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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© gemeinfrei Lupe
So sahen sie damals aus: Eine britische Frauenfußballmannschaft 1895
Zeiten ändern sich
Vom unaufhaltsamen Aufstieg des Frauen-Fußballs
Zum Auftakt der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 hat Gastgeberland Deutschland Kanada mit 2:1 besiegt. Deutschland jubelt - aber das war nicht immer so. Frauenfußball wurde lange Zeit nicht ernst genommen, der Deutsche Fußball Bund (DFB) verbot das wilde Treiben sogar. Trotzdem kickten die Frauen weiter.
Eigentlich gilt: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Aber: "Elf Freundinnen sollt Ihr sein", das hat Trainerlegende Sepp Herberger nie gesagt. In Wahrheit betonte er: "Nach meiner Meinung ist der Fußballsport kein Sport, der für Damen geeignet ist." 1954 gab es das erste unerlaubte Länderspiel. Unglaublich, aber wahr: Bis heute verschweigt der DFB die Namen der Teilnehmerinnen. Erst 30 Jahre später, 1982, fand das erste offizielle Frauen-Länderspiel in Koblenz statt. Danach wurden die deutschen Fußball-Frauen Welt- und Europameisterinnen, bauten eine eigene Bundesliga auf, spielen längst auf technisch hohem Niveau. Und trotzdem hat der Frauenfußball (bisher) den ganz großen Durchbruch nicht geschafft.

Auch Fußballgötter irren sich
Damals wie heute hatten und haben besonders Männer ein Problem mit Frauenfußball. Der ehemalige Nationaltrainer der männlichen deutschen Fußballer, Berti Vogts, gibt unverhohlen zu: "An sich bin ich gegen Damenfußball. Es gibt so schöne Sportarten, warum ausgerechnetFußball für die Dame?" Aber wenn die Dame eines nicht versteht, dann das Männerproblem mit dem Frauenfußball. Die Abneigung sitzt tief bei den Chefstrategen. Sepp Herberger befürchtete sogar, "dass die Damen nach meiner Meinung die Leistung, die man erwartet, doch nie erreichen werden." Doch Fußballgott Herberger irrte sich.

Aber auch andere Experten zeigten Schwächen im mentalen Abschluss, zum Beispiel Sportreporter Ernst Huberty, der sich leicht verhedderte: "Es gibt hübschere Sportarten für Frauen. Ärzte haben schon festgestellt, dass es leichte Deformierungen gibt, sowohl in der Muskulatur. Aber die gibt’s ja auch anderswo. Gibt es die nicht auch bei Männern? Die gibt es auch bei Männern. Aber da der Frauenkörper meist mehr begehrt ist als, äh..." Der unvollendete Huberty sprach vielen anatomie-fixierten Männern aus der Seele.

Ein Sportartzt propagierte gar den Hochschutz: "Was eine weitere anatomische Besonderheit angeht, beispielsweise die Brustdrüsen, [wäre] ein entsprechender Schutz [praktisch] - entweder durch eine Regel, die gestattet, den Ball kurz mit der Hand zu stoppen, falls er eine Brustdrüse gefährdet oder aber, was mir sinnvoller erscheint, solche Brustkörbe zu entwickeln, wie wir sie etwa mit dem Unterleibsschutz vom Boxsport der Männer her kennen." Dieser Schutz wurde nie eingeführt. Damals war auch die Trikotwerbung umstritten. "Die Frauen sind zum Teil gar nicht sehr zufrieden damit, dass sie keine Trikotwerbung tragen dürfen - warum eigentlich?", wunderte sich ein Reporter. Es gab natürlich Gründe dafür. "Wir wollen auch die Frauen in ihrem ganzen Dasein so erhalten und wollen sie nicht als lebende Litfasssäulen umherlaufen lassen", sagte Horst Schmidt vom DFB.

Sex und Fußball
Die Männer bestimmten, wie die Frauen zu spielen hatten - rustikale Sprüche gab es von den Sportreportern noch dazu. "Ich wiederhole kurz die Regeln: Angeschossene Hand ist Hand, Eckstoß vom 16-Meterraum, und wer meckert, kann gleich draußen bleiben", so ein Reporter. Und ein Kollege herrenwitzelte: "Was so ein richtiger Fußballbomber ist, der hat mehrere Gegner, aber auch mehrere Bälle." Schenkelklopfer helfen, wenn der Verstand sich eine hormonbedingte Auszeit nimmt. "Nur wer Sex zu sehen erhoffte, der kam auf - nein, entscheiden Sie selbst, das würde den Rahmen unserer Berichterstattung sprengen." Wie er das wohl gemeint hat? Egal.

Heute käme niemand mehr auf die Idee mit dem Sex und dem Frauenfußball. Oder? Denkste - immer noch gibt es verzweifelte Versuche den Frauenkick männerkompatibel zu machen. Zur Europameisterschaft 1989 gab es vom DFB noch ein formschönes Kaffee-Service. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei: Für den Sieg der WM 2011 gibt es pro Spielerin 60.000 Euro - natürlich viel weniger als die Männer bekämen. Egal Mädels: Haut rein und holt das Ding!

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Schwerpunkt
Faszination Fußball