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© dpa Video
Das "Porträt Alfred Flechtheim" von Louis Marcoussis gehört zu den Fälschungen.
Kunstkrimi
Wie ein Fälscher-Trio die Kunstwelt narrte
Die Geschichte liest sich wie ein Krimi: Ein Trio soll die Kunstwelt mit hochkarätigen Fälschungen getäuscht haben. Nach einem Zeitungsbericht haben ein Mann und zwei Frauen bis zu 20 gefälschte Gemälde, die angeblich aus einer Privatsammlung stammten, über Auktionshäuser versteigert. Der Schaden geht in die Millionen.
Es ist einer der größten Fälscher-Skandale der vergangenen Jahre. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte am 4. September 2010 den Fall in einer allgemeinen Stellungnahme: "Es gibt ein großes Verfahren bei uns. Es geht um Kunstfälschung", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld. Im August 2010 habe es entsprechende Hausdurchsuchungen gegeben. Die drei Verdächtigen wurden Zeitungsangaben zufolge festgenommen, dabei handelt es sich um eine 57-jährige Frau, ihre 52 Jahre alte Schwester und deren 59-jährigen Mann. Eine der Fälschungen sei das Gemälde "Rotes Bild mit Pferden" von dem Expressionisten Heinrich Campendonk. 2006 habe es im Auktionshaus Lempertz in Köln einen Rekordpreis von 2,4 Millionen Euro erzielt und sei das bisher teuerste Gemälde, das je von Campendonk versteigert wurde. Betroffen sollen auch Werke sein, die Max Pechstein zugeschrieben werden.

Falsche Expertisen
Eine Reihe von Kunstexperten und Händlern hätten die Werke für echt erklärt, schrieb die "Welt am Sonntag". Eine Kunsthistorikerin habe bekannt, unter Druck ein falsches Gutachten abgegeben zu haben. Ein Mann habe ihr am Telefon mit rheinischem Akzent gesagt, in Sachen Campendonk seien russische Interessen betroffen. Eine andere Gutachterin habe von "hochkarätigen Fälschungen" gesprochen. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft Köln gaben bisher Einzelheiten bekannt.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" gab der Kunsthistoriker Ralph Jentsch den ersten Anstoß für die Zweifel an der Echtheit der Bilder. Jentsch ist der Nachlassverwalter des Künstlers George Grosz und Experte für den Kunsthändler und -sammler Alfred Flechtheim. Er gilt als anerkannter Fachmann in der Erforschung der Herkunftsgeschichte von Kunstwerken und Kulturgütern. Als er auf der Rückseite eines Bildes den Aufkleber der Sammlung Flechtheim fand, habe er genauer hingesehen und ihn als Fälschung erkannt. Andere Gemälde mit dem gleichen Aufkleber kämen "fast ausschließlich aus einem Bestand, nämlich der Sammlung Werner Jägers in Köln, so dass ein groß angelegtes Fälschungsvorhaben nicht auszuschließen ist", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" aus seinem Gutachten.

Geschickte Fälschungen
© dpa Lupe
Campendonks "Rotes Bild mit Pferden" wurde bei Lempertz versteigert.
"Es ist schon unglaublich", sagt Henrik Hanstein vom Kunsthaus Lempertz Köln. "Es ist unglaublich raffiniert gemacht. Sehr geschickt. Nicht nur technisch, sondern auch kunsthistorisch." Die Fälschungen entstehen denkbar einfach. Der Fälscher hat sich die Vorlagen, wie etwa eine Zeichnung, auf eine Leinwand projiziert, die Konturen abgemalt und ausgefüllt. Kunsthistorikerin Aya Soika, die derzeit am Pechstein-Werkverzeichnis arbeitet, zeigt an einem Beispiel, wie die Fälscher gearbeitet haben: "Da kann man sehen, dass jeder Laternenpfosten auf der Brücke wieder zu finden ist. Die Brückenpfeiler, die Position des Frachtkahns oder der Figur wurden en detail übernommen. Dem Fälscher sind dabei noch andere Missverständnisse unterlaufen. Was zum Beispiel in der kleinen Zeichnung von Max Pechstein im Hintergrund einen Kirchturm zeigt, hat der Fälscher umgedeutet zu einer verwackelten Rauchfahne, die mit einem Kirchturm nur noch wenig gemeinsam hat."

Henrik Hanstein vom Kunsthaus Lempertz sagt: "Im Nachhinein sind alle klüger. Da gibt es im Moment eine ganze Menge Besserwisser. Das erste Mal kam ein bedeutendes Gemälde von Campendonk bei Christie's 1995 zur Auktion in London mit dem Verweis auf diese Quelle. Die ist nie kritisiert und nie hinterfragt worden. Ich gehe dann davon aus, dass unsere Kollegen in London auch die Provenienz, soweit es ihnen möglich war, hinterfragt haben."

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Kulturzeit: montags bis freitags,
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