Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
Dezember 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
28
29
30
0102
03
04
0506070809
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
Mediathek
SENDUNG vom 07.12.2016
Sendung verpasst?

Navigationselement
Navigationselement
Lupe
Das Image von Israel aufzupolieren, war das Anliegen des Israelkongresses.
"Israel ist nicht euer Feind"
Der Israelkongress in Frankfurt am Main
Israels Ansehen ist im Moment angeschlagen. Nach der Befreiung von Gilad Shalit und 1000 palästinensischen Gefangenen liegt der Fokus wieder auf dem Nahen Osten. Diskussionsstoff gab es also genug beim Frankfurter Israelkongress mit dem Motto: "Frieden durch Sicherheit - Sicherheit durch Frieden". Am 23. Oktober 2011 fand er statt.
Mosab Hassan Yousef ist ein gefragter Mann auf dem größten Pro-Israel Treffen in Europa. Er gehörte zum Kern der palästinensischen Organisation Hamas, wechselte später die Fronten und tritt nun als Buchautor und Propaganda-Stimme Israels auf - ein Verräter, ein ehemaliger Terrorist als Fürsprecher des Erzfeindes? "Ich kann jedem Palästinenser, jedem Araber versichern: Israel ist nicht euer Feind", sagt Yousef. "Palästinenser haben viel gefährlichere Feinde in ihren eigenen Reihen. Sie haben wirklich ernsthafte Probleme, aber die sehen sie nicht. Fragen der Ehre, Schande, Schuld, Angst - das sind Kräfte, die in ihrer eigenen Gesellschaft bekämpft werden müssen."

"Wir sind ein demokratisches Land"
Lupe
Yousef, auch der "grüne Prinz" genannt, ist für eine satte Prämie zum Kongress nach Frankfurt am Main eingeflogen worden. Hat man hier keine Skrupel, auf die Dienste eines Fürsprechers mit terroristischem Hintergrund zurückzugreifen? Ist das der Weg zum Frieden? Mehr als 3000 Freunde Israels kamen. Der Kongress, veranstaltet vom Verein "I like Israel", wendet sich gegen Israel-Bashing. Hat Israel ein Imageproblem? "Israel hat ein Image-Problem", sagt Danny Ayalon, Vize-Außenminister von Israel. "Es ist jetzt wirklich wichtig, der Welt zu zeigen, für was Israel steht. Wir sind ein demokratisches Land, bei uns regiert das Gesetz. Wir sind sehr innovativ, technisch hochentwickelt und wir haben viel Kultur. Wir müssen Israel jenseits des Palästinenser-Konflikts sehen. Um diesen Konflikt zu lösen, brauchen wir die Palästinenser."

Ausgerechnet ein ehemaliger Hamas-Terrorist, der für den israelischen Staat spionierte, soll Abhilfe schaffen? Der Vize-Außenminister ist in Erklärungsnot. "Nein, er ist kein Vertreter Israels", sagt Ayalon. "Er ist vom Kongress eingeladen worden. Aber er ist ein Mann, der die Hamas genau kennt - wie sie die Leute manipulieren, wie sie Menschen in den Tod schicken, wie sie Kinder und Frauen und Unschuldige töten lassen. Ich denke, es ist wichtig, dass die Welt weiß, warum die Hamas sich ändern muss."

"Nicht über Hass reden"
Einer der Schirmherren des Kongresses ist der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev. Er hält Yousef für glaubwürdig, will aber lieber nicht über das Thema und israelische Geheimdienstaktionen sprechen. "Ich möchte heute nicht über Terrorismus sprechen", sagt er in Frankfurt. "Ich will nicht über Hass reden. Ich will nicht über Feinde reden. Ich will darüber reden, wie wir Frieden in diese Region bringen." Dabei ist Spionage und der Deal mit der Hamas um den israelischen Soldaten Gilad Shalit ein großes Thema auf dem Kongress. Der 25-jährige Shalit ist gerade im Austausch mit palästinensischen Gefangenen freigekommen. Auch Yousef hat als israelischer Agent Landsleute und seinen eigenen Vater verraten.

"Ich bin kein Verräter", sagt Yousef. "Ich habe mich als Agent geoutet, um meine Familie, meinen Vater, mein Volk bloßzustellen, aber auch zum Denken zu bewegen. Deswegen wollte ich sie bewusst in eine unangenehme Lage bringen, sie aus ihrer Lethargie befreien. Das war die einzige Art, sie herauszufordern." Verrat für die vermeintlich gute Sache? Wir treffen den renommierten israelischen Journalisten Yossi Melman, der Yousefs Geschichte gut kennt. Für ihn ist er eine zweifelhafte Figur. "Die Geschichte von Yousef ist kompliziert", sagt Melman. "Er ist der Sohn eines der wichtigsten Hamas-Führer und entscheidet sich plötzlich, seinen Vater und sein Volk zu verraten, um für den israelischen Geheimdienst zu arbeiten. Er war ein Agent des Geheimdienstes und ist später zum Christentum konvertiert. Wenn Sie mich fragen: Er ist wirklich eine arme Seele."

Feldzug gegen den Islam
Mosab Hassan Yousef kümmert das wenig. Er ist inzwischen zum Christentum übergetreten und zieht als Missionar öffentlich gegen den Islam zu Felde. "Der Prophet Mohammed ist für mich der Führer aller Terroristen", sagt er. "Er war doch selbst ein Terrorist und hat Menschen getötet. Das ist das wahre Gesicht von Mohammed. Heute haben die Muslime eine ganz andere Vorstellung von Mohammed. Der moderne Mohammed, der in ihren Köpfen ist, ist ein ganz anderer Mohammed als vor 1400 Jahren. Die islamische Welt ist von der Religion beherrscht. Muslime heute leben und denken noch wie im Mittelalter. Es ist wie damals, als Christen noch unter der Macht religiöser Führer lebten."

Ein weiteres Thema auf dem deutschen Israelkongress ist die Frage, ab wann die Kritik an Israel Antisemitismus ist. Und die Frage: Welche Gefahr geht vom Iran aus? Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, kritisiert die deutschen Handelsbeziehungen zum Iran und er verurteilt die Terrororganisation Hamas. Das Image von Israel aufzupolieren, war das Anliegen des deutschen Israelkongresses. Ob das mithilfe eines teuer bezahlten ehemaligen Hamas-Mitgliedes gelungen ist, ist zweifelhaft.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
mehr zum Thema