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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© dpa Lupe
Die Katastrophe der Duisburger Loveparade forderte 21 Opfer.
Vergessene Opfer
Die Überlebenden des Loveparade-Unglücks
Die Love-Parade in Duisburg forderte 21 Tote und mehr als 500 Verletzte. Der Oberbürgermeister ist ohne jedes Feingefühl und die Schuldfrage nach einem halben Jahr noch immer ungeklärt - soweit die bekannten Fakten. Schwieriger ist es zu beschreiben, was seit der Katastrophe mit denen passiert ist, die dabei waren, die zwar überlebt haben, aber deren Leben seit dem 24. Juli 2010 nicht mehr so sein kann wie vorher. Mutige sprachen über ihre ganz individuellen Erfahrungen, über ihr Leben nach dem Unglück in Duisburg.
Sechs Monate nach dem Unglück erzählen einige von den Verletzten wie sie die Loveparade in Duisburg verändert hat. "Alles ist anders", sagt eine Auszubildende. "Vorher wollte ich immer nur gerne feiern gehen, am besten mit so vielen Leuten wie möglich. Und immer neue Leute kennenlernen, immer neue Leute ansprechen. Jetzt habe ich Angst vor Fremden, gehe nicht auf andere zu. Am besten so kleine Mengen wie möglich an Menschen. Es hat alles verändert."

"Versuch, ins alte Leben reinzukommen"
© dpa Lupe
Das Unglück ist unfassbar.
"Das Leben ist nicht mehr das, was es mal war", so eine Erzieherin. "Man versucht immer ins alte Leben reinzukommen, aber es geht nicht. Man schafft es nicht." "Die Schlaflosigkeit, die Albträume, Konzentrations-Schwäche. Man ist angespannt, nervös, hat Angstgefühle", sagt ein Handwerksmeister. "Man geht nirgendwo mehr hin, wo viele Leute sind. Ein gewisser Lautstärkepegel - den kann ich einfach nicht ertragen."

Konzentrationsschwäche und Angst
"Ich habe Konzentrationsschwächen, ich kann mich nicht länger als eineinhalb Stunden in der Schule konzentrieren", berichtet die Auszubildende. "Ich mache mir die ganze Zeit Gedanken darüber, egal ob der Wasserkocher ein Geräusch macht oder etwas anderes, was das ist. Und frage mich, ob das etwas Gefährliches ist. Und - ich habe die ganze Zeit Angst."

"Das hat mich wirklich kaputt gemacht - psychisch", sagt eine junge Mutter. "Ich kriege auch einfach keine Ruhe mit den Bildern, die immer wieder kommen, Flashbacks. "Es ist dieses Wissen. Da ist jemand unter mir gestorben. Ich konnte natürlich nichts machen, ich war selber da eingequetscht und begraben unter vielen Leuten. Aber trotzdem - das Wissen, sie ist da wirklich gestorben, das macht mich schon ganz schön fertig."

"Passt auf, die lebt ja noch!"
© reuters Lupe
Die Massenpanik bei der Loveparade
"Dann habe gedacht, wenn ich hier schon auf den Toten liege, dann muss ich wohl auch sterben", sagt die Auszubildende. "Ich habe die Augen zugemacht und in dem Moment kamen auch schon fünf bis acht Leute, die über mich getrampelt sind, auf mir standen, mich umgerannt haben, bis irgendjemand geschrien hat: 'Passt auf, die lebt ja noch.' Er hat die Leute von mir runter geschmissen, mich hochgezogen." "Wir konnten den jungen Menschen nicht helfen", so die Erzieherin. "Wir haben teilweise mitgekriegt, wie ein junges Mädchen vor uns abgesackt ist. Und wir konnten ihr nicht helfen. Da ist dann immer meine Frage: 'Warum dieses junge Mädchen, warum nicht ich?'"

"So schlimm kann das doch nicht sein"
"Es gibt Leute, die sagen: 'Ja, ist schon schrecklich, aber das kann doch nicht so schlimm sein, dass man jetzt nach einem halben Jahr immer noch so Panikzustände kriegt'", so die Auszubildende. "Und es gibt auch viele Erwachsene, die sagen, dass ich übertreibe und mich nicht so anstellen soll."

"Es wird nicht mehr so akzeptiert wie anfangs",sagt die junge Mutter. "Da war natürlich jeder für einen da und hatte ein offenes Ohr, aber sie wollen vergessen, sie wollen alle nicht mehr. Ich soll froh sein, dass ich lebe. Bin ich natürlich auch, und damit soll es dann gut sein."

Verlorengegangenes Verständnis
© dpa Lupe
Der Veranstalter der Duisburger Loveparade Rainer Schaller
"Das Verständnis ist weg", so die Erzieherin. "Ich habe einer Freundin gesagt, dass ich darüber sprechen wolle. Dann sagte sie zu mir: 'Kerstin, warum stellst du dich jetzt so an, es ist doch schon vier Monate her. Jetzt muss aber mal gut sein.'" "Wir hatten Mitte Januar 2011 in Düsseldorf ein Treffen, wo wir uns mit den ganzen Betroffenen und den Unfall-Seelsorgen Nordrhein-Westfalens getroffen haben", sagt der Handwerksmeister. "Die Arbeitgeber, sind auch ganz verständnislos in der Beziehung. Einige haben auch ihre Arbeit verloren. Ein Lehrmädchen hat ihren Ausbildungsplatz verloren, nur auf Grund dessen, weil sie traumatisiert war. Wir haben das nicht zu verantworten. Das ist nicht gerecht."

Eine Einsicht der Verantwortlichen
"Die schieben sich alle gegenseitig den schwarzen Peter zu", so die Erzieherin. "Anstatt zu sagen: 'Entschuldigung. Vielleicht haben wir etwas verkehrt gemacht.' Ich glaube, dann würde es uns auch besser gehen. Wenn einmal eine kleine Einsicht kommen würde von den Verantwortlichen."

"Ganz grausam. Mehr fällt mir dazu nicht ein", sagt die junge Mutter. "Das ist für mich ganz grausam und hat anfangs wütend gemacht. Jetzt macht es zusätzlich auch noch traurig. Weil ich nicht weiß, ob ich als Opfer jemals zu meinem Recht komme. Dafür, dass ich für immer behindert sein werde, eingeschränkt sein werde. Wenn keiner schuldig ist, werde ich nicht zu meinem Recht kommen. Und das tut weh."

"Mir geht es so direkt gar nicht darum, dass die Verantwortlichen bestraft werden", so die Auszubildende. "Ich weiß, dass es nicht aus Absicht war, aber zu hören oder zu sehen, dass sie sich entschuldigen und ihnen das auch wirklich leid tut. Das würde mir sehr helfen."

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