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© dpa
Durch Strahlen mutierte Echse: Godzilla ist Japans Mythos von der Atomkatastrophe.
Godzillas Rückkehr
Der Mythos der atomaren Bedrohung in Japan
Auch wenn die Angst vor einer atomaren Katastrophe der japanischen Bevölkerung inzwischen deutlich spürbar geworden ist, so staunt man doch, wie lange die Betroffenen besonnenen reagierten. Ihr disziplinierter Umgang mit dem Unfassbaren hat auch damit zu tun, dass Katastrophen seit jeher zum japanischen Leben gehören. Die latente Gefahr spiegelt sich längst in der Populärkultur wider, wie beispielsweise im Godzilla-Mythos.
Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki sind das Trauma, die große Katastrophe und Niederlage, die Japan bis heute begleitet. Kein anderes Land hat die atomare Verwüstung so direkt miterlebt wie Japan. Wenn heute eine atomare Bedrohung das Land in Atem hält, dann ist das nicht nur die größte Katastrophe seit 1945, sondern auch die bittere Einsicht, dass man von ähnlichen Geistern wieder eingeholt wird. Für den Japan-Kenner Hans Thomsen ist Hiroshima der Schlüssel zum Verständnis der japanischen Realität. "Es ist die Tragödie, die das moderne Japan definiert", sagt der Kunsthistoriker. "Sie waren am Boden zerstört, von da an gab es nur noch den Aufstieg. Zentral für die Japanische Erfahrung ist, dass sie es so schnell von einer geschlagenen zu einer erfolgreichen Nation schafften."

Urkraft der Natur und nukleare Bedrohung
Japan stieg wie Phönix aus der Asche, doch die Geister der Vergangenheit blieben. Die Kultur der Nachkriegszeit ist geprägt von der Angst vor der unkontrollierbaren Katastrophe. Das älteste Beispiel ist Godzilla, das Monster, das aus dem Meer steigt und gleichzeitig Urkraft der Natur wie auch nukleare Bedrohung ist. Godzillas atomarer Hauch zerstört alles, was ihm im Weg steht. Zehn Jahre nach Hiroshima ist Godzilla die Rache der Natur am technologiegläubigen Menschen. "Godzilla stammt aus der Götterwelt, herbeigerufen durch die Katastrophe von Hiroshima", erklärt Thomsen. "Mit anderen Worten: Es ist unsere Schuld. Wir haben die Technologie missbraucht. Er ist ein Naturgott, der an den Menschen Rache übt."

Godzilla ist bis heute das Urmonster Japans geblieben. Wenn sich jetzt das Meer aufbäumt und eine atomare Katastrophe droht, ist Godzilla zurück. Es sind vor allem die Anime-Filme, die Untergangszenarien und die Zukunftsvisionen Japans immer wieder zum Thema machen. Der einflussreichste ist "Akira" von Katsuhiro Otomo aus dem Jahr 1988. Tokio wird durch eine atomare Katastrophe ausgelöscht und wieder aufgebaut. Doch der Missbrauch übernatürlicher Kräfte für die Wissenschaft ruft neue Monster hervor, die erneut den Untergang einläuten.

"Die Idee, dass man etwas technologisch Hochentwickeltes erschafft und es kontrollieren kann, ist typisch für den japanischen Staat und seine Sicht auf die Bevölkerung", sagt Hans Thomsen. "Das Problem ist, dass man es nicht kontrollieren kann. Es stellt sich heraus, dass im schlimmsten Moment die Kontrolle versagt. Das geschieht heute und das geschieht auch im Film." Obwohl man sie längst verloren hat, gibt man vor, die Kontrolle zu haben, was beispielsweise die Arbeitskleidung des Regierungssprechers signalisieren soll. Doch auf der anderen Seite gibt es in Japan die Mythen, die besagen, dass man die Natur nicht in den Griff kriegen kann. Heute hat die Technologie die Götter ersetzt. Aber in der populären Kultur zeigt sich immer wieder, dass die Angst und Unsicherheit geblieben sind - zurecht.

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Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
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