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Thilo Sarrazin katapultiert sich mit seinem Äußerungen zur Integration ins Aus.
Provokateur in Nöten
Thilo Sarrazin verteidigt seine Thesen
Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin gerät wegen seiner umstrittenen Thesen zur Zuwanderung von Muslimen immer stärker unter Druck. Die SPD-Spitze brachte ein Parteiausschlussverfahren auf den Weg. Laut Medienberichten beriet auch die Führung der Bundesbank über Konsequenzen. Bei der Buchvorstellung am 30. August 2010 herrschte großer Andrang, darunter auch Rechtspopulisten von "Political incorrect". Draußen protestierten Gewerkschaften und Organisationen.
Sarrazin selbst verteidigte sich: Bei der Vorstellung seines Buches "Deutschland schafft sich ab" in Berlin argumentierte er, dass Integrationsprobleme bei Muslimen über Generationen fortbestünden. Bei anderen Einwanderern würden sich Schwierigkeiten etwa bei der Sprache oder im Umgang mit Behörden nach der ersten Generation legen. Sarrazin war bereits nach dem Abdruck von Auszügen aus dem Buch wegen seiner Aussagen zu mangelnder Integrationsbereitschaft von Muslimen in die Kritik geraten. Am 29. August 2010 hatte der Autor zudem mit einer Interview-Äußerung zur "genetischen Identität" der Völker parteiübergreifend Empörung ausgelöst. "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden", sagte er der "Welt am Sonntag".

"Abstruse Erbmaterialtheorien"
Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte, Sarrazin grenze ganze Gruppen aus, mache sie verächtlich und habe sich nun noch in "komplett abstruse Erbmaterialtheorien verrannt". Die Bundesbank müsse sich Gedanken machen, wie sie mit dem Fall Sarrazin umgehe. Der Generalsekretär der Muslime in Deutschland, Ayman Mazyek, bezeichnete den ehemaligen Berliner Finanzsenator als einen "Nazi in Nadelstreifen", der versuche, "Rassismus wieder salonfähig zu machen". Seine Behauptungen über Muslime entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Sarrazin weist Vorwürfe zurück
Den Vorwurf der Judenfeindlichkeit wies der ehemalige Berliner Finanzsenator zurück. Er habe sich mit seiner Aussage auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt, wonach es "gemeinsame genetische Wurzeln der heute lebenden Juden" gebe. Damit sei weder eine positive noch eine negative Zuschreibung verbunden. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, warf Sarrazin vor, den Menschen auf seine Biologie zu reduzieren. Menschen würden "in erwünschte und unerwünschte, brauchbare und unbrauchbare sortiert. Solches Denken war und ist die Grundlage eugenischer Debatten mit einer eigenen Dynamik, bis hin zu den Euthanasieprogrammen."

Während der Buchvorstellung wurde in Berlin bekannt, dass die SPD-Spitze den Parteiausschluss Sarrazins anstrebt. Dieser betonte bei der Präsentation, weiter Mitglied der SPD und Bundesbankvorstand bleiben zu wollen. Er habe keine "dienstlichen Obliegenheiten" verletzt.

Sendedaten
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