Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
September 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
31
0102
03
04
0506070809
10
11
1213141516
17
18
1920212223
24
25
2627282930
01
02
Mediathek
SENDUNG vom 27.09.2016
Sendung verpasst?

Navigationselement
Navigationselement
© dpa Lupe
Weltweit bekannt wurde Siegfried Lenz 1968 mit seinem Roman "Deutschstunde".
Der Menschenfreund
Siegfried Lenz wäre 90 Jahre alt geworden
Er gehört zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur: Siegfried Lenz (1926-2014). Eines seiner bevorzugten Themen war die Auseinandersetzung mit totalitärer Herrschaft. Romane wie "Deutschstunde" erreichten auch international eine breite Leserschaft. Am 17. März 2016 wäre er 90 Jahre alt geworden.
Schreiben, das konnte Siegfried Lenz besonders gut in Dänemark. Das Land war für ihn eine zweite Heimat: Seit Jahrzehnten verbrachte er dort mehrere Monate im Jahr. Seine zweite Frau Ulla ist Dänin. An einem abgeschiedenen Ort auf der Insel Fünen fand der Autor die Ruhe zum Schreiben. Auf seine Pfeife wollte Siegfried Lenz nicht verzichten - genauso wenig auf langjährige Freunde wie Helmut Schmidt (1918-2015): "Er ist ein freundlicher Mensch", sagte der Altbundeskanzler einmal über Lenz, "ein sehr behutsamer und außerdem ein einfühlsamer Mensch - insgesamt ein wunderbarer Kerl." Auch in Hamburg, wo der gebürtige Ostpreuße Lenz seit 1946 lebte, hatte er noch eine Wohnung. Der Ehrenbürger liebte die Stadt nicht zuletzt wegen ihres Hafens.

© dpa Lupe
Auf seine Pfeife wollte Lenz nicht verzichten.
In Hamburg spielt auch "Der Mann im Strom" aus dem Jahr 1957. Darin erzählt Lenz die Geschichte eines Tauchers, der wegen seines Alters arbeitslos wird. Der Roman behandelt den Kampf der einfachen Menschen gegen die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft. Sein Einsatz für die sozial Benachteiligten war Lenz ein ganz persönliches Anliegen.

Weltweiter Ruhm durch "Deutschstunde"
Weltweit bekannt wurde Siegfried Lenz 1968 mit seinem Roman "Deutschstunde". Das Buch erzählt vom Konflikt zwischen einem fanatischen Polizisten und einem unangepassten Maler in Nordfriesland während und nach der Nazi-Zeit. Es ist ein Meisterwerk über falsch verstandene Pflichterfüllung. "Für mich ist die 'Deutschstunde' eines der wichtigsten Bücher der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts", so der Schriftsteller einst. "Es ist ein genauso anspruchsvoller wie einfacher Roman. Man kann nicht anders, als sich beim Lesen zu fragen: Wie hätte ich mich damals verhalten? Es ist eine schwierige, eine schmerzhafte Frage." Es ist die große Leistung von Siegfried Lenz, dass er uns dazu bringt, über diese Frage nachzudenken.

"Deutschstunde" machte Lenz zum gefeierten Star des Literaturbetriebs. Unermüdlich präsentierte der Autor seinen Bestseller bei Lesungen, auf Literaturfestivals und Buchmessen. Von nun an wurden fast alle seine Bücher große Erfolge: Lenz schrieb über seine Kriegserfahrung, die verlorene Heimat Ostpreußen und immer wieder über Menschen in Grenzsituationen. Seine Popularität im Ausland machte ihn zum Botschafter eines neuen, demokratischen Deutschlands.

Lebenskrise nach Verlust der Ehefrau
Jahr für Jahr traf er sich bei ausgedehnten Lesereisen mit Politikern und Intellektuellen. Immer an seiner Seite: Ehefrau Liselotte. 2006 starb sie. Ihr Tod - nach 56 Jahren Ehe - nahm den Autor mit, stürzte ihn in eine tiefe Lebens- und Schaffenskrise. Zum ersten Mal in seiner Laufbahn wollte das Schreiben nicht mehr funktionieren. Die Arbeit an einer neuen Novelle blieb jahrelang stecken. "Ich sah es nicht mehr", sagte er. "Selbst als ich versuchte, meine Einbildungskraft zu mobilisieren, gelang es mir nicht mehr. Ich konnte die Personen nicht mehr sehen. Ich konnte sie nicht mehr sprechen hören und dachte: Gib' es auf."

Doch Lenz gab nicht auf. 2008 erschien "Schweigeminute". Die Novelle war eine Premiere für den Autor: Zum ersten Mal schrieb er eine Liebesgeschichte. Das Buch wurde zur Sensation, auch viele junge Leser waren begeistert. Einmal mehr schaffte Siegfried Lenz den schwierigen Spagat zwischen Anspruch und Erfolg. Die Kritik war voll des Lobes, darunter auch Lenz' langjähriger Freund Marcel Reich-Ranicki (1920-2013). "Er ist unter allen deutschen Geschichtenerzählern einer der besten und vorzüglichsten", sagte der Literaturkritiker. Und der Nobelpreisträger Günter Grass (1927-2015) ergänzte: "Er ist ein wunderbarer Kollege, was unter Autoren nicht die Regel ist."

Interesse an den Menschen, Neugierde, Fleiß
Er schreibe, um die Welt zu verstehen, hat Siegfried Lenz einmal gesagt. Sein Interesse an den Menschen, seine Neugierde und seinen Fleiß bewahrte er sich bis zuletzt. "Weitermachen ist das Prinzip", erklärte der Autor. "Voller Zufriedenheit darüber, dass du die Möglichkeit hast, weiter zu schreiben. Was ja auch nicht selbstverständlich ist. The fight goes on." Seinen letzten Kampf verlor er am 7. Oktober 2014.

Kulturzeit-Gespräch mit ...
© ZDFVideo... Ulla Hahn, Schriftstellerin
(08.10.2014)
Kulturzeit-Gespräch mit ...
© ZDFVideo... Jörg Magenau, Autor
(08.10.2014)
Info
Für sein Werk, das 14 Romane, 120 Erzählungen, zahlreiche Novellen, Hörspiele und Dramen umfasst, darunter Welterfolge wie "Deutschstunde" (1968), "So zärtlich war Suleyken" (1955), "Heimatmuseum" (1978) und "Schweigeminute" (2008), wurde Siegfried Lenz mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.
Mediathek
© ZDFVideoInterview mit Siegfried Lenz
(08.04.2014)
Literatur
© dpaZarte Töne
Siegfried Lenz schreibt seine erste Liebesgeschichte (2008)
Literatur
© dpaLebensspuren
Siegfried Lenz vertraut Marbach sein Archiv an (April 2014)
Links