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Moderation
Video-Porträt
Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
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© dpa Lupe
Eine Tradition gemeinsamer Werte gab es nie.
Wie christlich-jüdisch sind Deutschlands Werte?
Die Vorurteile nehmen kein Ende: Kopftuchmädchen, Islamisierung, Ffremde Kulturkreise, Feindbild Islam - sachlich ist die Debatte schon lange nicht mehr. Nun wird gegen die drohende Islamisierung das "christlich-jüdische" Erbe der Republik in Stellung gebracht.
"Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern tun sich insgesamt schwerer", sagte unlängst Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer in einem Interview. Ein Zuwanderungsstopp für Türken und Araber müsse her, um der drohenden Islamisierung Einhalt zu gebieten.

Keine "Ungebildeten" als Zuwanderer
Die Frontstellung scheint klar: hier das christlich-jüdische Abendland, da der Islamische Orient. Je größer die Angst vor den Zuwanderern aus der muslimischen Welt, desto größer ist die Sehnsucht nach den intelligenten Juden von einst: Albert Einstein, der Maler Max Liebermann oder Walter Rathenau. Solche Menschen würden die Deutschen heute gerne als Zuwanderer sehen - nicht aber die "Ungebildeten" aus islamischen Staaten. Selbst die Konservativen entdecken neben den christlichen jetzt auch die jüdischen Wurzeln Deutschlands.

Diese Entdeckung kommt reichlich spät. Jahrhunderte lang war die gemeinsame christlich-jüdische Vergangenheit geprägt von Gewalt, Glaubenskriegen und Unterdrückung - von der Shoah ganz zu schweigen. Und jetzt soll ausgerechnet das jüdische Erbe dafür herhalten, eine klare Trennlinie zu ziehen zwischen dem Abendland und dem Fremdkörper Islam? Eine absurde Konstruktion, fand schon der französische Philosoph Jacques Derrida. Für ihn waren Jüdisches und Islamisches eng verwoben. Der Versuch, die jüdische von der islamischen Tradition zu trennen, sei von vornherein zum Scheitern verurteilt, so Derrida. Die jüdisch-christliche Tradition sei eine Erfindung der Moderne. Ein Wunschtraum der vom Holocaust traumatisierten Deutschen. Was also sind die christlich-jüdischen Wurzeln unseres Landes? Historische Realität oder pure Fiktion? Wir sprechen mit dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Gast
© LMU MünchenVideoGesprächsgast in der Kulturzeit am 15.10.2010: Friedrich Wilhelm Graf, evangelischer Theologe