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Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
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Geben ist seliger denn nehmen, aber woher kommt das Geld der Spender?
Die Macht der Reichen
Wieviel Wohltat muss sein?
Die US-Multi-Milliardäre Warren Buffett und Bill Gates wollen in diesen schwierigen Zeiten ihren Reichtum teilen. 40 weitere US-Milliardäre für ihre Initiative "Giving Pledge" ("Spendenversprechen") gewinnen. Die Frage ist nur: Woher kommt das viele, großzügig gespendete Geld? Eine kontroverse Diskussion.
"Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahen sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich."
(Bertolt Brecht: "Alfabet", 1934)

Insgesamt sollen 600 Milliarden US-Dollar (rund 474 MIlliarden Euro) gespendet werden. Eine unverbindliche Absichtserklärung haben die meisten auch schon unterschrieben. Da können wir uns doch glücklich schätzen, bei so viel Philantropie, oder? Am Spenden selbst ist schließlich nichts falsch.

Milliarden durch Niedrigstlohnarbeit
Lupe
Der Ökonom Rudolf Hickel lehrt in Bremen.
"Der Reichtum eines Milliardärs wird in Deutschland großzügig gefeiert", sagt der Ökonom Rudolf Hickel, "obwohl er seinen Milliardenreichtum durch den Einsatz von Niedrigstlohnarbeit, prekärer Arbeit, Leiharbeit bekommen hat. Menschen, die unter der Armutsgrenze arbeiten, sind die Basis seines späteren Reichtums. Das muss man in der Tat offenlegen." Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Instituts für Philantropie und Zivilgesellschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, entgegnet: "Für die Aidskranken im südlichen Afrika ist das eine uninteressante Kategorie, denn ihnen wird zum ersten Mal wirksame Erleichterung durch medizinische Versorgung angeboten. Sie fragen nicht, ob im fernen Seattle bei Microsoft alles optimal gestaltet ist. "Wer hilfsbedürftig ist, fragt nicht danach, woher das Geld für die Finanzierung der Hilfe kommt. Und trotzdem ist dies eine fundamentale Frage.

Der Kreislauf des Geldes folgt einem paradoxen Denken, denn unser Wirtschaftssystem beruht auf dem Streben nach schnellst- und größtmöglicher Gewinn-Maximierung und damit auch auf der Ausbeutung von humanen Ressourcen. Gerade in der Wirtschaftskrise wurden vielerorts Sozialleistungen gekürzt, um den Unternehmens-Standort nicht zu gefährden und Jobs zu sichern. Eindeutige Profiteure gab es trotzdem auch in der Zeit von Börsencrashs und Bankenkrisen. Tatsächlich hat sowohl der Gewinn, als auch die Zahl der Millionäre insgesamt zugenommen - auf Kosten derer, die den Gewinn miterwirtschaftet haben.

Reichtum legitimieren
In Deutschland hat sich das Ausmaß sozialer Ungleichheit in den letzten zehn Jahren erheblich vergrößert. Bei den oberen zehn Prozent der Gesellschaft stieg das Vermögen um 17 Prozent, während das ärmste Zehntel zehn Prozent weniger in der Tasche hat. Umso wichtiger ist es dann, Reichtum zu legitimieren. "Reichtum schafft keine besondere soziale Anerkennung - auch nicht in Deutschland", sagt Rudolf Hickel. "Reichtum schafft dann soziale Anerkennung, auch in den USA, wenn man etwas davon abgibt, wenn man wirklich als großer Spender da steht."

Durch die medienwirksame Inszenierung von Spenden wird der Reichtum, aber auch der neoliberale Kapitalismus als solcher legitimiert. Das großzügige Geben im Licht der Öffentlichkeit lässt den Ursprung des Reichtums in den Hintergrund treten. Die Krankheit des Systems wird verdeckt, nicht geheilt und es findet keine fundierte Auseinandersetzung statt. "Das ist eigentlich mein Hauptkritikpunkt", so der Unternehmer Peter Krämer. "Die sogenannten 'guten Leute', die Milliardäre, sagen nicht, wofür das Geld genau eingesetzt werden soll, sondern nur‚ dass es 'für einen guten Zweck' verwendet werden soll. Also kann es nur für etwas ausgegeben werden, dass die Milliardäre gut finden. Das Spenden dieser gewaltigen Summen betrachte ich als eine Aushöhlung des Staatswesens."

Mit Hilfsationen Macht ausüben
Lupe
Rupert Graf Strachwitz leitet das Maecenata Institut der Humbolt-Universität Berlin.
Statt Steuern zu zahlen, wird gespendet. Das dient nicht nur dem Machterhalt, sondern auch der Machterweitung. Denn die Spender entscheiden, wohin das Geld fließt - ohne den Einfluss des Staates. Warum auch nicht? Schließlich wird der Staat allein kaum allen sozialen Aufgaben gerecht. In den Vereinigten Staaten sogar noch weniger als im Sozialstaat Deutschland. Warum sollte man nicht umdenken und die gut gemeinte Hilfe annehmen? "Der Staat hat Aufgaben, die nicht von Stiftern wahrgenommen werden. Das zeigt sich in den USA", erklärt der Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel. "Obama kämpft massiv dafür, dass endlich der Skandal eines nicht existierenden öffentlichen Gesundheitssystems abgeschafft wird. Das ist eine Sozialstaatsaufgabe, die für die Gesellschaft wichtig ist. Um diese Aufgabe kümmern sich die Stifter nicht." Rupert Graf Strachwitz sieht das anders: "Der amerikanische Staat hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass er mit Hilfsaktionen Macht ausüben will. Und diese Macht wird nun gebrochen, weil der Staat damit nicht mehr alleine ist, und das eigentlich schon lange nicht mehr. Jetzt sind viele andere dabei, die ihre eigenen Ideen verwirklichen."

Warum all das Misstrauen, wenn die Rede vom "neuen sozialen Gewissen" ist? Schließlich hat sich der Microsoft-Gründer mit der "Bill and Melinda Gates Foundation" ein gewisses soziales Renomée geschaffen und investiert in Katastrophenhilfe und Grundlagenforschung, allerdings nur mit fünf Prozent des Stiftungskapitals. Die restlichen 95 Prozent werden weniger öffentlich investiert, beispielsweise in die Genmanipulationsforschung. Und bei ihrem Kampf gegen Aids verdient die Stiftung an Aktien von Pharmaunternehmern, die ihre Aids-Medikamente so teuer verkaufen, dass sie für die afrikanischen Patienten unerschwinglich bleiben. Doch bei soviel philantropischer Spendenfreudigkeit der Millionäre spricht darüber kaum jemand.

Spenden ist eine dem Gemeinwohl dienende Tat, die gerade in Momenten sozialer Not unabdingbar und nicht zuletzt auch ein Zeichen menschlicher Solidarität ist. Doch sie wird auch dazu missbraucht, über die Ursachen ihrer Notwendigkeit hinwegzutäuschen. Und nicht zuletzt deshalb stellt sich die Frage, warum man erwirtschaftete Gewinne nicht fair verteilt, statt den eigenen Profit rücksichtslos zu maximieren und ihn dann gönnerhaft zu spenden?

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
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