Der interaktive Charakter des Fern- sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
Die Piratenpartei hat Berlin geentert – im Kreuzberger Club Ritter Butzke feiert die Partei der Hacker, Geeks und Nerds am Wahlabend des 18. September 2011 ihren ersten Einzug in ein Landesparlament. "Wir wollen mehr Transparenz in der Politik, wir wollen mehr Bürgerbeteiligung und die aktuelle Zeit sieht danach aus, dass die Menschen endlich reif dafür sind", sagt Oliver Höfinghoff, Kandidat der Piratenpartei Berlin aus Friedrichshain-Kreuzberg.
Doch welche Kompetenz hat die Partei jenseits der Netzthemen? Beim wirtschaftlichen Einmaleins zumindest gibt es noch Nachholbedarf. So hatte der Spitzenkandidat der Piraten Andreas Baum bei einem Interview auf die Frage nach den Schulden Berlins mit "viele Millionen" geantwortet. Der Schuldenstand liegt jedoch bei 62 Milliarden Euro.
Klar ist: Die Piraten wurden nicht wegen ihrer inhaltlichen Kompetenz gewählt. Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen verdanken sie ihren Erfolg vor allem der Unzufriedenheit mit den traditionellen Parteien. 20.000 Nichtwähler haben bei dieser Wahl das Kreuz bei den Piraten gemacht. Nur zehn Prozent haben sie wegen ihres Programms gewählt. Allesamt sind es Stimmen der Besitzlosen gegen die Arroganz der Etablierten.
Diesen Lernprozess im politischen Alltag wollen die Piraten nun in einem Blog dokumentieren. Ihr nächstes Ziel ist es, den Bundestag zu entern. Das System von innen verändern wollten auch die Grünen vor 30 Jahren. Doch auf dem Weg zum Establishment sind sie nur allzu oft über ihre eigenen Ideale gestolpert.
Christian Stöcker "Nerd Attack! Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook" Deutsche Verlags-Anstalt 2011 ISBN-13: 978-3421045096