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© dpa Lupe
Heinrich Böll prangerte Machtwillkür und Missstände in Staat, Kirche und Gesellschaft radikal an.
Der "leidenschaftliche Zeitgenosse"
Heinrich Böll zum 30. Todestag
Er war der erste deutsche Literaturnobelpreisträger nach Thomas Mann. Eine Persönlichkeit, die wie kaum eine andere den Zustand der Bundesrepublik in den 1950er bis 80er Jahren als moralische Instanz kommentierte. Am 16. Juli jährt sich der Todestag von Heinrich Böll zum 30. Mal.
Schon zu Lebzeiten war Böll mit seinen Erzählungen ein Klassiker der Gegenwartsliteratur. Werke wie "Ansichten eines Clowns" (1963) und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1974) gehören noch immer zur Schullektüre. Neben Kurzgeschichten, Satiren und Romanen schrieb Böll auch Hörspiele und Drehbücher, Theaterstücke und Gedichte. Gemeinsam mit seiner Frau Annemarie, die vier Söhne zur Welt brachte, übersetzte er englische und US-amerikanische Literatur.

Debattengeber - auch in der politischen Kultur
Seinen Ruhm verdankt Böll aber nicht nur seiner Literatur. Auch die politische Kultur der Bundesrepublik war über Jahrzehnte hinweg geprägt durch seine Debatten. Der Schriftsteller verstand sich als "leidenschaftlicher Zeitgenosse", der in seinen literarischen Texten ebenso wie in Essays und Reden Machtwillkür und Missstände in Staat, Kirche und Gesellschaft radikal anprangerte.

Die schärfsten Kontroversen wurden während der Hysterie rund um den RAF-Terrorismus Anfang der 1970er Jahre ausgetragen. Unter der Überschrift "Will Ulrike Meinhof Gnade oder freies Geleit?" setzte sich Böll im Januar 1972 im Magazin "Der Spiegel" für einen fairen und rechtsstaatlichen Umgang mit den Terroristen ein und warf der "Bild"-Zeitung und dem Springer-Konzern Stimmungsmache und Verleumdung vor. Das löste eine Hetzkampagne gegen den Schriftsteller aus, die in Forderungen nach seiner Ausreise gipfelte. Im selben Jahr erhielt er den Literaturnobelpreis.

Günter Wallraff: "Symbolfigur" Böll
Seine Prominenz nutzte Böll für gesellschaftliches und politisches Engagement bis hin zu Sitzblockaden gegen die Stationierung von Atomraketen in den 1980er Jahren. "Von den engagierten westdeutschen Autoren war Böll der erste", sagte Günter Wallraff. "Er war es so deutlich, dass er zur Symbolfigur wurde." Von Böll eingängig und plastisch geschilderte Themen wie Krieg, Terrorismus, Familie oder Loyalität zum Staat lösten auch in heutigen Studentenseminaren immer wieder Diskussionen aus, sie machten Grundbefindlichkeiten seiner Zeit erfahrbar. "Das bleibt ein Vermächtnis Bölls", so die Wuppertaler Literaturwissenschaftlerin Christine Hummel.

Der Nachlass Heinrich Bölls wurde im Kölner Stadtarchiv aufbewahrt. Nur ein kleiner Teil blieb nach dem Einsturz des Archivs im März 2009 unversehrt - ein schwerer Schlag für die Forschung.

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