Auch der Zeitpunkt seiner Freilassung wirft Fragen auf. Am 27. Juni 2011 reist der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao nach Deutschland und trifft sich mit Angela Merkel. Es reist sich angenehmer ohne das Bild eines inhaftierten Regimekritikers - und es verhandelt sich auch leichter. Musste Ai Weiwei Zugeständnisse an die chinesische Regierung machen? Zugeständnisse, die nicht nur sein Schweigen sicherstellen, sondern auch einen öffentlichen Prozess verhindern. Über die Umstände seiner Haft drang bislang kein Wort an die Öffentlichkeit. Kaum einer setzte sich bislang so für Rede- und Meinungsfreiheit ein wie dieser chinesische Künstler. Wie wird er in Zukunft unter diesem Verdikt arbeiten können? Die Mitarbeiter seiner chinesischen Holzwerkstatt dürfen - ja sollen -sogar weiter produzieren. Doch was gilt Marktfreiheit ohne Kunstfreiheit?