Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
Dezember 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
28
29
30
0102
03
04
0506070809
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
Mediathek
SENDUNG vom 01.12.2016
Sendung verpasst?

Navigationselement
Navigationselement
Lupe
"Salonfaschist" Götz Kubitschek: "Das Deutschland, in dem ich leben möchte, ist das Land, in dem die Deutschen leben."
Auf dem Rittergut
Eine Begegnung mit Deutschlands Neuen Rechten
Kritiker nennen ihn einen "Salonfaschisten", für viele Rechte ist er ein Vorbild: Götz Kubitschek ist derzeit der wohl erfolgreichste neurechte Verleger Deutschlands und der prominenteste Vertreter der Neuen Rechten, einer Bewegung die seit Anfang der 1990er Jahre stetig Zulauf hat und gut vernetzt ist. Auf Kubitscheks Rittergut laufen die Fäden zusammen. Von hier aus betreibt der 40-Jährige einen Verlag und beliefert seine gut gebildete Kundschaft mit rechter Literatur und einer Zeitschrift.
"Wir sind sehr, sehr konservativ, wir sind letztlich Rechtsintellektuelle", sagt Götz Kubitschek, Oberleutnant der Reserve, Verleger und Besitzer des hiesigen Ritterguts. "Ich halte das Rechtsintellektuelle für das Kommende. Es ist ganz klar, dass die Probleme, die auf unser Land zukommen, in denen wir stecken, die Antwort nicht von links, sondern von rechts bekommen."

Agitationsformen der 68er nutzen
Lupe
Götz Kubitschek ist Vater von sieben Kindern.
Derzeit liest Kubitschek ein Buch von Günther Maschke. Der war einst Freund von Rudi Dutschke, mit der Schwester von Gudrun Ensslin verheiratet und wandelte sich vom Linken zum Rechtsnationalen. Die Agitationsformen der 68er studiert Kubitschek genau - und wendet sie an. Als an der Berliner Humboldt-Uni ein 68er-Kongress stattfindet, schlägt Kubitschek zu. Allein bei geistiger Auseinandersetzung soll es nicht bleiben. Die Rechtsintellektuellen wollen dorthin, wo die Linken sind - mit spontanen Demonstrationen, unangemeldet, schnell, wie beispielsweise am Jahrestag der Beendigung des Ersten Weltkriegs.

Götz Kubitschek ist nicht nur Politaktivist, er ist auch Vater von sieben Kindern. Mit ihnen und seiner Frau Ellen Kositza lebt er ein "deutsches" Leben. Das soll man schon am Namen der Kinder erkennen. Es seien mythische Namen, so die Mutter. "Brunhilde aus der Nibelungensage. Undine ist das Wasserweibchen. Wieland - die Wielandsage. Ingeborg gibt es auch. Das ist eine norwegische Königin, hat aber mein Mann ausgesucht, den Namen."

Die stramm rechtskonservative Zeitung "Junge Freiheit" hat geladen. Peter Scholl-Latour ist gerne mit dabei. Salonfähig ist man mittlerweile. Ellen Kositza bekommt dort einen Journalistenpreis. "Eines zu Alice Schwarzer: Sie kennt mein Buch", sagt Kositza bei der Preisverleihung. "Ich habe es ihr persönlich übergeben. Und da hat sie sich auch sehr gefreut. Das war allerdings vor der Lektüre." Ellen Kositza schreibt gegen die Emanzipation, fordert traditionelle Rollenverteilungen zurück. Ausländer hat sie als busengrapschende Männer erlebt.

