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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© dpa Lupe
Nicht nur Männer sind Teil des Projekts "Imame für Integration". Eine Vorbeterin und 15 Imame nehmen am Sprachkurs des Goethe-Instituts in Köln teil.
Imame auf der Schulbank
Integrations-Projekt mit Erfolg
Aus der deutschen Islamkonferenz ist das Projekt "Imame für Integration" enstanden. Seit Dezember 2009 erhielten die Vorbeter in Nürnberg und Köln berufsbegleitend rund 500 Stunden Deutschunterricht. Außerdem besuchten sie kommunale Einrichtungen und absolvierten Seminare zu Themen wie religiöse Vielfalt, Alltag in Deutschland oder Vereinsarbeit. Am 27. Oktober 2010 wurden den Teilnehmern im Rahmen eines Festakts im Goethe-Institut die Abschlussurkunden überreicht.
Moscheen wirken in Deutschland nach wie vor exotisch - nicht erst seit Sarrazin. Das ist eigentlich erstaunlich, denn es gibt mehr als 2500 davon.Doch oft findet man sie abseits, versteckt in Industriegebieten und Problembezirken, am Rand der Gesellschaft. Ein Grund für diese Isolation ist selbst gemacht: Die meisten Imame kommen direkt aus der Türkei oder arabischen Ländern nach Deutschland. Sie sprechen weder die Sprache noch kennen sie die deutsche Kultur und können beides nicht ihren Gläubigen vermittlen. Das soll sich jetzt ändern.

30 türkische Geistliche auf der Schulbank
© dpa Lupe
Mit dem Spracherwerb fängt Integration an.
Ende 2009 startete das Projekt "Imame für Integration". 30 türkische Geistliche haben seitdem die Schulbank gedrückt. Ein Teil der Imamschüler war an der Nürnberger Eyüp-Sultan-Moschee bei Hakan Altinok und seinen Kollegen. Das Projekt wird gemeinsam vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, vom Goethe-Institut und der Türkisch-Islamischen Union verantwortet, die mehr als 800 türkische Moscheen in Deutschland betreibt.

Die meisten Imame wussten zuvor kaum etwas von Deutschland, ihrem neuen Einsatzgebiet auf Zeit. "Viele sind nach Deutschland gekommen und kannten Deutschland gar nicht so richtig", berichtet Altinok. "Wir haben Ausflüge gemacht, wir haben die Stadt Nürnberg besichtigt. Wir waren in der Stadt eingeladen, haben Integrationsbehörden besucht und waren beim Bundesamt. Da gab es immer wieder Informationen von der anderen Seite. Es gab Kontakte wie beispielsweise in einer Kirche. Da ging es um interreligiösen Dialog. Sehr überrascht waren sie zum Beispiel, als es hieß, im Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Islam als eine der Religionen anerkannt. Das alles sind ganz ganz wichtige Faktoren, die das Deutschland-Bild extrem verändert haben."

"Wir sind Multiplikatoren für unsere Gemeinde"
Die Idee des Projektes war: Wenn der Imam keine Berührungsängste mit Deutschen hat, dann schwindet auch bei den Gläubigen die Neigung zur gesellschaftlichen Isolation, der Parallelgesellschaften. "Wir sind Multiplikatoren für unsere Gemeinde", sagt ein Kursteilnehmer. "Wir sind ein Beispiel für unsere Gemeinde. Wenn wir Deutsch lernen, interessiert sich unsere Gemeinde auch dafür, Deutsch zu lernen." Mancher sähe es sicher gern, wenn man auf diesem Weg den Imamen auch noch etwas wie "deutsche Leitkultur" einimpfen könnte. Doch Angela Kaya vom Goethe-Institut, die diesen Kurs mit ihren Kollegen konzipiert hat, mahnt zur Zurückhaltung.

"Tabus haben wir eigentlich nicht", so Kaya. "Wir sind nicht die Dienstherren dieser Imame. Die sind weiterhin Beamte des türkischen Staates. Was wir tun können, ist, sie zu sensibilisieren. So ist das hier. Da gibt es diese Meinung und jene Meinung. Aber wir haben keine Autorität, ihnen zu sagen: 'Ihr müsst denen sagen: Kopftuch runter und Schwimmen gehen.' Das geht nicht." Schon der Nürnberger Kurs zeigt, dass Integration eine Bereicherung sein kann - vor allem, wenn jeder an seinem Weltbild arbeitet. Unter den Teilnehmern sind nicht nur Imame. Auch Frauen drücken die Schulbank des Projekts. Hier tragen sie, wie beispielsweise Kudret Çimen den Titel "Religionsbeauftragte" - in der Türkei heißen sie "Hodscha", wie ihre männlichen Kollegen. Sie haben fast die gleichen Kompetenzen wie ein Imam. Vor den Männern zu beten, bleibt ihnen allerdings verwehrt. Eine der Frauen berichtet, dass sie bei psychischen Problemen berät und Frauen und Kinder zu Beratungskursen bei der Caritas oder Diakonie begleitet.

500 Deutschstunden, Landeskunde, Dialog
Das Problem des Projektes ist: Nach fünf Jahren stehen die Moschee-Gemeinden in Deutschland wieder allein da. Denn dann kehren die jetzt fortgebildeten Imame und Religionsbeauftragten turnusgemäß in ihre Heimat zurück - mit 500 Deutschstunden, jeder Menge Landeskunde und Dialog-Erfahrung im Gepäck. Für die Verantwortlichen ist das nur ein kleiner Schönheitsfehler. "Es ist ein guter Anfang", sagt Michael Griesbeck, Vizepräsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. "Wir haben festgestellt, dass die Wirkung der Imame als Multiplikatoren in die Moschee-Gemeinden hinein ein äußerst wichtiger Beitrag zur Integration ist. Wir werden dieses Projekt daher fortführen und die Ergebnisse des Projekts auch in eine Gesamtkonzeption einfließen lassen, die im Rahmen der deutschen Islamkonferenz erstellt wird."

Darüber hinaus gebe es einen sehr wichtigen Nebeneffekt, sagt Angela Kaya. "Wenn die Imame in die Türkei zurückkehren, dann bringen sie Erfahrungen und lebendiges Wissen aus Deutschland mit und können das rückspiegeln in die Türkei und auch in die innertürkischen Diskurse. Insofern ist diese Maßnahme dann sicherlich nicht verpufft, sondern sie kann dort Früchte tragen und weitergehen." Neue Kurse haben bereits begonnen. 2012 sollen 135 Imame zu Brückenbauern zwischen den Kulturen ausgebildet worden sein. Es ist ein mühsamer Weg mit beschränkter Wirkung. Doch wer über Jahrzehnte die Integration vernachlässigt hat, der muss klein anfangen. "Imame für Integration" ist ein wohltuend pragmatischer Ansatz in Zeiten aufgeheizter ideologischer Debatten.

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