen, wie wir in einer digitalen Gesellschaft leben möchten. Insofern ist es sehr notwendig, Dinge einzuordnen, Dinge zu hinterfragen, Dinge zu verstehen."

Es ist gut, dass das Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft existiert. Trotz aller Kritik - und Google sei Dank. Schon bald sollen weitere Sponsoren dazukommen. Damit wäre eine mögliche Dominanz des Internetkonzerns eingeschränkt. Kritisch beäugen sollte man die Arbeit der Wissenschaftler natürlich trotzdem.

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