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©  Dagmar Morath Lupe
Angstfrei zog Lucy Fricke durch die Metropole, um für ihren Roman zu recherchieren.
Ja zu Japan
Lucy Fricke als Goethe-Stipendiatin in Kyoto
Es sind stürmische Zeiten für Lucy Fricke, als wir die Schriftstellerin im April 2011 treffen. Sie darf als Goethe-Stipendiatin für drei Monate im japanischen Kyoto leben und arbeiten - ein lang ersehnter Traum der Berlinerin. Nach dem Gau in Fukushima aber muss sie lange mit sich ringen, ob sie diese Reise überhaupt antreten will.
"Es klingt immer pervers, aber es hat einen besonderen Reiz, jetzt hinzufahren", sagt Lucy Fricke. "Das ist unvergleichlich und einzigartig, was als Katastrophe passiert und wie das so ein Land verändert." Die Neugierde der 36-Jährigen und ihre Faszination für Abgründe und Ängste - auch Thema ihrer Bücher - gab letztlich den Ausschlag für Japan.

"Ich habe ständig den Satz gehört: 'Danke, dass Sie gekommen sind.' Immer, überall. Auf der Straße bin ich teilweise angesprochen worden. Alle haben gefragt, ob es mir gut geht und ob meine Familie mich davon abhalten wollte - was sich für mich sehr komisch angefühlt hat, weil in Kyoto selbst nichts zu spüren war und man denkt, ich habe gar nichts Besonderes getan, außer hierher zu fliegen." In Kyoto angekommen, erlebt Fricke wider Erwarten eine fast idyllische Welt. Es ist nichts zu merken von der Atomkatastrophe, die sich 500 Kilometer weiter ereignet hat. Angstfrei zog Fricke durch die Metropole, um für ihren neuen Roman zu recherchieren.

Viel Stoff für neue Bücher
In der neu eröffneten Künstlerresidenz Villa Kamogawa war sie die einzige Stipendiatin, die anderen drei hatten aus Angst vor Fukushimas Folgen abgesagt. "Als ich alleine war, musste ich rausgehen", erinnert sich Fricke. "Dadurch ist sehr viel entstanden, sind da jetzt wirklich Freundschaften in Kyoto. Gerade in den ersten zehn Tagen, als ich wieder hier war, bekam ich täglich Post. Ich wollte auch gar nicht auspacken. Das war das Gefühl: Irgendwie habe ich da jetzt auch ein Leben." Lucy Fricke schreibt über die Probleme ihrer Generation hierzulande. Sie fand heraus, dass sie denen der jungen Japaner sehr ähnlich ist. Sie hat viel Stoff für ihr neues Buch gesammelt, das sicher nicht nur von Fukushima handelt. Dieses Kapitel hat sich für sie nach einem Besuch beim Berliner Strahlenschutzamt auch endgültig erledigt.

"Da war absolut nichts", sagt die Autorin. "Sie haben nichts gefunden, und man sagte mir auch, hätte ich Pilze aus Bayern gegessen, dann hätte es einen Ausschlag gegeben. Ich war überhaupt nicht in Sorge, aber man ist doch neugierig und denkt, mit diesem ganzen Drama davor gehört das als Abschluss dazu, in so eine Kammer zu gehen." Für Lucy Fricke ist Japan mehr als Fukushima. Sie vermisst ihre neuen Freunde und wird sie schon bald wieder besuchen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buchtipp
Lucy Fricke
"Ich habe Freunde mitgebracht"
Rowohlt 2010
ISBN-13: 978-3-498-02130-6