Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
August 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
0102030405
06
07
0809101112
13
14
1516171819
20
21
2223242526
27
28
293031
01
02
03
04
Mediathek
SENDUNG vom 31.08.2016
Sendung verpasst?

Navigationselement
Navigationselement
© dpa Lupe
Sind Vernunft und Glaube heute noch ein Gegensatz?
Gott ist tot - oder doch nicht?
Eine Konferenz diskutiert über die Streitfrage
Welche Rolle spielt die Religion für Politik und Gesellschaft in einer globalisierten Welt? Diese Streitfrage, steht derzeit im Mittelpunkt einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
Gott ist tot - Friedrich Nietzsche hat es ausgesprochen. Die Vorarbeit leistete die Aufklärung. Sie rückte den vernunftbetonten Menschen ins Zentrum. Gott war abgemeldet. In der westlichen Welt nimmt die öffentliche Bedeutung von Religion ab. Im Zeitalter der Säkularisierung ist Gott also tot, oder etwa nicht?"Ein bestimmter Gott - ja", sagt der Soziologe José Casanova. "Ein bestimmtes Bild von Gott ist tot. Aber es andere Bilder haben es ersetzt. Die Vorstellung von nur einem Gott ist tot, in diesem Sinne, dass es viele verschiedene Auffassungen von Gott gibt."

Warum spielt Religion wieder eine Rolle?
Für Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik wird in Deutschland wieder viel über Religion gesprochen. "Also kann man sagen: Gott ist nicht tot." Gott lebt also? Es scheint, dass Religion in der westlichen Welt heute wieder eine beachtliche Rolle spielt für die Menschen. Aber welche Faktoren haben dazu geführt? "9/11 war eine Wende", sagt der Politikwissenschaftler Bassam Tibi. "Seit 9/11, seit dem 11. September 2001, verstehen Europäer, dass Religion zurück ist, obwohl sie in Europa rückläufig ist und so entsteht mehr Interesse an Religion."

Der fundamentalistische Islam mag die Auseinandersetzung mit dem Glauben weltweit verändert haben. Gotteskrieger verbreiten Angst. In Deutschland ist eine Furcht vor dem radikalen Islam eingekehrt. Was kann ihr entgegen treten. Weltliche oder doch religiöse Werte? "Ich glaube", so Micha Brumlik, "es ist wichtig, sich der christlich jüdischen Werte zu besinnen, um mit dem Islam ins Gespräch zu kommen. Ich könnte mir vorstellen, dass Muslime eher auf religiöse Werte hören werden als auf rein weltliche."

Ein wiedererwachtes Glaubensgefühl ist auf dem Vormarsch. Die Suche nach Spiritualität, das individuelle Ausleben des Glaubens findet in allen Religionen statt. "Im Zuge der Globalisierung ist die religiöse Identität wichtiger geworden", sagt José Casanova. "Die Tatsache, dass wir uns als Moslems, Christen oder Hindus erkennen, ist eine moderne Entwicklung. Unter diesem Aspekt führt die Globalisierung zu mehr religiöser und damit auch zu kultureller Identität." Religion als Teil unserer Identität. Wie verträgt sich das mit dem modernen aufgeklärten Menschen? Sind Vernunft und Glaube heute noch ein Gegensatz?

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Konferenz
"A Secular Age or a Postsecular Constellation? On Religion, Ethics, and Politics in a Globalizing World"
Goethe-Universität, Frankfurt am Main
15. bis 18.06.2011
Mediathek
Das Kulturzeit-Gespräch mit dem Philosophen Charles Taylor (16.06.2011)
mehr zum Thema