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In der Akademie der Künste in Berlin diskutiert man über Ägyptens Umbruch.
Solidarität mit Ägypten
38. Akademie-Gespräch in Berlin
Es herrscht Euphorie in Kairo: Präsident Mubarak ist abgetreten. Hunderttausende vor allem junge Demonstranten geben Ägypten ein neues Gesicht. Ein Gesicht, das 30 Jahre lang verborgen war hinter der autokratischen Regierung. Wie konnte es so lange dauern, bis sich diese starke Opposition zu Wort meldete? Warum stützte der Westen Mubarak so lange? Fragen, die am 15. Februar 2011 in der Berliner Akademie der Künste beim 38. Akademie-Gespräch mit prominenten Gästen gestellt wurden.
"Die europäische und US-amerikanische Politik basiert auf Interessen und dem sogenannten Stabilitätsbegriff - was man überdenken muss - und ist auch geleitet von der Angst: entweder Diktaturen oder Islamisten. Wenn die Diktaturen weg sind, dann kommen Islamisten", sagt der Literaturwissenschaftler Atef Botros vom Verein "Gemeinsam für Ägypten". Erstaunt musste der Westen feststellen: Auf den Straßen Kairos forderte eine junge internet-affine Opposition den Wandel. Hat der Westen also versagt in seiner Einschätzung der Lage in Ägypten?

Lupe
Akademie-Präsident Klaus Staeck
"Das stimmt weitgehend", findet Akademie-Präsident Klaus Staeck. "Wir waren zufrieden, dass in deren Sinne diktatorische Ordnung herrschte, und wir waren vor allen Dingen daran interessiert, dass die Staaten uns die Flüchtlinge, die in großer Zahl aus Afrika nach Europa trieben, ferngehalten haben."

Jahrzehnte ignorierte die Politik Nordafrika
In der Tat: Kaum sind die autokratischen Herrscher weg, kommen die nordafrikanischen Flüchtlinge und landen auf der italienischen Insel Lampedusa. Italien hat Deutschland bereits um Hilfe gebeten. Die Antwort aus Berlin: Keiner der Flüchtlinge wird aufgenommen. "Alle Kraft muss jetzt auf die Entwicklung in Tunesien gerichtet werden und nicht darauf, wie die Leute aus Tunesien weggehen", fordert Bundesinnenminister Thomas de Maziere. Jahrzehntelang ignorierte die deutsche Politik die Menschen in Nordafrika. Aber müssten wir ihnen nicht jetzt - schon aus moralischer Verantwortung - unsere Tore öffnen?

Lupe
Volker Schlöndorff und Mario Adorf
Verantwortung sei zuviel gesagt, es sei eher eine Verpflichtung, Flüchtlinge aufzunehmen, sagt der Schauspieler Mario Adorf. "Zumindest eine menschliche Verpflichtung, den Menschen zu helfen, soweit es geht. Aber man muss auch bedenken, was da auf die Italiener in Lampedusa zukommt." Die Diskussion in der Akademie ist an diesem Punkt vielstimmig und sehr emotional, was die deutsche Haltung angeht.

"Von diesen 7000 Flüchtlingen können wir keinen aufnehmen?", fragt sich Regisseur Volker Schlöndorff. "Moment: 80 Millionen Deutschen können keine 7000 Tunesier aufnehmen? Das ist eine Schande, das ist ein Zeichen, dass das Propagandabild, das wir von der arabischen Welt haben, nach wie vor gültig ist." Ägypten und Tunesien schwanken zwischen Jubel, Aufbruch und Flucht. Was bedeutet die neue Entwicklung in Nordafrika für uns in Deutschland?

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
VideoDas Gespräch mit dem UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte Jean Ziegler (16.02.2011)