Ihr Mann betreibt einen Verlag und Buchversand. Rechtskonservative Theoretiker, Nachdrucke aus den 1930er Jahren - aus einer ehemaligen Scheune liefert Götz Kubitschek den Lesestoff zur sogenannten konservativen Revolution. Seine Monatsschrift vereinigt die wichtigsten Autoren der Szene. Die Geschäfte laufen bestens. "Sarrazin haben wir höllisch gut verkauft", sagt er, "und dazu auch ein Sonderheft gemacht: 'Sarrazin lesen'. Das ist ohne Frage ein absoluter Durchbruch gewesen im letzten August, September, das Buch von ihm, das auch viele Themen, die wir ansprechen, nach oben gezogen hat." Kubitschek schreibt auch selbst. Sein neues Buch mit eigener Homepage listet Verbrechen auf - ausschließlich die, bei denen Ausländer die Täter, Deutsche die Opfer waren.

Lichtmesz träumt von einer rechten Revolution
Lupe
Martin Lichtmesz lebt in Kreuzberg und ist rechts.
Martin Lichtmesz lebt in Kreuzberg und ist rechts. Der gebürtige Österreicher ist einer der Autoren von Kubitschek. Er schreibt von Überfremdung und Entzündungsherden eines Volkes. "Ich muss sagen, dass es heute wirklich nur sehr wenige Linke gibt, die man ernst nehmen kann, auch intellektuell ernst nehmen kann", so der Autor. Lichtmesz träumt von einer rechten Revolution. Die Bewegung sei größer und breiter als mancher sich vorstelle. "Ich denke, dass das, was wir tun, auch eine subkutane Wirkung hat", so Lichtmesz, "dass das auch gelesen wird von Leuten, die bedeutender sind als wir, die größeren EInfluss haben als wir, also Politiker und Publizisten. Da gibt es einige bedeutende Namen, von denen ich weiß. Das wird auch weiter geleitet in die Kanäle."

Rechte Schüler- und Studentenzeitung im Netz
Der 26-jährige Felix Menzel aus Chemnitz arbeitet eng mit Kubitschek zusammen. Er ist Herausgeber der "Blauen Narzisse", der wohl erfolgreichsten rechten Schüler- und Studentenzeitung im Internet. Auch hier geht es um das Zuviel an Ausländern. Aber nicht nur Worte gibt es. Zwischen den Artikeln wirbt ein T-Shirt-Versand. Die Motive sind Soldaten nach Neukölln, das Profil Benito Mussolinis und direkt daneben der neue Star der Rechten. "Ich glaube auch, dass das ganz schnell gehen kann und von uns ganz unabhängig. Das heißt, wenn es noch zwei, drei Leute wie Sarrazin geben sollte, dann wird dieser Durchbruch gelingen."

Lupe
Götz Kubitschek verlegt rechte Theoretiker.
Die "Kultur" zum neuen Deutschland gibt es in der der "Blauen Narzisse" auch bereits, beispielsweise Gedichtvideos neurechter Literaten. "Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass wir da in einem geistigen Bürgerkrieg leben, in dem es tatsächlich um die Existenz unserer Nation, unseres Volks geht", sagt Götz Kubitschek. Kubitschek und seine Mitstreiter planen weitere Aktionen, solche wie 2008, als sie eine Lesung von Günter Grass mit Plakaten und Zwischenrufen störten. Heute ist ihnen das nicht mehr radikal genug.

"Wenn wir da anders drauf gewesen wären", so Kubitschek, "dann wären wir auf die Bühne gegangen ins Scheinwerferlicht und hätten ihm das Mikrofon abgenommen und gesagt: 'Opa setz' dich hin, du bist jetzt mal ruhig. Jetzt geht es um etwas ganz anderes hier.' Oder wir hätten seinen Wein ausgetrunken, der da oben auf der Bühne stand. Oder keine Ahnung, irgendwas richtig subversives." Kubitschek lebt das Leben, das er sich für Deutschland wünscht. Mit Tochter Undine macht man Hausmusik. Sie ist mit 13 Jahren bereits Wagner-Fan. Felix Menzel will weiter an der "perfekten rechten Zeitung" arbeiten. Und Martin Lichtmesz träumt vom gesellschaftlichen Umbruch, der in Ostdeutschland seinen Anfang nehmen soll.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
mehr zum Thema