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Moderation
Video-Porträt
Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
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© dpa Lupe
Französische Roma-Frauen des "Cirque Tziganes" protestieren in Paris.
Neues altes Feindbild
In Europa wächst der Hass gegen Sinti und Roma
Im Jahr 2010 weist Frankreich 10.000 Roma aus dem Land. In Ungarn lautet die traurige Bilanz einer Mordserie: neun tote Roma. In Neapel brennt 2008 ein Mob eine Roma-Siedlung nieder. Immer öfter erschüttert Hass Europa - der Hass gegen Sinti und Roma.
Seit 28 Jahren wohnt die Familie Weiss in einer Reihenhaussiedlung am Rand von Hamburg. Es ist ein riesiger Familienverband: 500 Menschen leben in 44 Häusern. Sie sind alle sesshaft und haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie arbeiten als Musiker, Kaufleute, Antiquitäten- und Schrotthändler. Emil Weiss, 82 Jahre alt, ist ihr Familienoberhaupt. "Wir kommen auch mit unseren Nachbarn gut klar", sagt Emil Weiss. "Mit denen, die uns kennen. Die, die uns nicht kennen, haben die alten Vorurteile. Ein Zigeuner weckt immer Vorurteile. Ich weiß auch nicht, warum. Aber es ist so." Man schwärmt romantisch von dem freien Leben der Sinti und Roma oder nennt sie faul, dreckig, asozial. Mehr als 60 Prozent der Deutschen geben in einer Umfrage zu, etwas gegen "die Zigeuner" zu haben. Die Forschung spricht von Antiziganismus, von einer tief verwurzelten Feindschaft gegenüber Sinti und Roma. "Das führt nun dazu", sagt der Antiziganismus-Forscher Wolfgang Wippermann, "dass dieser virulente Antiziganismus im Sinne der Sündenbockthese genutzt werden kann, was Berlusconi in Italien tat und jetzt Sarkozy tut mit der Vertreibung, mit der Abschiebung, ich würde schon fast sagen: mit der Deportation."

"Neue Pogromstimmung"?
© ap Lupe
Räumung von Roma-Lagern in Rumänien im August 2010
Sinti und Roma sind die Prügelknaben. Berlusconi ruft 2008 den "nationalen Notstand" aus, um Roma besser abzuschieben zu können. Sarkozy hingegen fischt Stimmen am rechten Rand, schickt gegen alle Menschenrechts-Übereinkommen Zehntausende zurück nach Bulgarien und Rumänien. "Die Abschiebungen der Roma sind menschenrechtswidrig", so der EU-Kommissar für Menschenrechte, Thomas Hammarberg. "Die Menschen werden nicht über ihre Rechte aufgeklärt. Die angeblich freiwillige Rückreise ist nicht freiwillig. Die Menschen werden gezwungen, wer nicht gehen will, wird aus dem Land getrieben." In Europa leben zehn Millionen Sinti und Roma. Sie sind die größte Minderheit, sozial und wirtschaftlich am schlechtesten gestellt. Wer sie nicht haben will, spricht wie Sarkozy vom "fahrenden Volk", von Kriminellen, die sich unrechtmäßig auf fremdem Boden einnisten und schürt so Stimmung. Manche sprechen gar von einer "neuen Pogromstimmung".

"Diese Rhetorik ähnelt der der 1930er und 1940er Jahre", so Hammarberg, "der Rhetorik, die die Faschisten gebraucht haben und die Nazis in Deutschland. Hunderttausende Roma wurden damals umgebracht. Ich mache mir große Sorgen: Die Politiker müssen verantwortlicher mit ihren Worten umgehen, wenn sie sich vermeintlich zu sozialen Problemen mit den Roma äußern." Emil Weiss hat die Parolen der Nazis erlebt, auch das Konzentrationslager: "Von 1940 bis 1945 waren die meisten Zigeuner alle im KZ, auch meine Frau", sagt er. Dieses Unrecht soll sich nie wiederholen. Die Siedlung in Hamburg wurde der Familie Weiss in den 1980er Jahren auch als Wiedergutmachung gegeben. Hier fühlen sie sich sicher. Natürlich gibt es auch soziale Probleme. Viele ihrer Kinder gehen nicht gerne zur Schule. Das brauche wohl noch eine Generation, sagen sie. "Wir sind als Volk noch sehr auf der Schattenseite", sagt Robert "Gako" Weiss, "zum Beispiel was die Ausbildung betrifft. Wir sind einfach noch nicht so weit - vom Schulischen her und von allem andern. Aber wir möchten."

Mentalitäten sind Gefängnisse
© ap Lupe
Demonstration gegen Sarkozys Roma-Politik in Rumänien
Sie haben nicht vergessen, dass auch ihre Familie lange kein bürgerliches Leben gelebt hat. Auch deshalb fühlen sie mit den Roma, die in anderen Ländern verfolgt werden. Und sie haben Angst:"Ich fürchte mich davor", sagt Gottfried "Goldi" Weiss, "dass es mit dieser Politik weitergeht und es uns dann genauso an den Kragen geht, wie in Frankreich. Da habe ich wirklich Angst vor." Die Familie Weiss ist angekommen in Deutschland. Und doch: Wenn abfällig von "den Zigeunern" die Rede ist, sind immer auch sie gemeint.

Einmal im Monat spielt die Familie Weiss in einem Lokal in Hamburg. Für ihre Musik werden sie geliebt. Das kann aber doch nach Jahrzehnten in diesem Land nicht alles sein, meint Emil Weiss. "Ich wünsche mir, dass unsere Kinder richtig anerkannt werden", sagt er. "Wir sind hier in Deutschland groß geworden, wir sind hier sesshaft. Aber wir bleiben immer 'Zigeuner'." "Mentalitäten sind Gefängnisse von langer Dauer", so Wippermann. "Der Antiziganismus ist ein Gefängnis von langer Dauer. Dieses Gefängnis ist nie aufgebrochen worden." Die Feindschaft gegenüber Sinti und Roma ist eine ungebrochene geistige Tradition, ein Armutszeugnis für das aufgeklärte Europa. Mehr noch: Der Hass ist eine Gefahr für die Demokratie und für alle Sinti und Roma, die in ihr leben.

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Kulturzeit: montags bis freitags,
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