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© dpa Lupe
Die Verzweiflung ist groß in deutschen Theatern.
Theater in der Krise
Vielen Häusern in Deutschland droht das Aus
Kultur ist schön, Kultur ist wichtig - und trotzdem kürzt man die Budgets. Großbritannien hat soeben die härtesten Einsparungen seit Jahrzehnten verkündet. In den Niederlanden will Geert Wilders drei Orchester einsparen. In Italien hat Wirtschaftsminister Giulio Tremonti die Subventionen von 232 Kultureinrichtungen gestrichen. Und auch in Deutschland wird der Geldhahn zugedreht. Ein paar Beispiele:
Kudamm-Bühnen Berlin
© pr Lupe
2009 kündigen irische Investoren an, das in die Jahre gekommene Einkaufs- und Bürozentrum mitten am Berliner Kudamm, abzureißen, um ein modernes Geschäftszentrum zu errichten. Von den zwei traditionsreichen Theatern soll allerdings nur eines nach historischem Vorbild im Obergeschoss des Neubaus wiedereröffnet werden. In der Öffentlichkeit entbrennt ein heftiger Streit um die Kudamm-Bühnen. Berliner Bürger und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf beharren auf dem Erhalt beider Theater. Nach andauernden Querelen sollen nun Entwürfe des Stararchitekten David Chipperfield die Lösung bringen, nach denen die zwei Theater durch eine neue Bühne ersetzt werden sollen. Die neue Bühne soll sich an der historischen Form des alten Saaltheaters von Oskar Kaufmann orientieren und 650 Plätze bekommen.

Schauspiel Köln
Lupe
Obwohl im Haushalt der Stadt Köln ein riesiges Millionen-Loch klafft, plant der Stadtrat, 2010 die Oper zu sanieren und das alte Schauspielhaus abzureißen, um für etwa 250 Millionen Euro einen Theater-Neubau zu errichten. Gleichzeitig soll der Kulturetat massiv zusammengestrichen werden. Für Schauspiel und Oper wären das rund sechs Millionen Euro weniger - zu wenig. Kölns Bürger aber bringen mit einer Unterschriftensammlung die Pläne zu Fall. Statt des Abrisses wird das Schauspielhaus nun saniert.

Thalia Theater Halle
© dpa Lupe
Um zu sparen, will die Stadt Halle das Thalia Theater schließen. In Leipzig gehen am 18. Oktober 2010 mehrere hundert Theaterleute aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf die Straße, um gegen Sparpläne der Regierung zu demonstrieren. Rund 5000 Menschen unterzeichnen eine Internet-Petition gegen die Schließung des einzigen Kinder- und Jugendtheaters. In einem Offenen Brief an Sachsen-Anhalts Kultusministerin Birgitta Wolff (CDU) fordern die Unterzeichner "eine offene und gerechte Debatte". Der Beschluss über die Schließung müsse rechtlich geprüft und die Besucherzahlen müssten offen gelegt werden.

Schauspielhaus Wuppertal
© Wuppertaler Bühnen Lupe
Die Zuschüsse für die Wuppertaler Bühnen sollen um zwei Millionen Euro gekürzt werden, was der "völligen Aufgabe" der Sparte Schauspiel gleich kommt. Bis zur möglichen Schließung ab der Jahresmitte 2012 agiert das Theater mit eingeschränktem Betrieb. Der Rat der Stadt Wuppertal erhofft sich "Verbundlösungen" mit Spielstätten in den Nachbarstädten Solingen und Remscheid sowie die Erhöhung der Eintrittspreise. Die Schauspieler starten im Januar 2010 erste Protestaktionen. Sie spielen, singen und improvisieren 24 Stunden am Stück gegen die Sparmaßnahme. Als Höhepunkt der Aktion folgt eine Kundgebung. Um ein Zeichen zu setzen, schließen sich am Welttheatertag, dem 29. März, tausende Bürger und Theaterleute zu Protesten gegen das Sparvorhaben zusammen. Sie bilden eine drei Kilometer lange Menschenkette zwischen Schauspielhaus und Oper.

Deutsches Schauspielhaus Hamburg
© dpa Lupe
Für das Deutsche Schauspielhaus beschließt der Hamburger Senat 2010 eine Kürzung der Subventionen um 1,2 Millionen Euro, der Hälfte des künstlerischen Etats. Das heißt: Nebenspielstätten und das Kinder- und Jugendtheater "Junge Schauspielhaus" müssen schließen. Am 14. September 2010 gibt der Intendant des größten deutschen Sprechtheaters, Friedrich Schirmer, seinen Rücktritt bekannt - und nennt die Unterfinanzierung der Spielstätte als Grund. Angeführt von Rocko Schamoni demonstrieren daraufhin Hamburger Künstler und Theaterleute gegen die Sparpläne. In einem Offenen Brief an die Hamburger Bürgerschaft erklärt sich Oliver Reese, Intendant des Schauspiels Frankfurt, mitsamt seinem Ensemble solidarisch mit den Hamburger Kulturschaffenden und verurteilt die Sparmaßnahmen. Auch Jürgen Flimm, Chef der Berliner Staatsoper, fordert die Hamburger Kulturszene zu Protesten auf. Diese tragen nun scheinbar Früchte: Der Senat will die Einsparungen prüfen. Das “Junge Schauspielhaus" bleibt zunächst erhalten und “die Suche nach einem neuen Intendanten für das Schauspielhaus kann unbelastet von Sparauflagen vonstatten gehen“, so der Interims-Intendant Jack Kurfess. “Dennoch gibt es keinen Grund zur Euphorie“, sagt der Intendant des Thalia Theaters Joachim Lux. "Schließlich bleibt es am Ende ja bei extrem harten Einschnitten“.

Theater Hagen
© mev Lupe
Bereits 2008 wird am Theater Hagen eine Million Euro eingespart. Nun sollen es, laut eines neuen Sparpakets ab 2014 nochmals 800.000 Euro weniger werden. Dem Theater droht das Aus. Die Bezirksregierung hofft auf eine Umwandlung des Hauses in einen Gastspielbetrieb. Viele weitere Spielstätten sind durch den Sparmaßnahmen gefährdet: Die Theater in Essen, Oberhausen, Moers und Dortmund stehen zur Disposition.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
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"Schafft die Stadttheater ab!"
Kulturzeit-Gespräch mit Theaterproduzent und Regisseur Frank Alva Buecheler (26.11.2010)
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